Ein „Ort der Begegnung“ soll das Kinderhaus Eberdinger Straße werden. Foto: factum/Bach

Das Kinderhaus in der Eberdinger Straße in Hemmingen wird zum Familienzentrum umgewandelt und erhält dafür Geld vom Land. Unklar ist, was nach Ende der Förderung passiert.

Hemmingen - Das Kinderhaus in der Eberdinger Straße in Hemmingen wird zum Familienzentrum ausgeweitet – zumindest temporär. Was geschieht, wenn die damit verbundene Förderung vom Land nach einem Jahr ausläuft, soll dann erneut diskutiert werden – wenn man eine klarere Vorstellung davon hat, welche Konsequenzen die Umwandlung hat.

Was eigentlich ein Familienzentrum ist und inwieweit sich das Kinderhaus verändern muss, um eines zu werden, war dabei nicht jedem Gemeinderat klar. „Ist das eine Art Volkshochschule für die Eltern-Kind-Beziehung?“ fragte Jörg Haspel von den Freien Wählern am Dienstag im Verwaltungsausschuss. Die Fachkraft für die Koordination der Kindertageseinrichtungen der Gemeinde, Katja Moser, war bemüht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen: Es gehe um Begegnung und Austausch von Familien mit vielfältigen Angeboten. Der Schwerpunkt soll auf der Integration von Familien liegen, die als Flüchtlinge in den Ort gekommen sind. Diese und weitere Familien – auch solche, deren Kinder nicht im Kinderhaus betreut werden – sollen im Familienzentrum Unterstützung finden. Die zusätzlichen Angebote für Familien sollen über Kooperationen, etwa mit Vereinen, ermöglicht werden. Denkbar, so Moser, seien etwa Sprachkurse für Eltern, ein Ausbau der Spielgruppe für Flüchtlingskinder und ein Eltern-Kind-Kochworkshop. Soweit die Theorie.

Vieles wird schon umgesetzt

Viele der Aufgaben würde das Kinderhaus in der Praxis ohnehin schon umsetzen, so Moser, weshalb die Bewerbung um die Fördermittel vom Land – 10 000 Euro gibt es für dieses Jahr – wohl nahe lag. Knapp 270 Kitas haben sich landesweit beworben, 100 kommen zum Zug. Hemmingen, sagte Moser, werde darum beneidet.

Einige Gemeinderäte waren nicht überzeugt. Die SPD-Rätin Elke Kogler etwa, die selbst einen Kindergarten in Möglingen leitet, äußerte Zweifel. „Wir als SPD wollten ein Familienzentrum, aber jetzt bin ich skeptisch.“ Viele Fragen seien offen, etwa ob die Räume ausreichten, was nach dem Ende der Landesförderung geschehe und ob das Personal überhaupt noch Kapazitäten habe. Jörg Haspel (Freie Wähler) bezweifelte, ob die Kompetenzen der Erzieher bei Problemfällen ausreichten, etwa, wenn psychologische Hilfe nötig sei. Der Bürgermeister Thomas Schäfer merkte an, es gehe auch darum, bei Bedarf die richtigen Kontakte vermitteln zu können.

Grundsätzliche Uneinigkeit bestand im Gemeinderat bei der Frage, ob ein detailliertes Konzept am Anfang oder Ende der Umwandlung zum Familienzentrum stehen muss. „Es muss auch langfristig etwas dahinterstehen und darf sich nicht nur schön anhören“, sagte Haspel. Es war dann Walter Bauer (CDU), der seine Ratskollegen um Gelassenheit bat: „Wir sollten den Prozess erst mal beginnen lassen.“ Mit dieser Stoßrichtung konnten die meisten Räte dann leben: Jetzt das Geld nehmen, später entscheiden. Oder, wie es der CDU-Rat Wilfried Gentner augenzwinkernd formulierte: „Take the money and run.“

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