Ein sehr lebendiger kleiner Tod: Nicky Taran als Frida und Julian Häuser als Samuel. Foto: Tobias Metz

Am Sonntag startet die Esslinger Junge WLB in die Saison mit „Hey, ich bin der kleine Tod – aber du kannst auch Frida zu mir sagen“. Es geht um letzte Dinge für alle ab zehn Jahren.

Klar, ein Tabuthema im Kindertheater: der Tod. Der Regisseur Johannes Schleker verfährt da nach der Devise: nicht rumdrucksen, sondern „den Elefant mitten in den Raum stellen“. Wobei der Elefant in diesem Fall keiner ist, sondern ein cooles Mädchen mit Sense und schwarzem Umhang, das Samuel kalt machen soll. Dem bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihr anzufreunden. Schließlich weiß der Junge, dass Tod oder Tödin ihn bald holen könnten. Samuel hat eine lebensgefährliche Immunschwächekrankheit. Raus traut er sich kaum.

 

„Hey, ich bin der kleine Tod – aber du kannst auch Frida zu mir sagen“: Der Titel von Anne Grögers Kinderbuch – die Esslinger Bühnenfassung stammt von WLB-Dramaturgin Sarah Frost – sagt fast alles über die Titelfigur: ein kesses Mädchen, wobei Frida nicht von ungefähr nach Friedhof klingt. Aber ihre Lebhaftigkeit ist alles andere als morbid. Sie ist eben der kleine statt große Tod, sie muss noch lernen. Tod ist ein Ausbildungsberuf, Frida die Azubi. Samuel wäre ihr erster richtiger Todesfall: quasi ihre Gesellinnenprüfung.

Szene mit (von links) Julian Häuser, Michaela Henze, Felix Albers und Nicky Taran. Foto: Tobias Metz

Aber erst einmal will sie erfahren, was eigentlich so toll sein soll am Leben. Und deshalb wird das Stück äußerst lebendig, witzig und turbulent, verspricht Regisseur Schleker. Samuel werde vom kleinen Tod „mitten ins Leben geschubst, das er vorher ängstlich gemieden hat“. Und das mit dem Schubsen ist wörtlich gemeint: Es gehe sehr bewegungsaktiv und körperlich her in seiner Inszenierung für das Publikum ab zehn Jahren, sagt Schleker.

Eine ganz natürliche Beziehung

Schließlich entsteht eine ganz natürliche Beziehung zwischen Samuel und Frida, Leben und Tod. „Das Stück ist keine Meditation über den Tod, sondern über die Entdeckung des Lebensmuts“, erklärt der Regisseur. „Der exzessiven Lust am Leben steht die existenzielle Angst vor dem Leben entgegen.“ Samuel hole das Publikum hinein in sein „Schattenkabinett“, wo jener Zwiespalt ausgetragen wird; in sein „Kopfkino“, das Bühnenbildnerin Katharina Müller im Stil des expressionistischen Stummfilms à la „Das Kabinett des Dr. Caligari“ zur Szene macht.

Die Premiere beginnt an diesem Sonntag, 21. September, um 15 Uhr im Podium 2 des Esslinger Schauspielhauses. Die nächsten öffentlichen Vorstellungen folgen am 28. September, 12. und 26. Oktober sowie am 30. November.