Eine Reise um die Welt versprechen die Artisten und Clowns vom Kinder- und Jugendzirkus Maroni Bad Boll im aktuellen Programm, das an diesem Samstag Premiere hat. Foto: Horst Rudel

Im Kinder- und Jugendzirkus gibt es keine Haltungsnoten und jeder kann mitmachen und seine Talente entdecken – wie bei den Maroni in Bad Boll.

Region - Trommelwirbel und Tusch: Manege frei für die Maronis heißt es am Wochenende wieder beim Kinder- und Jugendzirkus Bad Boll. Die stolze Truppe führt ihre Besucher im aktuellen Programm auf eine Reise um die Welt und beweist, dass die 13- bis 18-Jährigen ein zweistündiges Programm stemmen können. Die Maronis sind typische Vertreter der Zirkusvereine, von denen sich rund 30 in der Landesarbeitsgemeinschaft Zirkuskünste vernetzt haben.

Eine gut vernetzte Szene

Mit allerlei Netzen und doppelten Böden kennen sich die Zirkusmacher naturgemäß gut aus, und so tauchen häufig bei verschiedenen Zirkussen die Namen von Trainern und Artisten auf, die für den fachlichen Austausch untereinander sorgen. Ein Beispiel dafür ist Martin Bukovsek, der unter seinem Künstlernamen Carismo auch als Artist und Zauberer in die Manege steigt. In der Kinder- und Jugendzirkusszene in der Region Stuttgart kümmert sich Bukovsek als Zirkuspädagoge um den Böblinger Schulzirkus Lisamartoni, den Zirkus Calibastra, der an die Freie Waldorfschule Stuttgart-Vaihingen angedockt ist, und um den Zirkus Ratatouille, ebenfalls ein Waldorfprojekt, der an der Schule am Engelberg bei Winterbach (Rems-Murr-Kreis) zu Hause ist. Und mit den Maronis hat Bukovsek auch schon trainiert.

„Alle wollen gern in die Luft, das ist vielleicht der Traum vom Fliegen“, beschreibt der Zirkuspädagoge die Begeisterung der Nachwuchsakrobaten für Drahtseil, Trapez und Vertikaltuch. Wobei Letzteres regelrecht boome, auch weil das Tuch beim Einhängen mit Armen und Beinen nicht so wehtue wie die Stahlseile vom Trapez.

Jeder kann mitmachen, das ist das Schöne

Es brauche aber auch Mut, im entscheidenden Moment das Tuch loszulassen, um kurz darauf sicher im Endknoten wieder Halt zu finden. „Wenn die Kinder fünf oder sechs Jahre dabei sind, wachsen sie mit den Nummern“, sagt Bukovsek, der beim Zirkus Ratatouille mit dem Trainerteam bis zu 100 Kinder auf die neue Saison vorbereitet. „Hier gibt es keine Haltungsnoten und kein Falsch wie beim Turnen oder anderen Sportarten. Egal ob groß oder klein, dick oder dünn, jeder kann mitmachen“, das sei das Schöne an der Zirkuspädagogik.

Förderschüler und Gymnasiasten lernen voneinander

Diese Idee hat sich auch die Zirkusschule Lisamartoni zu eigen gemacht, in der Förderschüler der Martinsschule Sindelfingen und die Mädchen und Jungen des Lise-Meitner-Gymnasiums Böblingen gemeinsam Programm machen und neuerdings auch gemeinsam lernen. Nachdem sich das Miteinander im Zirkus bewährte, kamen ein gemeinsames Musicalprojekt der fünften Klassen und einzelne inklusive Unterrichtsprojekte dazu. Sogenannte schwache Schüler profitierten genauso wie die stärkeren, haben die Pädagogen beobachtet, die mehr Höflichkeit bei den Gymnasiasten und neue kreative Lösungsversuche bei den Förderschülern feststellten. Lisamartoni wurde schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, und beim Neujahrsempfang der Landesregierung 2018 sorgten die Nachwuchsartisten für fröhliche Stimmung im Stuttgarter Neuen Schloss.

Wer mit anderen akrobatische Menschenpyramiden baue, zusammen jongliere, balanciere und seine Talente ausprobiere, sei bei der Frage nach dem Vertrauen und Vergeben mittendrin in den Grundthemen des Lebens, sagt Diakon Manfred Zoll. Deshalb engagiere er sich in der Evangelischen Landeskirche für die Christliche Zirkusschule, die am Standort von Kirche unterwegs in Weissach (Kreis Böblingen) angesiedelt ist. Gemeinden und Gruppen können dort Projektmaterial ordern und Erfahrungen abfragen.

Termine: Die Maroni tummeln sich Anfang Oktober in der Manege

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: