Sahsa Luss als Geheimagentin Foto: Studiocanal/Shanna Besson

Luc Besson schickt eine Model-Agentin auf geheime Mission.

Stuttgart - Zu Beginn war Luc Besson ein Bilderstürmer, heute kopiert er sich selbst. Seine Weltraumwundertüte „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (2017) erinnerte allerorten an „Das fünfte Element“ (1997). Jetzt gibt der Franzose eine schöne und schlaue Drogensüchtige um die Wendejahre in die Fänge eines Geheimdiensts. Ein Vergleich mit „Nikita“ (1990) drängt sich förmlich auf. In Bessons viertem Spielfilm bewies Anne Parillaud, dass nicht nur Stallone, Schwarzenegger & Co. ordentlich zulangen können. Knapp 30 Jahre später sind schlagkräftige Frauen Standard. Die Titelheldin Anna (Sasha Luss) muss sich nicht nur der Männer erwehren, sondern auch der filmischen Konkurrenz von „Salt“ (2010) bis „Red Sparrow“ (2018). Entsprechend dicht gedrängt ist die Action – Zeit für Verschnaufpausen oder gar eine Figurenentwicklung bleibt keine.

Luss gab in einer Nebenrolle in „Valerian“ ihr Leinwanddebüt. Wie so viele von Bessons Hauptdarstellerinnen ist sie ein Model. In „Anna“ sieht sie in erster Linie umwerfend aus. Mehr gibt ihre Figur nicht her. Beinahe schon selbstironisch verpasst ihr Bessons Drehbuch eine Tarnidentität als Laufstegschönheit. Nachdem sie vom KGB-Mann Alex (Luke Evans) in Moskau angeworben und von dessen knochentrockener Chefin Olga (Helen Mirren) kritisch beäugt wurde, geht sie in Paris auf geheime Mission. Tagsüber Fotoshootings, nachts wird scharf geschossen. Das ruft den Interpol-Mann Lenny (Cillian Murphy) auf den Plan, der Anna für seine Seite gewinnen möchte.

Erwartbare Wendungen

„Anna“ ist nostalgischer Modekatalog und rabenschwarzer Mordsspaß zugleich. Um von seiner dünnen Story abzulenken, zieht Besson alle halbe Stunde eine neue Rückblende aus dem Hut, die das Gesehene ad absurdum führt. Mehr als attraktive Abziehbilder, erwartbare Wendungen und solide choreografierte Kämpfe hat er nicht zu bieten. Gemessen an der Konkurrenz und seinem eigenen Standard aus vergangenen Filmen wirkt „Anna“ wie ein Schnellschuss.

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