Elf Abende lang wird die Esslinger Burg zum Filmpalast unter freiem Himmel. Ein Heer von Ehrenamtlern sorgt dafür, dass alles wie am Schnürchen klappt.
Ein Sommer ohne Open-Air-Kino auf der Burg – für viele ist das mittlerweile unvorstellbar. Seit den frühen 90er-Jahren verwandelt das Kommunale Kino (Koki) die altehrwürdige Burganlage alle Jahre wieder für einige Tage in einen Filmpalast unter freiem Himmel. Für die Koki-Crew bedeutet ein Festival dieser Größe stets einen gewaltigen logistischen Aufwand, der fast übers ganze Jahr hinweg in allen Details geplant und vorbereitet werden will. Und wenn das Programm startet, sind rund 180 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer auf der Burg im Einsatz. Fünf von ihnen erzählen, welche Aufgaben sie übernehmen und weshalb sie sich für das Kino auf der Burg engagieren.
Vielseitig Ines Hartmann arbeitet seit Jahren im Vorstand des Kommunalen Kinos mit – da ist es für sie Ehrensache, auch auf der Burg eine wesentliche Rolle zu spielen. Dort kann ihr niemand etwas vormachen, schließlich ist sie seit 2001 beim Open-Air-Kino aktiv und kennt alle Bereiche aus dem Eff-eff. Oft übernimmt sie als „Tagesverantwortliche“ die Abendregie. Dann laufen alle Fäden bei ihr zusammen: Wer ein Problem hat, einen Rat oder eine Entscheidung braucht, erreicht Ines Hartmann jederzeit über ein Funkgerät und bekommt postwendend eine Antwort. Und auch sonst ist sie sich für nichts zu schade: Wo Unterstützung gebraucht wird, krempelt Ines Hartmann die Ärmel hoch – ob an der Cinebar oder beim kräftezehrenden Auf- und Abbau. Da übernimmt sie inzwischen eine besondere Aufgabe: Zusammen mit einigen Mitstreiterinnen sorgt Ines Hartmann dafür, dass die Auf- und Abbau-Helferinnen und -Helfer bei Kräften bleiben. Das Catering wird allenthalben hoch gelobt. „Die Mitarbeit soll schließlich Spaß machen“, betont sie.
An der Cinebar sind alle füreinander da
Versiert Frieder Schölpple arbeitet seit März in der Geschäftsstelle des Kommunalen Kinos. „Die Vorbereitung des Kinos auf der Burg hat mich vom ersten Tag an beschäftigt“, erzählt er. „Für mich war das ein Sprung ins kalte Wasser, schließlich ist es unser aller Anspruch, dass das Festival so perfekt wie nur möglich läuft. Das ist eine sportliche Herausforderung.“ Doch als versierter Tontechniker hat Schölpple die technischen Abläufe im Griff. „Und im Team hilft einer dem anderen“, verrät er. „Da bekommt man jedes Problem gelöst.“ Nur das unsichere Wetter lässt sich auch bei bester Vorbereitung nicht beeinflussen. „Wir müssen es nehmen, wie es kommt“, ist sich Schölpple mit den anderen im Team einig. „Und unser treues Stammpublikum weiß inzwischen, auch mit unsicherer Witterung umzugehen.“ Trotzdem schwanken alle Tag für Tag zwischen Hoffen und Bangen, schließlich ist das Koki seit Jahren auf gute Einnahmen des Open-Air-Kinos angewiesen, um die Arbeit übers Jahr mit zu finanzieren.
Musikalisch Claudia Deuble ist seit vielen Jahren im Koki eine feste Größe. Sie hat sich erst im Vorstand engagiert, ist jetzt im Beirat und sie packt seit mehr als 20 Jahren auf der Burg an, wo immer sie gebraucht wird. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist die Auswahl der Bands, die das Publikum mit dem passenden Sound einstimmen. Die Musikauswahl ist gar nicht so einfach, schließlich wird die Liste der Bands, die auf der Burg spielen wollen, von Jahr zu Jahr länger, und das Filmprogramm steht erst zu Pfingsten fest. Am Ende entscheidet ein Dreier-Team, wer auf der Burg auftreten darf. Dass die Koki-Musikexperten gewöhnlich richtig liegen, zeigt der Applaus des Publikums, das die klangvollen Ouvertüren auf der Burg zu schätzen weiß. Wenn das Festival beginnt, ist die Arbeit für Claudia Deuble noch lange nicht getan: Auf der Burg schlüpft sie abwechselnd in die unterschiedlichsten Rollen: Sie hilft am Infostand, zapft an der Cinebar, tüftelt auch mal ein Filmquiz aus und führt als Moderatorin durch den Abend.
