Die Ermittler brauchen bessere Befugnisse im Kampf gegen sexuellen Missbrauch an Kindern. Aber das reicht nicht aus, kommentiert Tobias Peter.
Die Zahlen für sich genommen sind bereits mehr als erschreckend. Gut 18 000 Opfer im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch hat die Polizei im vergangenen Jahr gezählt. In den meisten Fällen – mehr als 16 000 – geht es um Kinder, in einem kleineren Teil um Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Die offiziellen Zahlen aus dem Lagebild „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ bleiben damit auf einem anhaltend hohen Niveau.
Gleichzeitig muss dazu gesagt werden: In der Statistik können nur die Fälle erfasst werden, von denen die Polizei auch weiß. Das Dunkelfeld ist größer. Das seelische Leid, das durch die Grausamkeiten entsteht, lässt sich ohnehin nicht in Zahlen fassen. Der Schmerz ist grenzenlos.
Spuren im Internet sichern
Der Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch muss dringend verschärft werden. Dabei sind immer zwei Seiten gefragt. Die erste ist, ganz klar, der Staat. Deshalb ist es richtig, dass Union und SPD im Koalitionsvertrag eine dreimonatige Speicherung von IP-Adressen vereinbart haben. Auf diese Weise könnte die Polizei bei Ermittlungen auf Spuren zugreifen, die jemand mit seinem Computer im Internet hinterlässt. Das Netz darf kein rechtsfreier Raum sein – schon gar nicht, wenn es um den Kampf gegen Kinderpornografie geht. Die Täter dürfen sich nicht sicher fühlen.
Wenn es um den wirksamen Kampf gegen Kindesmissbrauch geht, ist aber auch jeder Einzelne gefragt. In mehr als der Hälfte der Fälle bestand zwischen Opfer und dem oder der Tatverdächtigen eine Vorbeziehung. Täter können Eltern, Geschwister, Gleichaltrige oder auch Trainer sein. Das bedeutet: Wenn in der eigenen Familie oder im Umfeld etwas verdächtig scheint, darf niemand wegsehen. Die Augen offen zu halten, ist unbequem, aber dringend notwendig.