Bei einer Eizellspende werden Eizellen einer Spenderin unter dem Mikroskop mit Spermien befruchtet und später der Wunschmutter eingesetzt Foto: imago/Panthermedia/Kzenon

Eizellspenden sind die einzige Möglichkeit für unfruchtbare Frauen, ein Kind zu bekommen. Mehrere Tausend Paare gehen dafür jedes Jahr ins Ausland, weil die Behandlung in Deutschland verboten ist. Das bringt hierzulande Ärzte in eine verzwickte Lage.

Wer Nachwuchs über eine Eizellspende bekommen will, findet die Möglichkeiten dafür mit ein paar Klicks. Etwa Diers IVF in Aarhus, Dänemark. Die Klinik wirbt damit, dass man Kinderfotos der Spenderinnen ansehen kann – man will ja wissen, wie der Nachwuchs später mal aussieht. Oder Ivox IVF auf Zypern, hier gibt es zwar keine Fotos der Spenderin, dafür ermögliche der Aufenthalt auch eine „angenehme Urlaubserfahrung“. Tschechien, Österreich und Spanien – auch hier findet man schnell Angebote.

 

In Deutschland ist die Eizellspende verboten. Zwar hat kürzlich eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission empfohlen, die Eizellspende zu legalisieren. Aber damit das passiert, müsste eine Gesetzesänderung durch den Bundestag, und das ist noch nicht in Sicht.

Ein Prozent der Frauen unter 40 hat keine intakten Eizellen

Ein Bedarf ist da: Mehrere Tausend deutsche Paare gehen nach verschiedenen Schätzungen, wie etwa von der Bundesärztekammer, jedes Jahr für eine Eizellspende ins Ausland. Das führt mitunter zu rechtlichen Unsicherheiten, etwa dass Kinder später kein Recht darauf haben, ihre genetische Mutter – die Eizellspenderin – zu kontaktieren.

Eine Eizellspende wird notwendig, wenn eine Frau im fortpflanzungsfähigen Alter selbst keine intakten Eizellen mehr bilden kann. Bei etwa einem Prozent der Frauen sei das bereits unter 40 Jahren der Fall, sagt Andreas Ott, Reproduktionsmediziner und Leiter des Kinderwunschzentrums Ludwigsburg. Haben Männer keine ausreichende Anzahl oder Qualität der Spermien, gibt es seit Jahrzehnten die legale Möglichkeit, auf eine Samenspende zurückzugreifen. Durch das Verbot der Eizellspende, festgeschrieben seit 1991 im Embryonenschutzgesetz, gibt es keinen vergleichbaren Weg für Frauen.

Ausländische Kliniken werben für Eizellspenden

Im Alltag bedeutet das: Ist eine Frau unfruchtbar, bleibt in Deutschland nur eine legale Option bei einem Kinderwunsch, die Adoption. „Es gibt wenige Paare, die sagen, wir wollen ausschließlich ein biologisch eigenes Kind. Eine mögliche Adoption scheitert allerdings oft daran, dass es kaum Kinder gibt, die zur Adoption freigegeben werden“, sagt Andreas Ott. Die Wartezeit beträgt laut dem Bundesfamilienministerium durchschnittlich 20 Monate, aber mitunter dauert es auch wesentlich länger. Für viele Paare sei eine Eizellspende dann der einzige Weg, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. „Wir haben jede Woche mindestens ein Paar, das von so einer Behandlungsform profitieren könnte.“

Für Andreas Ott ergibt sich daraus eine widersprüchliche Situation. Nicht nur im Netz können ausländische Kliniken Eizellspenden bewerben. Auch auf Kinderwunschmessen tauchen sie auf. Auf der Messe „Wish for a Baby“, also „Wunsch nach einem Baby“ in Köln stehen Seminare auf dem Programm wie „Fünf Schritte, um Ihre Familie durch Eizellspende zu gründen“. Das sei durch das Wettbewerbsrecht gedeckt, sagt Ott. Er dürfe hingegen keine Paare zu einer Eizellspende beraten. „Da muss man sagen: Das ist absurd“, so Ott. „Die Beratung darf nicht das Internet übernehmen. Diese Paare sollten fachkundig ärztlich beraten und auch familientherapeutisch begleitet werden.“

„Das sind echte Wunschkinder“

Das Verbot der Eizellspende wurde ursprünglich damit begründet, dass man eine „gespaltene Mutterschaft“ verhindern wolle – man hatte Bedenken, dass es für die Entwicklung eines Kindes nicht förderlich sei, wenn es eine genetische und eine gebärende Mutter gibt. Das müsse als „überholt und nicht mehr überzeugend“ gelten, heißt es in der Empfehlung der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission. Das sieht auch Andreas Ott so. Wichtig sei vor allem, dass man die Kinder frühzeitig informiere – aber unabhängig davon, ob sie aus einer Samen- oder Eizellspende entstanden seien. Er meint auch: „Das sind echte Wunschkinder. Das sind keine Paare, die das leichtfertig angehen, das ist eine verantwortungsbewusste Entscheidung.“

