Ein Notarzteinsatz in Stuttgart wurde nun zu einem traurigen Kriminalfall (Symbolbild). Foto: dpa

Die Polizei hat eine 29-jährige Mutter festgenommen, unter dem Verdacht, ihre zwei Jahre alte Tochter umgebracht zu haben. Spielte eine psychische Erkrankung eine Rolle?

Stuttgart - War es Überforderung? Haben psychische Probleme das schreckliche Familiendrama ausgelöst? Hatte es zuvor Warnsignale gegeben? Fragen über Fragen, mit denen sich die Stuttgarter Mordkommission in einem neuen Fall einer Kindstötung beschäftigen muss. Im Visier steht eine 29-jährige Frau, die ihr Baby, ein zwei Monate altes Mädchen, getötet haben soll.

Aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen wollen Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst keine genaueren Details über das Umfeld nennen oder zu Gerüchten Stellung beziehen. „Wir müssen damit sehr sensibel umgehen“, sagt Staatsanwaltssprecher Heiner Römhild.

Der Fall nahm am Montag kurz nach 2 Uhr in der gemeinsamen Rettungsleitstelle von Feuerwehr und DRK seinen Anfang. Über Notruf meldete sich ein Mann und meldete einen Notfall. Ein Notarzt sowie Rettungskräfte rückten umgehend zu der Wohnung aus – und konnten doch nicht mehr helfen. Das Kind war nicht mehr am Leben – und ganz offensichtlich steckte ein Gewaltdelikt dahinter. Wie es heißt, soll der Vater nach Hause gekommen und das leblose Mädchen entdeckt haben.

Im Wohnidyll hätte man eine solche Tat nicht vermutet

„Der Tatverdacht richtete sich gegen die Mutter des Säuglings“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann, „sie wurde noch in der Wohnung festgenommen.“ Dabei soll es sich um eine französische Staatsangehörige handeln, dieses Detail nannte man doch.

Ob möglicherweise eine psychische Erkrankung hinter der Tat stecken könnte, wie in ähnlichen Fällen in der Region, das ist offiziell nicht bestätigt. Staatsanwaltssprecher Römhild machte jedenfalls „keine Angaben darüber, ob ein Haftbefehl oder ein Unterbringungsbefehl beantragt wurde“.

Es soll erst einmal Ruhe einkehren bei den Betroffenen – und bei den Ermittlungen. Das beschauliche und idyllisch gelegene Wohngebiet jedenfalls ist keines, bei dem man eine solche Tat vermuten würde. Allerdings würde dies bei einem psychiatrischen Hintergrund, wie er sich bisher abzeichnet und wie es offenbar auch der Haftrichter sah, keine wesentliche Rolle spielen.

In der Vergangenheit haben sich Kindstötungen oft genug hinter äußerlich intakten Fassaden abgespielt. Das gilt nicht nur für die Bluttat am Wochenende, bei der ein 60-Jähriger in Tiefenbronn (Enzkreis) seine Frau und seinen achtjährigen Sohn getötet und einen elfjährigen Sohn schwer verletzt haben soll. Gutachter zeichneten bei Müttern, die ihre Kinder töteten, manchmal introvertierte Zü

ge, manchmal hysterische Neurosen.

Viele Fälle enden mit lebenslanger Haft

Auch Gutachter können oft nur rätseln, wie etwa im Fall einer 41-jährigen Mutter, die im November 2014 ihre zehn und sieben Jahre alten Töchter in Köngen(Kreis Esslingen) umbrachte. Sie wurde vom Landgericht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, eine Entscheidung, die vom Bundesgerichtshof bestätigt wurde. Die Frau hatte eine geringere Strafe erreichen wollen, weil sie aus einem Leidensdruck heraus gehandelt haben wollte. Ihr Mann soll Trennungsabsichten geäußert haben.

Nach außen intakt war auch eine Familie in Schorndorf-Miedelsbach (Rems-Murr-Kreis) – bis eine damals 42-jährige Mutter aus einer sogenannten hysterischen Neurose heraus ihre vier und fünf Jahre alten Kinder im Mai 2009 in einer Badewanne ertränkte. Auch gegen sie erging später eine lebenslange Freiheitsstrafe – wegen Mordes.

Die Tochter einfach von einer Brücke geworfen

Vollendete Kindstötungen sind in Stuttgart eher selten, allerdings gab es 2008 ein eher dunkles Jahr. Eine 33-jährige Mutter hatte im Dezember ihre vier Jahre alte Tochter von einer Brücke in den Neckar geworfen und getötet. Sie wurde dafür zu lebenslanger Haft verurteilt. Sieben Monate zuvor war eine 28-jährige Mutter in Hausen entdeckt worden – mit der Leiche ihres anderthalb Jahre alten Sohnes.

Die Fälle gehen auch den Richtern nach – etwa der Fall einer 33-Jährigen, die 2007 in Esslingen ihre acht und zwölf Jahre alten Söhne tötete. Sie soll sich ihrem Ex-Mann, der mit neuer Freundin im selben Haus lebte, völlig untergeordnet haben – um dann allem ein Ende zu setzen. Das Gericht schwankte zwischen Mitleid und Unverständnis.

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