„Frederick“, ein Stück für die jüngsten Theaterbesucher ab vier Jahren, hat am Samstag an der Esslinger Landesbühne Premiere. Alice Therese Gottschalks Inszenierung verbindet Schauspiel und Figurentheater.
Eine Nussschale? Ach was. Ein Boot. Oder ein Haus. Ein Bett. Ein Käfer. Ein Kopf. Die Dinge sind, was sie sind, können aber fast alles werden. Sogar lebendig. Das ist die ganz normale Realität im Spiel von Kindern. Genau daran knüpft Alice Therese Gottschalk in ihrer Inszenierung des Kinderbuch-Klassikers „Frederick“ von Leo Lionni an. Die Produktion der Jungen WLB, der Kindersparte der Esslinger Landesbühne, richtet sich an das jüngste Publikum ab vier Jahren und hat am kommenden Samstag im Studio am Blarerplatz Premiere.
Wie erzählt man Sonnenstrahlen?
Alice Therese Gottschalk ist Schauspiel-Regisseurin und Figurentheater-Künstlerin. Beides bringt sie in „Frederick“ zusammen: Die Darsteller Chiara-Luisa Schrenk und Steffen Lehmitz agieren als Schau- und als Figurenspieler. „Wir wollen die Geschichte nicht nur in Worten erzählen, sondern auch über die Haptik von Materialien“, erklärt Gottschalk. Zum Beispiel wolle man versuchen, Sonnenstrahlen „haptisch erfahrbar zu machen“, generell Objekte quasi sprechen zu lassen. Damit wollen die Regisseurin und die Akteure in die Botschaft der „Frederick“-Handlung vorstoßen: die Kraft und Notwendigkeit der Fantasie.
Die Maus lebt nicht vom Korn allein
Denn Leo Lionnis Geschichte handelt von einer Mäusefamilie, die sich auf den Winter vorbereitet. Eifrig sammeln alle gemeinsam Nüsse und Körner, Getreidegarben und Stroh und was sonst noch den Mäuseleib nährt und wärmt. Aber die Maus lebt nicht vom Korn allein. Als einziger beteiligt sich Feldmäuserich Frederick nicht am Hamstern, sammelt aber trotzdem: Worte, Gedanken an Sonnenstrahlen und anderes, was die Fantasie nährt und wärmt. Als sich dann der kalte, graue Winter in die Länge zieht und die Vorräte knapp werden, sind Fredericks Künste gefragt. Mit dem, was er gesammelt hat, erzählt er wunderbare Geschichten, die beim Überwintern helfen. Und bald sind sich seine Mitmäuse einig: „Du bist ein Dichter!“
Lob der Fantasie
„Wie sehr wir in schwierigen Situationen Fantasie brauchen, hat uns Corona gezeigt“, sagt Alice Therese Gottschalk. Das Figurentheater hat eine natürliche Nähe zu dieser Fantasie, schließlich verwandelt es alltägliche Dinge in fantastische Wesen, ebenso wie es in der spielerischen Welt von Kindern geschieht, erklärt die Künstlerin, die während ihres Studiums in Stuttgart mit dem großen Puppentheatermann Albrecht Roser zusammengearbeitet hat – einem Künstler, der fast 200 Jahre nach Kleists Marionettentheater-Huldigung dem Genre wieder Respekt und akademische Würde verschafft hat. In die Augsburger Puppenkiste will sich jedenfalls auch Gottschalk nicht stecken lassen, denn Figurentheater umfasst ein weites Spektrum – vom Puppenspiel bis zu Material- und Objekttheater. In „Frederick“ hat sie auch Bühnenbild und Kostüme selbst geschaffen. „Wir nutzen alle Mittel, die wir als Theatermenschen zur Verfügung haben, um eine Geschichte so sinnlich und emotional wie möglich zu erzählen“, sagt sie. Eines aber sei allen Formen von Figurentheater gemeinsam: die Kunst des Lebendigmachens.
Die Premiere von „Frederick“ beginnt am kommenden Samstag, 20. Juli, um 16 Uhr im Studio am Blarerplatz in Esslingen. Die nächsten Vorstellungen folgen erst nach der Sommerpause am 12. und 20. Oktober.