Steve Carell als Bobby Riggs (mit Schild), Emma Stone (in blauen Turnschuhen) als Billie Jean King in „Battle of the Sexes“ Foto: Verleih

Die spritzige Tragikomödie „Battle of the Sexes“ widmet sich mit Witz und Empathie dem alten Zankapfel der Chancengleichheit von Mann und Frau.

Stuttgart - Billie Jean King (Emma Stone) kann es nicht fassen. Im Jahr 1973 gehört sie zur Tennis-Weltelite, bekommt aber nur ein Achtel der Preisgelder, die ihre männlichen Kollegen kassieren. „Frauen sollten denselben Lohn und denselben Respekt wie Männer bekommen“, findet sie, und haut zur Bekräftigung ihres Anliegens auf den Tisch bei Jack Kramer (Bill Pullman), dem Vorsitzenden des Tennisverbandes. Der quittiert die Empörung mit Haifischgrinsen: „Den Männern zuzuschauen, ist aufregender, das ist biologisch bedingt“, gibt er süffisant zurück. Im Team mit anderen unterschätzten Frauen will Billie Jean nun die Chauvis vom Verband vorführen: Sie emanzipiert sich von Kramers Verein und plant eine alternative Turnierserie – doch die Frauen müssen erst Sponsoren für ihre Sache begeistern.

Der Zwist zwischen Billie Jean King und dem US-Tennisverband ATP ist nicht bloß eine kuriose, sporthistorische Randnotiz, sondern ein bitterernster Fall weiblicher Diskriminierung im Spitzensport, anhand dessen sich das Regieduo Jonathan Dayton und Valerie Faris („Little Miss Sunshine“) mit klugem Humor dem alten Zankapfel der Chancengleichheit widmet. Trotz der beständig köchelnden Diskussionen zum Gender Pay Gap oder zur Frauenquote in Führungsetagen schien die Kluft zwischen Männern und Frauen in den letzten Jahren kaum der Rede wert. Immerhin besitzen Frauen qua Gesetz die gleichen Rechte. Seit den Missbrauchsvorwürfen in Hollywood und anderen, von Männern dominierten Berufssphären, brodelt jedoch unter dem Hashtag „MeToo“ eine mitunter erstaunlich heftige Debatte zwischen den Geschlechtern. In sozialen Netzwerken berichten Frauen von ihren Erfahrungen mit Sexismus, während Männer sich erbost dagegen wehren, dass nun alle per se zu Tätern gestempelt würden.

Billy Jean sieht sich genötigt, die Ehre der Frauen zu verteidigen

So spitz wie in manchen Internetforen geht es auch im Film von Dayton und Faris zu, allerdings in wohltuend heiterem Ton. Nachdem sich die Frauen vom Dachverband losgesagt und – welch Irrwitz – einen Tabakkonzern als Sponsor gewonnen haben, wird Billy Jean von einem nächtlichen Anruf des Ex-Sportlers Bobby Riggs (Steve Carell) aufgeschreckt. Einst brillierte der 55-jährige an der Seite von Jack Kramer im Herrentennis, gibt sich nun aber aus Langeweile zügellosem Glücksspiel hin. Der Zocker macht Billy Jean ein unverschämtes Angebot: ein Match mit Symbolcharakter und dem exorbitant hohen Preisgeld von hunderttausend Dollar. „Männliches Chauvinistenschwein gegen beinbehaarte Feministin, wie wär’s?“, höhnt er in den Hörer. Billy Jean legt auf. Als Bobby beim sogenannten Muttertagsmassaker von 1973 jedoch die Weltranglistenerste Margaret Court (Jessica McNamee) vom Platz fegt, sieht sich Billy Jean genötigt, die Ehre der Frauen zu verteidigen.

Diese sehr vordergründige Konfrontation von Mann und Frau im Rahmen eines grotesken Schaukampfes macht allein nicht den Reiz des Films aus. Es ist das allgemein misogyne Klima der Zeit, dass Dayton und Faris in funkelnden Dialogen und beklemmenden Alltagssituationen auferstehen lassen. Die drängenden Probleme abseits des Sports, mit denen King und andere Frauen haderten, treten in den Vordergrund. Zögerlich entdeckt die verheiratete Billy Jean ihr erotisches Interesse an einer Geschlechtsgenossin, argwöhnisch beäugt von ihren Teamkolleginnen. Billy Jeans Mann Larry (Austin Stockwell) muss schon die sportlichen Erfolge und die eigensinnige Kühle seiner Frau verdauen. Dass er nun zusätzlich als Sexualpartner abgemeldet ist, trifft ihn hart.

Die Regisseure Dayton und Faris glänzen mit satirischem Witz

Auch Billy Jeans Widersacher Bobby Riggs würdigt der Film als nicht bloß fiesen Macho-Charakter, sondern als geltungshungrigen, tragisch beziehungsunfähigen Clown, der den großen Zirkus braucht, um sich souverän zu fühlen. Während Briggs das Turnier zur Arena seiner Selbstinszenierung erklärt, lässt sich King auf den peinlichen Budenzauber bloß ein, um für sich und ihre benachteiligten Geschlechtsgenossinnen eine Lanze zu brechen. Mit satirischem Witz stellen Dayton und Faris den Irrsinn der Veranstaltung nach, lassen aber keinen Zweifel daran, dass King aus der Defensive gegen Briggs antrat.

Kings Triumph ist mehr als ein Etappensieg der Frauen auf dem Weg zu mehr professioneller Wertschätzung – er ist der Beweis, dass das angeblich schwächere Geschlecht nicht an seiner Physis, sondern am Können gemessen werden muss. Vor über vierzig Jahren war das ein notwendiges Exempel. Dass es heute noch ernsthafter Gespräche über unterschiedliche Kompetenzen, Rechte und Probleme von Männern und Frauen bedarf, ist einfach nur traurig.

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