Auf die Kita an der Körschstraße könnten Sanierungsarbeiten zukommen. Im Atelier der Kindertagesstätte wurde Schimmelbefall festgestellt. Foto: Cedric Rehman

In einer Plieninger Kindertagesstätte wurde Schimmel gefunden. Die besorgten Eltern klagen schon lange über einen üblen Geruch. Sie kritisieren, dass die Stadt Stuttgart sie lange im Unklaren gelassen hat.

Plieningen - Das Wohl und die Gesundheit der Kinder stünden an erster Stelle, betont der Sprecher der Stadt, Sven Matis, in einer schriftlichen Stellungnahme. „Daher wird die Stadt darauf drängen, dass Maßnahmen schnell und effizient durchgeführt werden“, heißt es weiter in dem Schreiben. Doch die Elternbeiräte der Kindertagesstätte an der Körschstraße wundern sich, dass die hohe Priorität des Wohles der Kinder nicht zu einer rascheren Information ihrer Eltern geführt hat. „Die Kommunikationspolitik der Stadt war schlecht. Für uns war es das Hauptproblem, dass wir so lange gar nicht gewusst haben, was in der Kita los ist“, sagt Manuela Papadakis vom Elternbeirat.

Schon seit Wochen gehen Gerüchte um in Plieningen: In der Kindertagesstätte an der Körschstraße seien Umweltgifte gefunden worden, die Schließung drohe, hieß es von Seiten besorgter Eltern. Über einen längeren Zeitraum war übler Geruch in den Räumen der Kita aufgefallen. Eltern berichten, dass ihre Kinder nach dem Besuch der Kita muffig gerochen hätten.

Vergebliches Warten auf Auskunft

Mitarbeiter der Stadt hätten Ende vergangenen Jahres Proben von der Raumluft genommen, sagt Manuela Papadakis. Über das Ergebnis der Untersuchungen seien die Eltern trotz wiederholter Nachfragen bei der Stadt im Ungewissen gelassen worden. „Zum Teil wurden unsere Mails nie beantwortet“, sagt die Mutter.

Im April wurden dann, wie die Stadt bestätigt, nochmals Räume der Kita untersucht und einzelne Bauteile geöffnet. Im Atelier der Kindertagesstätte fanden die Mitarbeiter der Stadt dann Schimmel. Wie im Sprichwort hat sich dabei erwiesen, dass auch das Gerücht von den Umweltgiften in der Kita einen wahren Kern hat. Zwar redet im Moment niemand davon, dass die Kita geschlossen wird, und es sind auch keine – wie von Eltern befürchtet – industriellen Schadstoffe gefunden worden. Doch die festgestellten Schimmelsporen könnten auch ein Risiko für die Gesundheit darstellen. Werden sie über eine längere Zeit eingeatmet, sind Allergien und Asthma als Folgen möglich. Einige Gifte des Schimmelpilzes gelten als nieren- und leberschädigend, andere als krebserregend. „Wir wissen immer noch nicht, ob für die Gesundheit unserer Kinder eine Gefahr besteht“, kritisiert Manuela Papadakis vom Elternbeirat.

Rätseln über Schadstoffe

Wie sie war auch die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel lange im Unklaren, was die Stadt über etwaige Schadstoffe in der Kita an der Körschstraße weiß. Sie sei bereits Anfang April von Eltern gefragt worden, ob sie etwas über Gifte in der Kita wisse, sagt Andrea Lindel. Die Bezirkschefin hat nach eigenen Angaben darauf bei der Stadt nachgefragt, ob und wenn ja, welcher Schadstoff in der von der Stadt getragenen Kindereinrichtung gefunden wurde. Doch erst kürzlich sei ihr die Frage beantwortet worden, berichtet sie. „Es hat gedauert und einige Zeit am Telefon benötigt.“

Nun soll laut Angaben der Stadt der unbefristete Streik der Erzieherinnen genutzt werden, um Luftfilter in der Kita aufzustellen. Sie sollen die Luft von den Sporen reinigen. Damit ist es offenbar noch nicht getan. Zwar plane die Stadt keine Schließung der Kita, doch sei eine Sanierung nötig, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Ein Sanierungsbetrieb sowie ein von der Stadt beauftragter Baubiologe sollen in der kommenden Woche eine großflächige Untersuchung vornehmen. Erst dann könnten weitere Schritte beschlossen werden, heißt es in dem Schreiben der Stadt.

Die Elternbeiräte dringen derweil vor allem auf eines: die Klärung der Frage, ob ihre Kinder einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt waren. Sie wollen außerdem erreichen, dass die Stadt die Kinder nach dem Streik in einem Container oder Zelt unterbringt. „Wir wissen im Moment ja überhaupt nicht, wie es mit dem Gebäude weitergeht“, sagt Manuela Papadakis.

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