Franziska Ferber arbeitet als Kinderwunsch-Coach. Sie begleitet ungewollt kinderlose Paare und Einzelpersonen, unter anderem während der Phase der Kinderwunschbehandlung. Foto: kindersehnsucht.de

Die Zahl kinderloser Paare in Deutschland ist in den vergangenen Jahren nicht weiter angestiegen. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Welche Gründe es dafür gibt, weiß Kinderwunsch-Coach Franziska Ferber.

Wiesbaden/ Stuttgart - Die Kinderlosigkeit in Deutschland ist in den vergangenen Jahren nicht weiter gestiegen. Das Statistische Bundesamt hat die Ergebnisse des Mikrozensus 2016 vorgestellt, wonach sich vor allem akademisch gebildete Frauen wieder für Kinder entscheiden. Welche Gründe es dafür gibt und was die Reproduktionsmedizin damit zu tun hat, erklärt Kinderwunsch-Coach Franziska Ferber.

Frau Ferber, der Trend zur Kinderlosigkeit ist offenbar gestoppt. Welche Rolle spielt die Reproduktionsmedizin dabei?
Die medizinischen Möglichkeiten sind vielfältiger geworden, etwa mit der klassischen Kinderwunschbehandlung, der Eizellenspende oder dem Fremdsperma. Daher würde ich darin zumindest einen Faktor sehen, der diese Entwicklung begünstigt hat. Wie groß der Einfluss ist, kann man aber nur schwer sagen, da es kaum belastbare Zahlen gibt, die zwischen gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit unterscheiden.
Gibt es Schätzungen darüber, wie viele Paare in Deutschland ungewollt kinderlos sind?
Man spricht von etwa sechs Millionen Menschen, die ungewollt kinderlos sind. Und zwei Millionen davon bleiben dauerhaft kinderlos.
Sie begleiten Menschen, die sich oft jahrelangen zermürbenden Kinderwunschbehandlungen unterziehen. Ist die moderne „Kindermachbarkeit“ Segen oder Fluch?
Es hat etwas von beidem. Ich spreche viel mit kinderlosen Frauen jenseits der 60, die sagen, dass man sich früher eher mit dem Schicksal abgefunden hat. Man musste die Kinderlosigkeit hinnehmen und sich damit arrangieren. Heute gibt es so viele Möglichkeiten, doch noch das ersehnte Kind zu bekommen. Gleichzeitig ist eine Kinderwunschbehandlung eine hohe emotionale, körperliche und finanzielle Belastung, und man findet sehr schwer einen Endpunkt.
Heute scheint es fast so, als könnte man ein Kind „bestellen“. Wie weit sollte man für seinen Kinderwunsch gehen?
Es kommt auf die biologischen Voraussetzungen an, irgendwann sind die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin ausgeschöpft. Außerdem muss sich die Betroffene fragen, wie gut sie mit diesem ständigen Zyklus aus Hoffen, Bangen und Enttäuschung klarkommt und wie sie die Behandlung körperlich verträgt. Und nicht zuletzt muss man sich die Frage stellen, was man innerhalb seines Wertekonzepts für vertretbar hält. Auf gut Deutsch: wie weit man dem Gott ins Handwerk pfuschen will.
Hat sich durch diese Machbarkeit auch die Grundhaltung des Annehmen-Könnens und des Abschied-Nehmens verändert?
Das Abschied-Nehmen wird zumindest immer schwerer. Es spielt die Grundhaltung mit hinein, die Frauen zwischen 30 und 45 verinnerlicht haben: „Wenn ich mich nur genug anstrenge, dann wird es irgendwann belohnt.“ Das macht es zusätzlich schwer loszulassen. Wir haben einfach nicht gelernt zu scheitern, obwohl man sich doch so sehr angestrengt hat.
Was denken Sie über Frauen, die mit Anfang 50 Kinder bekommen mithilfe der Reproduktionsmedizin?
Da kann man kein pauschales Urteil fällen. Es gibt leider sehr viele Menschen, die das sehr schnell verurteilen. Wenn man dann die Geschichten der Frauen kennt, und sieht, wie bewusst und reflektiert sie mit der Entscheidung, mit den Risiken und den Fragen umgegangen sind, dann merkt man schnell, dass da nicht leichtfertig oder egoistisch gehandelt wird. Wenn sich jemand bewusst dafür entscheidet, weil es für das persönliche Lebensglück entscheidend ist, dann sollte man das akzeptieren.
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