Auf der Esslinger Burg ist immer etwas zu tun
Ausdauernd Für Jürgen Ludwig hat die ehrenamtliche Arbeit auf der Burg schon vor dem Kinostart begonnen: Beim Konzertsommer in der Woche davor hat er an zwei Abenden das Musikpublikum an der Cinebar mit spritzigen Drinks versorgt. Und anschließend ging die Arbeit für Jürgen Ludwig und viele Ehrenamtler erst so richtig los, schließlich musste binnen kürzester Zeit eine komplette Kino-Infrastruktur aus dem Nichts aufgebaut werden. Ludwig ist seit sechs Jahren dabei, und er mag die Mitarbeit beim Open-Air-Kino nicht mehr missen – ganz egal, ob er an der Bar, als Ordner auf dem Festivalgelände oder anderswo gebraucht wird. „Ich habe mit dem Ruhestand angefangen, auf der Burg mitzuarbeiten“, erzählt er. „Begeisterter Kinogänger war ich schon lange, aber wenn man die Zeit erübrigen kann, sollte man auch selbst etwas zum Gelingen beitragen.“ Deshalb hilft Jürgen Ludwig auch bei der Filmauswahl für die Burg mit. Und er ist überzeugt: „Wir können ein richtig gutes Programm anbieten.“
Erfrischend Lucy Biber ist seit 2014 beim Kino auf der Burg dabei. Anfangs war sie an der Kasse oder als Ordnerin eingesetzt, nun ist ihr Platz an der Cinebar: „Das ist eine sehr schöne und zugleich spannende Aufgabe, weil man jeden Abend mit einem anderen Team antritt. Da muss man schauen, dass die Abläufe immer richtig choreografiert sind, damit auch beim größten Ansturm alles möglichst reibungslos läuft.“ Zusammen mit einer Kollegin koordiniert sie die abendliche Arbeit an der Cinebar. Doch die Vorbereitung beginnt schon wesentlich früher, weil für jeden Abend passend zum Film ein erfrischender Cocktail kreiert wird. „Da probieren wir vorher alle möglichen Rezepte aus. Das kommt beim Publikum sehr gut an“, weiß Lucy Biber. Dass sie auf der Burg selten einen ganzen Film anschauen kann, nimmt sie gelassen: „Den Anfang verpasst man meist. Wenn’s dann ruhiger wird, kann man zwischendurch mal einen Blick riskieren. Und wenn man einen Film unbedingt sehen will, kann man sich einen freien Abend gönnen.“
Das Wetter macht es diesmal spannend
Bilanz
Es ist ein Vergnügen, gute Filme in einer lauen Sommernacht auf großer Leinwand in einem tollen Ambiente zu genießen. Drei von vier dieser Kriterien erfüllt das Kino auf der Esslinger Burg ganz selbstverständlich – nur das Wetter spielt bislang nicht mit. „Das Publikum musste bis Sonntag an keinem Abend den Schirm aufspannen“, sagt Ina Riedinger aus dem Koki-Team. „Trotzdem merken wir unsicheres Wetter sofort am Vorverkauf und an der Abendkasse.“ So blieben die Besucherzahlen bislang hinter den Erwartungen zurück. Nur am Ehrenamtsabend waren sämtliche Tickets ausgebucht.
Aussichten
Dass ab Mittwoch deutlich besseres Wetter vorhergesagt wird, macht dem Open-Air-Team Hoffnung, die Bilanz deutlich nach oben zu korrigieren. „Viele entscheiden nach dem Filmtitel und der Witterung, ob sie zur Burg kommen“, hat Ina Riedinger festgestellt. Und da hat das Koki noch manchen Trumpf im Ärmel: Der hochgelobte Vatikan-Thriller „Konklave“, der kurzfristig ins Programm genommen wurde, läuft am Dienstag, 5. August. Weiter geht’s am 6. August mit dem französischen Publikumserfolg „Was ist schon normal?“ und am 7. August mit dem berührenden Drama „Der Salzpfad“. Sönke Wortmanns Komödie „Der Spitzname“ folgt am 8. August.
Finale
Zum Abschluss des Festivals läuft am Samstag, 9. August, mit der Bob-Dylan-Filmbiografie „Like a complete unknown“ ein Streifen, der die Kinokassen klingeln lassen könnte.