Kinokritik: „Logan – The Wolverine“ Mutant in einem kaputten Amerika

Von Wolfram Hannemann 

Beim dritten Soloauftritt von Hugh Jackman als Wolverine lebt das Ex-Mitglied der X-Men mit Professor X versteckt im Untergrund. Der Regisseur James Mangold weicht in „Logan – The Wolverine“ von Ton und Stil der üblichen Marvel-Verfilmungen erheblich ab.

Stuttgart - Man schreibt das Jahr 2029. Gemeinsam mit dem Albino Caliban sowie Professor X lebt Mutant Logan (abgehalftert: Hugh Jackman) versteckt in einem brachen Industriegelände. Um dringend benötigte Medizin für X kaufen zu können, jobbt er als Taxifahrer. Dabei lernt Logan eine junge Frau kennen, die ihn bittet, sie und ihre kleine Tochter Laura über die kanadische Grenze zu bringen. Noch bevor es dazu kommt, wird die junge Frau ermordet. Widerwillig nimmt sich Logan des Kindes an und muss bald schon gemeinsam mit seinen Freunden vor einem übermächtigen Gegner fliehen.

Mit „Logan“ wird das nächste Kapitel im „X-Men“-Universum aufgeschlagen und die Geschichte des Mutanten Wolverine fortgesetzt. Gemessen an den bisherigen Comic-Verfilmungenaus dem Hause Marvel, könnte man den von James Mangold inszenierten Film fast schon als eine Art Marvel fürs Arthouse bezeichnen. Denn Tempo und Rhythmus unterscheiden sich erheblich von denen früherer Filme. Natürlich wartet auch „Logan“ mit rasanter Action auf, jedoch ohne die fast schon zum Standard gewordene halbstündige Zerstörungsorgie, mit der die Marvel-Filme zu Ende gehen. Ähnliches gilt für die visuellen Effekte, die zwar vorhanden sind, sich jedoch nie in den Vordergrund drängen oder gar verselbstständigen. Sogar der Soundtrack gibt sich anders: statt Kompositionsgigantismus eine ungewohnt ruhige Filmmusik mit Dissonanzen.

Zwischen Action und Gesellschaftskritik

So stressfrei war noch kein Mutanten-Film! Typisches Blockbuster-Publikum dürfte sich daher mit dem Film etwas schwer tun. Alleine schon deshalb, weil sich Mangold mit dem Einstieg in seinen Film sehr viel Zeit lässt. So gibt es die erste große Action-Sequenz, die in Aufbau und Choreografie an die „Max Max“-Filme erinnert, erst eine Dreiviertelstunde nach Filmbeginn. Und damit nicht genug. Mangold, der sich mit anspruchsvollen Filmen wie „Cop Land“ oder „Walk the Line“ seine Sporen verdiente, erweitert „Logan“ um eine gesellschaftspolitische Komponente. Sein Amerika ist ein abgewirtschaftetes Land, in dem sich kleine Farmer hilflos Großkonzernen ausgeliefert sehen, die den Markt mit genmanipulierten Erzeugnissen überfluten. „Make America’s corn great again!“, tönt es da aus dem Radio.

Doch es gibt auch ein Quäntchen Hoffnung: Logans Schützling (sehr energisch: Dafne Keen), deren Stahlkrallen Köpfe rollen lassen, repräsentiert die nächste Generation von Mutanten. Eine Generation, die bereit ist, die moralische Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Ganz im Sinne des Western-Klassikers „Mein großer Freund Shane“, den sich Laura im Fernsehen anschaut. „Logan“ ist ambitioniertes Action-Kino mit einigen Härten.

Sehen Sie hier den Trailer zu „Logan – The Wolverine“:

Logan – The Wolverine. USA 2017. Regie: James Mangold. Mit Hugh Jackman, Patrick Stewart, Boyd Holbrook. 135 Minuten. Ab 16 Jahren.

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