Wie läuft eine Eizellspende ab? Eine Spenderin muss vor einer Eizellspende über etwa zwei Wochen hormonell behandelt werden, um eine ausreichende Anzahl an Eizellen zu bilden und somit die Befruchtung vorzubereiten. So wie man das auch bei der Vorbereitung für eine In-Vitro-Fertilisation – also eine künstliche Befruchtung – macht. Dann wird eine Sonde mit einer sehr feinen Nadel in die Scheide eingeführt, die Nadel durchsticht die Scheidenwand. Wenige Millimeter dahinter befinde sich in der Regel der Eierstock, sagt Andreas Ott, dort würden durch die Nadel dann die Eizellen abgesaugt. Der Eingriff dauere in der Regel fünf bis zehn Minuten und werde in einer leichten Schlafnarkose durchgeführt. Danach werden die Eizellen unter dem Mikroskop mit Spermien befruchtet und später der Wunschmutter eingesetzt.

Hormone für die Eizellen – eine riskante Sache?

Die Eizellspende ist – anders als eine Samenspende bei einem Mann – für eine Spenderin nicht völlig ohne Risiko. Das wurde in der Vergangenheit immer wieder als Argument gegen eine Eizellspende herangezogen. Tatsächlich kann es durch die hormonelle Vorbehandlung etwa zum sogenannten Überstimulationssyndrom kommen. Das ist eine Art Überreaktion auf die Gabe von zusätzlichen Hormonen. In seltenen Fällen kann das etwa Thrombosen oder Ödeme auslösen, die mitunter lebensbedrohlich sein können.

„Man muss sehen, dass die Behandlungen dahinter in den vergangenen 20 Jahren immer schonender wurden“, sagt Andreas Ott. Zudem seien die Spenderinnen in der Regel gesunde jüngere Frauen, sie würden davor auf Gesundheitsrisiken überprüft. „Das Risiko für ein Überstimulationssyndrom oder andere Komplikationen ist heute quasi null“, sagt er. Zudem unterscheide sich die Hormonbehandlung – und damit auch das Risiko – nicht von der Vorbereitung auf eine künstliche Befruchtung mittels In-Vitro-Fertilisation.

5000 bis 6000 Euro für eine Behandlung mit Eizellspende

Eine weitere Kritik an einer möglichen Legalisierung der Eizellspende ist die mögliche finanzielle Abhängigkeit und Druck auf die Spenderinnen. Auch die Kommission empfiehlt eine „angemessene Entschädigung“, die auch die körperlichen und psychischen Belastungen berücksichtige. Gleichzeitig will man verhindern, dass sich Frauen aus finanziellen Gründen für eine Eizellspende entscheiden. Andreas Ott verweist auf Spanien, wo zwischen 800 und 1000 Euro für eine Spende gezahlt würden, „das ist ein angemessener Rahmen“. Zum Vergleich: Für eine Samenspende gibt es in der Samenbank Ludwigsburg 100 Euro.

Wird der Gesetzgeber bei der Eizellspende nicht aktiv, wäre es auch denkbar, dass das Verbot vor Gericht gekippt wird. Das war etwa in Österreich durch ein Urteil des dortigen Verfassungsgerichtshofes 2014 der Fall – allerdings nach mehrjährigem Rechtsstreit. In Ludwigsburg ist man so oder so vorbereitet: „Wir könnten sofort damit anfangen“, sagt Ott. Die Kosten dafür würden dann wohl etwa bei 5000 bis 6000 Euro für einen kompletten Behandlungszyklus liegen, schätzt Ott.

Wo die Eizellspende erlaubt ist

Europa
In den meisten EU-Ländern ist die Eizellspende erlaubt, in Österreich etwa nach einem Urteil des dortigen Verfassungsgerichtshofes. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht Handlungsbedarf, die wissenschaftliche Basis habe sich seit dem Verbot vor 30 Jahren geändert, sagte er vor kurzem.

Gesetz
Die Debatte um eine Legalisierung der Eizellspende geht schon länger. 2019 empfahl etwa die Leopoldina – die Nationale Akademie der Wissenschaften – eine Legalisierung, die Bundesärztekammer ebenso. Die FDP legte 2020 schon einen Gesetzesvorschlag zur Legalisierung vor.