Max und Isabelle haben ihre Briefe persönlich eingeschmissen. Foto: privat

Während der Coronavirus-Pandemie startet die württembergische Arbeiterwohlfahrt eine Aktion, bei der Kinder Senioren Briefe schreiben. Eine Familie aus Stuttgart macht mit und bereitet Senioren in Feuerbach eine Freude.

Stuttgart - Die Coronavirus-Pandemie schreibt viele Geschichten – mal traurig, mal ermutigend. In diesem Fall hat sie eine schöne Geschichte geschrieben. Protagonisten sind die siebenjährige Isabella, ihr fünfjähriger Bruder Max und die Senioren des Seniorenzentrums Pfostenwäldle in Stuttgart-Feuerbach. Sie alle sind Teil der Aktion „Schreib mir eine Karte“.

Ins Leben gerufen wurde „Schreib mir eine Karte“ von der württembergischen Arbeiterwohlfahrt (Awo). Die Idee: „Gegen die Corona-Langeweile und für eine tolle Sache“ sollen Kinder, die gerade zuhause sitzen, Postkarten an Ältere schreiben, die momentan in Pflegeheimen isoliert leben (wir berichteten). Zahlreiche Briefe haben Senioren in den unterschiedlichen Zentren der Awo erreicht. Vier dieser Briefe sind von Isabella und Max.

Andere Oma und Opa haben keine Enkel

„Die Oma und Opa wohnen im Ruhrgebiet und da hatten wir das Thema, uns bei Ihnen zu Ostern mit einem Brief zu melden“, erzählt die Mutter der Kinder Laura S. Mit ihrem vollen Namen möchte sie wegen Tochter und Sohn nicht genannt werden. Eigentlich würde die Familie den Großeltern an Ostern nicht unbedingt eine Postkarte schreiben, sondern gleich zu Besuch hinfahren. Während der Coronavirus-Pandemie ist das aber nicht möglich.

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„Und dann sind wir darauf gekommen, dass andere Ältere eben keine Enkel haben“, sagt Mutter Laura. Als sie auf die Aktion der Awo gestoßen war und den Vorschlag ihren Kindern unterbreitet hatte, seien diese „sofort Feuer und Flamme“ gewesen. Außerdem: Wie so oft, wenn Schulen und Kitas geschlossen haben, hätten Isabella und Max sowieso Leerlauf gehabt. Was Beschäftigungen angeht „wissen irgendwann auch die Eltern nicht mehr weiter“, erzählt Laura S. und schmunzelt.

Von zuhause aufs Fahrrad zum Briefkasten

Also wurde sich an die Briefe gesetzt. „Die Kinder haben in meinem alten Briefpapier gestöbert und das rausgesucht, das sie am schönsten fanden.“ Das Ergebnis waren ein roter, ein weißer und zwei schwarz-weiß gepunktete Umschläge. Während die siebenjährige Isabella daraufhin einige Zeilen geschrieben hätte, sei der fünf Jahre alte Max mit Malen beschäftigt gewesen. „Ich schreibe denen einfach, dass ich an sie denke“, erklärte Isabella.

Für sie ist nämlich klar, dass, „wenn die in einem Zimmer sitzen und nicht raus können, verstehe ich das.“ Denn: „Wenn ich nur in meinem Kinderzimmer sitzen dürfte, wäre mir auch langweilig.“ Um der Langeweile noch ein wenig weiter vorzubeugen, setzte sich die Familie nach dem Schreiben der Briefe zusammen aufs Fahrrad und warf sie persönlich im Seniorenzentrum Pfostenwäldle ein.

Die Reaktion: Freude, Zuversicht und Leben

Als Adressat der Briefe entschieden sich die Kinder übrigens für ein einfaches „Für dich“. Denn welchen Menschen genau ihre Postkarten erreichen, wussten sie nicht. Nikolaus B., 91 Jahre alt und Bewohner des Seniorenzentrums Pfostenwäldle, weiß es aber. Er ist einer der Senioren, an den die zahlreichen Briefe gerichtet waren. „Wie schön, dass so viele Menschen an uns denken“, sagt er. „Die lieben Worte und die bunt bemalten Bilder von Kindern bringen Freude, Zuversicht und Leben in unser Haus.“

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Jeden Tag würden neue Briefe eintreffen. Und die Aktion der Awo ist noch nicht zu Ende. Für Laura S. und ihre Kinder bedeutet das: „Wer weiß, wie lange die ganze Corona-Sache noch dauert. Vielleicht schreiben wir einfach noch mal einen Brief, mal schauen.“

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