Dwayne Johnson und Zac Efron in ­„Baywatch“ Foto: Verleih

Eigentlich ist in „Baywatch“ alles da für ein buntes Kino-Spektakel, doch der Verfilmung der Kultserie der Neunziger fehlt es an Handlung und an echten Charakteren.

West Palm Beach - Eine gute Viertelstunde lang sieht es so aus, als hätten Regisseur Seth Gordon und die anderen „Baywatch“-Verfilmer tatsächlich vorgehabt, aus der TV-Kultserie der 90er einen richtigen Kinofilm zu machen. Dwayne Johnson gleitet als Anführer der Rettungsschwimmer leichtfüßig über den Strand, über den er mit väterlicher Integrität herrscht wie einst sein Vorgänger David Hasselhoff; Zac Efron dringt als Neuankömmling per Motorrad in sein Revier ein; das blonde Model Kelly Rohrbach geizt nicht mit Reizen wie einst Pamela Anderson; und die Bollywood-Diva Priyanka Chopra als stinkreiche Investorin, deren High Heels für den Sand nicht geeignet sind, erweckt gleich den Verdacht, dass sie sich den gesamten Strand unter den Nagel reißen will – was die detektivisch engagierten Rettungsschwimmer natürlich verhindern wollen.

Es ist also alles da für buntes Hollywood-Kino, mit der Gentrifzierungsdebatte sogar ein bedeutsames Thema. Dass die Handlung vom kalifornischen Malibu nach West Palm Beach in Florida verlegt wurde: geschenkt. Viel schwerer wiegt, dass Autorenteam und Regie in der Folge keine Handlung und keine Charaktere liefern, sondern allenfalls Material für eine 45-minütige Serienfolge – und eine eher schwächere noch dazu.

Der Ex-Wrestler Johnson wird als Mitch Buchannon schnell demontiert, indem man ihn bei der ersten Gelegenheit feuern und bei Schlägereien ungelenk aussehen lässt, wo doch schon sein erster Schlag wirklich jeden ausknocken müsste. Efron verkörpert schon optisch ein sehr schmales James-Dean-Abziehbild. Er muss als Matt Brody eine unglaubwürdige 180-Grad-Wandlung hinlegen vom Goldmedaillengewinner und Egomanen, der das US-Schwimmteam bei Olympia hängenließ, zum zugewandten Altruisten. Rohrbach bleibt als C.J. Parker ein reiner Hingucker ohne weitere Funktion. Und Chopras Figur ist nicht nur eine skrupellose Immobilien-Heuschrecke, sondern handelt auch mit Drogen – am helllichten Tage bergen Taucher im Hafen die heiße Ware.

Kino geht anders.

So geht das weiter: Eine Kugel in der linken Brustseite ist nur ein Kratzer, Leichen werden angeschwemmt und Schnüffler vor aller Augen im Hafen entsorgt, doch der Dorfpolizist hat seine Augen anscheinend nur zur Dekoration. Dazu werden peinliche Witzchen unter der Gürtellinie ausgereizt – etwa wenn der übergewichtige Computer-Nerd, der real niemals Rettungsschwimmer werden könnte, eine Erektion durch einen Sprung auf eine Holzliege zu kaschieren sucht und mit seiner Latte zwischen den Latten hängenbleibt.

Das ist kein Kino, bleibt unter dem Niveau aktueller Qualitätsserie und wird in seiner pseudo-parodistischen Fahrigkeit auch dem kultisch verehrten Original nicht gerecht, das einen Standard setzte in der damaligen Fernsehunterhaltung. Was die Produzenten mit dieser Verfilmung erreichen wollten, bleibt ein Rätsel. Eintritt verlangen sollten sie dafür nicht.

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