Kinokritik: „A United Kingdom“ Liebe in Zeiten des Rassismus

Von Kathrin Horster 

Ruth (Rosamond Pike) und Seretse (David Oyelowo) lieben einander. Foto: Verleih
Ruth (Rosamond Pike) und Seretse (David Oyelowo) lieben einander. Foto: Verleih

In den vierziger Jahren stoßen eine weiße Britin und ihr Ehemann aus Botswana auf Vorurteile. Die Regisseurin Amma Asante verortet die Anfeindungen auf beiden Seiten und zeigt einen Rassismus, der überall Wurzeln schlägt.

Stuttgart - Die Fragebögen moderner Partnerbörsen sind manchmal rührend. Bei „Glauben Sie an die Liebe auf den ersten Blick?“ schmunzelt man über die unrealistische Klischeevorstellung. Doch auf die Mär vom alles entscheidenden ersten Eindruck baut auch die britische Regisseurin Amma Asante ihre Liebesgeschichte „A United Kingdom“. Und die geht so: Im London der vierziger Jahre besucht die Büroangestellte Ruth Williams (Rosamund Pike) einen Single-Schwof. Dort sind viele Männer versammelt, doch Ruths Blick bleibt an einem hängen. Die beiden tanzen, entdecken Gemeinsamkeiten und haben eine gute Zeit.

Eine ganz gewöhnliche „Boy-meets-Girl“-Anordnung also. Dass Ruth den Mann überhaupt eines Blickes würdigt, ist im Kontext der Filmhandlung jedoch außergewöhnlich. Denn Seretse Khama (David Oyelowo), wie der zum Jurastudium nach England gekommene Mann heißt, hat schwarze Haut. Für die Liebenden wird die Situation besonders kompliziert, als Seretse, Abkömmling eines Herrschergeschlechts, den Thron übernehmen muss.

In Botswana gilt die weiße Bürgerliche als ungeeignet

Die Anfeindungen, denen Ruth und Seretse von nun an ausgesetzt sind, verortet Amma Asante auf beiden Seiten und zeigt einen Rassismus, der überall Wurzeln schlägt. Während Seretse von der weißen britischen Gesellschaft verachtet wird, erfährt Ruth Diskriminierungen von den eigenen Landsleuten, die die Ehe zwischen einer Weißen und einem Schwarzen unsittlich nennen. In Botswana wiederum gilt die weiße Bürgerliche als ungeeignet für die Rolle einer afrikanischen Herrscherin.

Wie diese Ehe dennoch glücklich wird und Seretse sein Reich schließlich von der wirtschaftlichen und politischen Vormacht Englands lösen kann, vermittelt der auf wahren Begebenheiten fußende Film inhaltlich ausgewogen. Als problematisch erweist sich jedoch Asantes Rückgriff auf überstrapazierte Erzählmuster und visuelle Klischees. In den weichgezeichneten, oft von Streicherarrangements unterfütterten Bildern findet sich kaum eine Spur der von den Engländern verursachten Armut, die Seretse anprangert. Stattdessen schwelgt die Kamera in staubigen Panorama-Aufnahmen. Historisch Bedeutsames wird in dieser Kulisse zur Nebensache.

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