Alessandra Beyerling sind auf der fröhlich vollgerümpelten Bühne Plappergei, NEINhorn, WASbär und vieles mehr. Foto: Tobias Metz

Ein trotziges Neinhorn, drei weitere Widerspruchsgeister: In der Esslinger Jungen WLB wird in einem Stück nach Marc-Uwe Klings Kinderbuch aus der Trotzphase eine Spaßparade.

Was für tolle Eltern, denken wohl die Eltern im Publikum: Sie bereiten ein Picknick auf der grünen Wiese, singen fröhlich und erfinden lustige Reime, sind total sympathisch und fest entschlossen, ihr Kind nach allen Regeln der Kunst zu bespaßen. Was für blöde Eltern, denkt das bockige Kind, dem alles zu rosa, zu gereimt und zu schnickeldischnuckelig ist – und es sagt „Nein!“ Immer nur „Nein!“ In der Esslinger Jungen WLB hat „Das NEINhorn“ seinen Weg auf die Bühne gefunden, Marc-Uwe Klings liebenswertes Kinderbuch über ein quengeliges, widerborstiges Einhorn, das seine Familie gründlich nervt, weil es grundsätzlich dagegen ist. Der Autor der „Känguru-Chroniken“, gebürtiger Stuttgarter, bevölkert seinen Herzwald mit allerlei Getier mit sprechenden Namen, das NEINhorn trifft den WASbär, der schlecht hört (oder eher schlecht hören will), einen NAhUND, dem sowieso alles egal ist, und die bockige, im Turm eingesperrte KönigsDOCHter.

 

Rapgesang und Körperpercussion

Elisabeth Nelhiebel hat das illustrierte Kinderbuch für die Bühne adaptiert und die allermeisten der originellen Dialoge behalten, manchmal sind sie ein wenig umgestellt. Ab vier Jahren wird das lustige Stück empfohlen, aber auch ältere Kinder dürften ihren Spaß haben am Reimgeklingel, an Rapgesang und Körperpercussion, an den fantasievollen Verkleidungen und am freien Spiel mit Wörtern, Gegenständen, Ideen. Die wilde Lust, mit der Klings Text von Reim zu Reim hüpft, Wörter gegeneinander schmeißt, Bezüge entstehen lässt, wo eigentlich keine sind, erinnert fast an die Sprachartistik eines Arno Schmidt, des Autors von „Zettels Traum“. Auch das Kinderbuch liebt die Sprache, das Spiel und die Fantasie – gemeinsam mit drei ideenreichen Darstellern setzen Regisseur Markus Steinwender und Ausstatterin Elke König das auf einer bunten, fröhlich vollgerümpelten Bühne in Szene, in deren Mittelpunkt eine satte grüne Wiese zum Verweilen einlädt.

Die Socke wird zum Waschbärschwanz

Erzählt wird die Geschichte mit spontanen Verkleidungen. Eine gestreifte Socke wird zum Waschbärschwanz, ein Cyber-Schwert zum Einhorn-Horn, Lametta zum Prinzessinnenhaar. Das Einhorn, trotzig und mutig gespielt von Mira Leibold, mutiert zwischendurch zu einer kleinen Handpuppe, deren Weg wir oben an der Wand verfolgen, den WASbär ersetzt ein Federballschläger mit Mütze, eine Seifenblasenmaschine wirbelt. Alessandra Bosch verwandelt sich von der lockeren Hippie-Mutter zum wuffigen NAhUND und dann in blitzschneller Abfolge zum Ange-Bär, dem Reichhörnchen, zum Bibber und zum Plappergei. Timo Beyerling stopft sich als WASbär die Bäckchen aus und flötet als KönigsDOCHter vom Turm herunter, er singt und macht Musik. Wie gut es um die musikalische Bildung unserer Kleinsten bestellt ist, bewies in der Premiere eine junge Zuschauerin in der ersten Reihe: „Was will der jetzt mit der Ukulele?“, rief sie laut – die Erwachsenen im Publikum staunten.

Und am Ende ein fröhliches „Ja!“

Natürlich müssen die Kinder auch sonst mal mithelfen, bis das trotzige NEINhorn endlich mit den Eltern spielt, bis es selbst reimt und irgendwann, fast aus Versehen, fröhlich laut „Ja!“ sagt. Nicht nur vermitteln Klings Buch und das daraus entstandene Theaterstück einen unbändigen Spaß an der Sprache, sein Wortwitz sorgt für ein Lächeln im Umgang mit dem Leben, lehrt Ironie, Toleranz, Verständnis.

Nächste Vorstellungen: 30. April, 28. und 29. Mai; Podium 2 des Esslinger Schauspielhauses.