Bemühte Coolness, verschlafene Planlosigkeit: Auch Johnny English ist eine für Rowan Atkinson sehr charakteristische Figur. Foto: Verleih

Der britische Komiker Rowan Atkinson hat nach Mr. Bean auch den Geheimagenten Johnny English als Kultfigur etabliert. Dessen drittes Abenteuer bietet wie zu erwarten Slapstick und Quatsch – und einige originelle Einfälle.

Stuttgart - Anno 2003 war er kurz mal König von Großbritannien. 2011 enttarnte er einen Maulwurf beim MI7, dem Geheimdienst, für den er arbeitet. Da bleibt für Johnny English im Jahr 2018 nur noch eines: Die Welt vor einem genialen Hacker retten, der das gesamte Internet zu kontrollieren versucht. Der famose Hauptdarsteller Rowan Atkinson (63) hat an diesem dritten Teil von Anfang an mitgearbeitet, Ideen eingebracht und abgewogen, was zum Charakter passen könnte.

Zu Beginn muss der bereits pensionierte English, der sich als Ausbilder in eine Art Hogwarts für Spione zurückgezogen hat, erst nach London zurückbeordert werden. Dort gibt es ein Wiedersehen mit seinem alten Kollegen Bough (Ben Miller), ­bekannt aus dem ersten Teil. Ein Hackerangriff enttarnt alle aktuellen Agenten, der als Pensionär unentdeckte English ist die letzte Hoffnung. Mit neumodischem ­Online-Gedöns kennt sich der Spitzel der alten Schule allerdings nicht aus, weiß dies jedoch zu seinem Vorteil auszulegen: Einen digitalen Widersacher, der das World Wide Web beherrscht, jagt man am besten mit analogen Mitteln. Und so sitzen English und Bough nicht im vernetzten E-Auto, sondern räumen bald wieder im guten ­alten spritfressenden Aston Martin auf. ­Alte Briten kehren gut.

Atkinson ist privat ein Autoenthusiast

Dabei stricken die Macher keine plumpe „Früher war alles besser“-Erzählung. Ironisch werden Vorzüge, aber eben auch wesentliche Nachteile der scheidenden, für Liebhaber aber immer noch schöneren Technik aufgezeigt: Die Karre kommt kaum um die Kurve, bei einer Verfolgungsjagd bleibt sie liegen, während das elektrische Gefährt mühelos weitersaust. Atkinson selbst ist ein großer Automobilenthusiast, der auch selbst gerne mal ein Rennen fährt und bei einem schlimmen Unfall vor einigen Jahren bereits einen kostspieligen McLaren F1 zu Schrott und sich selbst ins Krankenhaus gefahren hat.

Großartig gestaltet sich Atkinsons Ausflug mit einer VR-Brille. In der virtuellen Welt kämpft sich Johnny English durch ein Trainingsprogramm, das ihm helfen soll, den Feind ausfindig zu machen. Was er nicht bemerkt: In der Realität sind die Schwerter, mit denen er zu kämpfen glaubt, nur Baguettes, die Widersacher ahnungslose Passanten in der Fußgängerzone, die von English reihenweise zur Strecke gebracht werden. Eine sehr komische von etlichen Verwechslungsszenen, in denen er sich auch bei der Queen in Misskredit bringt.

Johnny English entstammt einer Werbekampagne

Atkinson hat sich als erstaunlich wandlungsfähig erwiesen. Bekannt wurde er in den 80ern mit der Serie „Blackadder“, in der er in verschiedenen Epochen als verschlagener Spross einer zu Beginn noblen Familie für Erheiterung sorgte. In den 90ern wurde Atkinson dann zur Kultfigur als schussliger Egozentriker Mr. Bean und amüsierte beinahe allein mit seiner Körpersprache. Aufgrund dieser Sprachbarrierefreiheit läuft er noch heute auf den Nackenstützenbildschirmen internationaler Flüge. Die Paraderolle bescherte der Welt allerhand kuriose Geschichten, auch im echten Leben: Der ebenfalls nicht unbekannte Darsteller Sean Bean („Game of Thrones“) etwa erhält häufig Fan-Post, die eigentlich für Atkinson gedacht ist. Wenn sich Bean am Telefon mit „Mr. Bean“ meldet, so erzählte er einmal, vernimmt er ein Kichern am anderen Leitungsende.

Inzwischen hat sich Atkinson als Agenten-Persiflierer eine beträchtliche Fangemeinde erspielt – auch wenn die Komik des Agenten punktuell durchaus auf bewährten „Bean“-Einlagen aufbaut. Atkinsons einzigartige Mimik, eine Mischung aus bemühter Coolness und verschlafener Planlosigkeit, wäre sonst ja auch verschenkt. Die Idee zur Figur Johnny English fällt in die „Bean“-Phase: 1992 tauchte Atkinson in TV-Spots eines Kreditkartenunternehmens als tollpatschiger Agent auf, der das zu bewerbende Produkt verachtet und einfach nicht benutzen will. Auf der Insel entwickelte sich daraus eine der berühmtesten Kampagnen aller Zeiten. Nun ist der Agent ein Weltstar. Die Plausibilität seiner Abenteuer hält sich auch im dritten Teil in Grenzen, aber selbst, wer an den Slapstick- und Totalquatschpassagen keinen Gefallen findet, dürfte Freude haben an manch originellem Einfall darüber hinaus.

Wie seine Filmfigur hat sich auch Atkinson um Großbritannien verdient gemacht: Seit 2011 darf er sich „Sir“ nennen. Sein eigenes Verhältnis zur Königin scheint also besser zu sein als das seines Geheimagenten – die Welt zu retten ist ja auch einfacher, als für ein paar gute Lacher zu sorgen.

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