Flammendes Haupt, flammendes Schwert: Hellboy ist ein Apokalyptiker Foto: Verleih

Guillermo del Toro formte den Comic-Dämonen Hellboy zum vielschichtig schillernden Kinohelden. Neil Marshall begnügt sich in seinem Prequel mit Augenfutter zum Popcorn.

Stuttgart - Mit Hilfe des Russen Rasputin und eines Dimensionstores haben die Nazis den Dämon Hellboy aus der Hölle in die Welt geholt – doch die Amerikaner waren zur Stelle, haben das unverwundbare Wesen kassiert und zum Dämonenjäger ausgebildet. Kunstvoll hat der ­Regisseur Guillermo del Toro dem absurden Stoff aus dem Comic-Verlag Dark Horse menschliches Drama abgewonnen, Ron Pearlman machte aus Hellboy einen tragikomischen Melancholiker mit lakonischen Sprüchen, empfindsamer Seele und großer Liebe zur nicht minder melancholischen Feuerteufelin Liz. Mit dem kultivierten Wassermann Abe Sapien – nicht zu verwechseln mit dem wilden Wassermann in del Toros „Shape of Water“ – sprach Hellboy beim Bier über Beziehungsprobleme.

Derlei Zwischentöne interessieren den Serien-Regisseur Neil Marshall („Game of Thrones“, „Westworld“) offenbar wenig. Er erzählt die Vorgeschichte zu del Toros eindrucksvollen Filmen „Hellboy“ (2004) und „Die goldene Armee“ (2008) als überbordendes Effekt-Spektakel ohne Subtext, Metaebene und Ironie. Keine Rolle spielt das Wesen der Hexen, Vampire, Menschenfresser und Riesen, die Hellboys Weg kreuzen; skrupellos wird die Artus-Sage geplündert, der Zauberer Merlin exhumiert und als unselige Verlockung für den Helden ­Excalibur angerichtet, das mit Spinnweben dekorierte Schwert im Stein.

Mitunter wird es unfreiwillig komisch

Die Sinnfreiheit an sich ist dabei gar nicht so entscheidend, viele Comic-Verfilmungen arbeiten mit ähnlichen Storys – problematisch ist die totale Überfrachtung mit Motiven, die nur unzureichend miteinander verknüpft sind und insgesamt keinerlei Bedeutung entfalten über die reine Effekthascherei hinaus. Dazu kommt, dass die Tricks oft als solche deutlich erkennbar sind, was mitunter zu unfreiwilliger Komik führt – etwa wenn die Hexe Nimue in digital verwetterter Geisterbahn-Pappkulisse die Vernichtung der Menschheit verkündet und dabei bedeutungsschwanger wirken soll, aber mangels Motiv eher albern anmutet. Milla Jovovich („Das fünfte Element“) macht da eine ebenso unglückliche Figur wie David Harbour (der Sheriff in „Stranger Things“) als Hellboy, dessen Dialogsätze selten zünden. Selbst der alte Haudegen Ian McShane („American Gods“) als Hellboy-Ziehvater wirkt etwas ratlos und wie auf Autopilot – alle arbeiten sie sich an der Inhaltsleere ab. Vielleicht wollte Marshall nicht mehr abliefern als mittelmäßige Knalleffekte zum Popcorn; wem das genügt, der mag sich hier unterhalten fühlen.

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