Die in einem Dorf der Nähe von Nürtingen aufgewachsene Aenne Schwarz spielt eine vergewaltigte Frau in dem Film „Alles ist gut“. Foto: dpa

Eva Trobisch hat für ihr Filmdebüt „Alles ist gut“ schon mehrere Filmpreise erhalten – auch Dank der herausragenden Hauptdarstellerin Aenne Schwarz. Der Film ist ein Drama um eine junge vergewaltigte Frau, das erschüttert.

Stuttgart - Mit stolzem Hamsterbäckchengrinsen überrascht Piet (Andreas Döhler) Janne (Aenne Schwarz) mit einem Klavier im neuen Heim. „Freust du dich?“ – Sie schaut, schweigt: „Nä!“ Man sieht: Sie verkneift sich ein Lächeln, denkt sich trotzdem: Was ist das denn für eine Coolness? Die in Filderstadt geborene und in der Nähe von Nürtingen aufgewachsene Schauspielerin Aenne Schwarz hat keine Furcht, diese Janne mit dem nachsichtig überlegenen Lächeln fast unsympathisch wirken zu lassen. Janne ist eine junge Frau, die ganz selbstverständlich tough durchs Leben geht. Und so bleibt sie gefasst, als Martin (Hans Löw), ein Bekannter, nach einer Feier ihr „Nein“ nicht akzeptiert. Sich wehren? Zwecklos. „Echt jetzt?“, sagt sie und fragt „Fertig?“ nach der Vergewaltigung.

Nichts ist gut

Für ihr Debüt hat die Autorenfilmerin Eva Trobisch einige Preise (Filmfeste in Locarno und München) ­erhalten. Sie fragt, wie ein Leben nach so einem Erlebnis weitergeht. Wie die vergewaltigte Michèle (Isabelle Huppert) in Paul Verhoevens „Elle“ beschließt Janne, erst einmal alles zu ignorieren. Martin, ein BWL-Spießer, scheint über sein viehisches Verhalten fast erschütterter, er fragt, ob sie „reden“ sollen. Ihre Antwort lässt einen frösteln: „Alles ist gut.“ Das ist es natürlich nicht.

Grandiose Darsteller

Der Film kommt ohne emotionssteuernde Musik aus, ist sprachlich beeindruckend karg, schier lakonisch. Es gibt dennoch Suspense, weil vieles in der Schwebe bleibt und wegen des Spiels mit Erwartungshaltungen: Latente Aggressionen entladen sich eben doch nicht oder in einem unerwarteten Moment. Die Kamera kann sich auf das ­ambivalente Spiel – Darsteller der großen Bühnen von Hamburg bis Wien – verlassen und Blicke einfangen, hassende, ratlose, ängstliche. Der Film zeigt die Widersprüchlichkeit, die Schwäche und Stärken der Menschen im Umgang miteinander ­ohne moralischen Zeigefinger, das ist so ­erschütternd wie gespenstisch. Der Film wirkt nach – lange.

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