In "Eclipse-Biss zum Morgengrauen" hat Jodelle Ferland den Part von Bree Tanners übernommen Foto: Concor

Hollywoodstudios lassen sich viel einfallen, um das Ende einer Erfolgsstory aufzuschieben.

Warum mit dem Geldverdienen aufhören, wenn's am schönsten ist? Wenn es darum geht, das Ende einer Erfolgsstory aufzuschieben, lassen sich Hollywoodstudios etwas einfallen. Ob es sich dabei um die "Twilight"-Saga, die "Harry Potter"-Reihe oder Tolkiens "Der kleine Hobbit" handelt.

Stephenie Meyer kümmert sich zurzeit persönlich um das Begleitprogramm zur Filmversion des dritten Teils ihrer "Twilight"- Saga. Am 15. Juli kommt "Eclipse - Biss zum Abendrot" in die deutschen Kinos. Und schon jetzt tummelt sich werbewirksam nicht nur der Soundtrack zu dem Film auf Platz vier der Albumcharts und bringt den Fans von Vampir Edward und seiner großen Liebe Bella die Musik von Muse, Fanfarlo und Vampire Weekend (!) nahe. Auf Platz eins der Buchcharts findet sich zudem Stephenie Meyers kurzer Roman "Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl: Das kurze zweite Leben der Bree Tanner". Edward und Belle kommen da zwar nicht wirklich vor, doch Bree Tanner ist eine "Twilight"-Nebenfigur, die in der Episode "Eclipse" einen kurzen Auftritt hat.

Zwei Filme vom letzten Twilight-Band

Die "Twilight"-Geschichte ist nach vier Bänden eigentlich fertig erzählt. Aber schon vor dem "Bree Tanner"-Band hatte sich Meyer an einem Ableger versucht. "Midnight Sun" soll die ganze Geschichte noch einmal erzählen - diesmal statt aus Bellas aus Edwards Perspektive. Nachdem aber zwölf Kapitel des Manuskripts illegal im Internet aufgetaucht sind, hat die US-Bestsellerautorin verärgert das Projekt vorerst auf Eis gelegt.

Meyer ist aber nicht die Einzige, die das Ende von "Twilight" herauszögern möchte. Soeben hat der Concorde Filmverleih offiziell bestätigt, dass der letzte Band der "Twilight"-Saga in zwei Teilen in die Kinos kommen wird. Die erste Hälfte von "Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht" startet am 24. November 2011, die zweite Hälfte soll im Sommer 2012 folgen.

Ganz neue Möglichkeiten des Geldverdienens

Früher begnügten sich Hollywoodstudios üblicherweise damit, Blockbusterstoffe mit immer neuen Fortsetzungen in die Länge zu ziehen und so die Umsätze zu steigern. Heute sind die Hinhaltetaktiken raffinierter. Nachdem sich das Prequel (das Erzählen der Vorgeschichte) und das Spin-off (das Erzählen einer Nebengeschichte) längst etabliert haben, scheint nun das Zerdehnen eines Stoffs als neues Erfolgsmodell zu gelten.

Nicht nur das "Twilight"-Finale mit Robert Pattinson, Kristen Stewart und Taylor Lautner in den Hauptrollen wird in zwei eigenständige Filme geteilt, auch bei "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" haben sich die Produzenten dafür entschieden, beim Abschluss der "Harry Potter"-Reihe unter die Doppelverdiener zu gehen. Am 18. November 2010 und am 14.Juli 2011 endet die Geschichte des Zauberschülers im Kino. Und weder beim "Twilight"- noch beim "Harry Potter"Finale lässt sich diese filmische Zweiteilung des Abschlussbands wirklich inhaltlich begründen.

Ganz neue Möglichkeiten des Geldverdienens

In noch größere Erklärungsnot gerät Peter Jackson, der als Produzent Tolkiens "Der kleine Hobbit" 2012 und 2013 ins Kino bringen will. Nur 397 Seiten zählt die im Klett-Cotta-Verlag erschienene Neuauflage des Buchs, das die "Herr der Ringe"- Vorgeschichte erzählt. Jackson hat zwischen 2001 und 2003 die drei "Herr der Ringe"-Bände, die jeder für sich länger und ereignisreicher sind als "Der kleine Hobbit", furios inszeniert. Es hätte für ihn bestimmt kein Problem dargestellt, dieses Büchlein, das 17 Jahre vor "Der Herr der Ringe" veröffentlicht wurde und erstmals in Tolkiens mythologische Mittelerde-Welt entführte, in einem Stück ins Kino zu bringen. Auch wenn einige Fans widersprechen werden - die Entscheidung der Zweiteilung des Buchs dürfte vor allem mit dem Wunsch einer effektiven Wertabschöpfung zu tun haben.

Und weitere gewinnbringende Ideen deuten sich bereits an. Gerade wird nämlich gemeldet, dass "Harry Potter"-Regisseur David Yates Jacksons neuer Favorit für die Inszenierung von "Der kleine Hobbit" ist. Wenn Hollywoods Produzenten erst mal auf die Idee kommen, in einem Film das Hogwarts-Universum und den Mittelerde-Mythos zusammenzubringen, werden sich ganz neue Möglichkeiten des Geldverdienens eröffnen.

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