An die 500 Drittklässler haben beim ersten Ludwigsburger Kindergipfel ihre Sicht auf die Kommune präsentiert und Wünsche geäußert. Dabei gab es eine Überraschung.
Am Sonntagnachmittag war der Ludwigsburger Marktplatz fest in Kinderhänden. Bei strahlendem Sonnenschein konnten sich die Kleinen nach Herzenslust austoben, kreativ betätigen, beim Flohmarkt ein Schnäppchen ergattern, mit Bobbycars eine Runde drehen oder ihren Geist bei einer Rallye in Schwung bringen. Wenn Kinder und ihre Familien sich wohlfühlen in einer Stadt, ist das im Werben der Kommunen ein wichtiger Standortvorteil. Und um Pluspunkte zu sammeln, sind Veranstaltungen für Groß, aber eben auch für Klein wichtig. Mindestens genauso wichtig ist es aber, den Blick der Kinder auf ihre Stadt zu erfahren. Was finden sie gut? Was wird bemängelt? Was sind ihre Wünsche?
Die Bedürfnisse der Kinder sollen aufgegriffen werden
Um Antworten auf diese und ähnliche Fragen zu bekommen, hat die Stadt Ludwigsburg nach den Faschingsferien einen Beteiligungsprozess begonnen, der künftig jedes Jahr stattfinden soll und am vergangenen Freitag in den ersten Ludwigsburger Kindergipfel mündete.
Das Ziel des Projekts ist es, die Bedürfnisse von Kindern nicht nur wahrzunehmen, sondern sie dann auch aufzugreifen. Darüber hinaus gehe es darum, die Kinder beim Erlernen von Demokratie zu unterstützen, erklärt Arndt Jeremias vom Fachbereich Bildung und Familie der Stadt Ludwigsburg.
24 dritte Klassen von zehn Schulen haben mitgemacht und in den vergangenen Monaten ihre Sicht auf ihren Stadtteil zu Papier gebracht. Und zwar auf Arbeitsblättern, die im Unterricht bearbeitet wurden und in Verbindung mit Exkursionen, bei denen sie ihren Stadtteil kennenlernten.
Zwei Delegierte aus jeder Klasse nahmen am Kindergipfel im Kulturzentrum teil und präsentierten am Nachmittag der Ersten Bürgermeisterin Renate Schmetz die Ergebnisse der Workshops. Und siehe da – die Themen des Nachwuchses sind beinahe deckungsgleich mit den Themen, mit denen sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat beschäftigen.
Die Mädchen und Jungen wünschen sich mehr Platz für Radfahrer
Ludwigsburg soll sauberer werden, es soll grüner werden, es soll sicherer werden. Die Mädchen und Jungen wünschen sich mehr Platz für Radfahrer und weniger für Autos. Warum wirft man seinen Müll nicht in den Papierkorb, wenn einer da ist? Warum liegen überall Zigarettenkippen herum? Die Kids hoben mit ihren Fragen mahnend den Zeigefinger und wurden auch konkret: Dass es auf der Bärenwiese und auf dem Marktplatz Wasserspender gibt, ist toll. Wenn sie nicht funktionieren, ist es aber blöd. Die beiden Trinkwasserbrunnen sind neu angeschlossen, erklärt die Assistentin der Geschäftsführung der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, Larissa Nguyen. Nach den technischen Vorschriften müssen vor der Inbetriebnahme Wasserproben entnommen werden. Diese seien bereits im Labor eingereicht. „Wir warten jedoch noch auf die Ergebnisse. Wenn sie in Ordnung sind, werden die beiden Trinkwasserbrunnen in Betrieb genommen“, so Nguyen.
Blöd finden es die Kids auch, dass dem steinernen Pferd vor dem Marstall Center ein Ohr abgerissen wurde „und es nicht gerichtet wird“. Denn so ließen sich nicht mehr so tolle Fotos am Ross machen wie früher. Moniert wurde zudem, dass der Rathausplatz für Kinder nicht viel zu bieten hat – einmal abgesehen von den Wasserspielen. Aber es gab auch Lob. Für den Platz der Kinderrechte beispielsweise. Oder die grünen Alleen bei der Bärenwiese oder das Riesenrad.
Das Wichtigste, das wurde beim Kindergipfel klar: Die Kids wünschen sich, dass sie beachtet werden. „Ihr seht viel mehr, als euch die Erwachsenen zutrauen“, würdigte die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz das Engagement der Mädchen und Jungen. „Ihr werdet ernst genommen.“ Sie spreche in ihrem Job viel mit Erwachsenen, werde aber die Sicht der Kinder in den Veränderungsprozess der Stadt einpflegen. Im Herbst sollen die Ergebnisse des Kindergipfels dem Gemeinderat präsentiert werden.
Ergebnisse der Umfrage
Beteiligung
Rund 500 Drittklässler aus zehn Stadtteilen haben auf Arbeitsblättern Noten zu bestimmten Themen abgegeben. Die Geschlechterverteilung war in etwa ausgeglichen.
Wohlbefinden
Am wohlsten fühlen sich die Kinder in Poppenweiler und in Pflugfelden. Nicht schlecht, aber am schlechtesten schnitten die Stadtteil Grünbühl-Sonnenberg und Neckarweihingen ab.
Sauberkeit
Am saubersten sind die Straßen und Spielplätze offenbar in Ludwigsburg-Mitte. Nachholbedarf scheint es in Pflugfelden zu geben.
Freizeitangebote
Bei der Frage nach Freizeitangeboten haben Poppenweiler, Pflugfelden und Hoheneck am besten abgeschnitten. Die Weststadt und Mitte belegen die hinteren Plätze.
Sicherheit
Am sichersten fühlt sich der Nachwuchs laut der Umfrage in Grünbühl-Sonnenberg, dicht gefolgt vom Stadtteil Ost. In Pflugfelden und in Ludwigsburg Mitte ist das Sicherheitsempfinden der Kinder am schlechtesten.