Salji Zivoli hat als Rapper mit dem Künstlernamen Sanil eine klare Botschaft. Mit seinen Erfahrungen prägt und motiviert er nun in Leonberg junge Fußballer – inklusive eigenem Song.
Wenn die jungen Fußballer der Spvgg Warmbronn zum Training kommen, fragt der Trainer erst mal: „Wie geht’s euch? Wie war euer Tag?“ Das macht Salji Zivoli, weil er diese Frage als Kind viel zu selten gehört hat. Der Mann, der am Dienstag seinen 29. Geburtstag feiert, engagiert sich seit rund einem halben Jahr beim Verein – und hat seinen Schützlingen sogar einen Rap-Song geschrieben.
Denn der gebürtige Böblinger ist nicht bloß Übungsleiter. Sanil lautet Salji Zivolis Künstlername, er schreibt seit seiner frühesten Jugend Rap-Stücke. Doch nicht nur das: Im Jahr 2022 in der 19. Staffel der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) schaffte er es in den ersten Recall. „Obwohl ich gezittert habe und eigentlich abbrechen wollte – normalerweise bin ich vor Auftritten überhaupt nicht nervös“, sagt er und lacht.
Im Gedenken an seinen verstorbenen Bruder ging Sanil bei der TV-Show DSDS ins Rennen
Um all das einordnen zu können, muss man Salji Zivolis bewegte Lebensgeschichte kennen. Mit fünf Jahren kommt er in ein Kinderheim in Bad Friedrichshall. Später lebt er in einer Wohngruppe, mit 18 Jahren dann in der ersten eigenen Wohnung in Heilbronn. Als er 13 ist, stirbt sein Bruder bei einem Autounfall. „Er war auch Rapper. Er hat mir alles beigebracht“, sagt er. „Und er hat auch immer DSDS verfolgt, also hab’ ich es dort einfach mal probiert.“
Beim Thema Musik kommt die Plattform „Lubu Beatz“ ins Spiel. „Ich habe in Ludwigsburg ein Tonstudio gesucht, um einen Song aufzunehmen“, erinnert sich Salji Zivoli. Da kam das Angebot der Organisation, die sich als „Community junger Artists mit Leidenschaft für Musik“ versteht, gerade recht – nicht nur in musikalischer Hinsicht. „Chriz hat mir viel geholfen, er hat mich zum Beispiel im Studio übernachten lassen, als ich gerade keine Wohnung hatte.“
„Lubu Beatz“ entstand aus einer AG an einer Ludwigsburger Werkrealschule
Chriz, das ist Christian Danneberg, der 2012 „Lubu Beatz“ gegründet hat. Dem Ausdruck „Sozialarbeit auf musikalischer Basis“ kann der 48-Jährige durchaus etwas abgewinnen. Entstanden ist das Ganze aus einer AG an der Ludwigsburger Justinus-Kerner-Werkrealschule heraus. „Das ist sehr gut angekommen“, sagt Danneberg.
So gut, dass man 2015 auf dem Gelände der Jugendförderung Ludwigsburg ein eigenes Tonstudio aufbauen konnte, in dem Jugendliche und junge Erwachsene ihre selbst geschriebene Musik aufnehmen können. In der Folge wurde ein Förderverein gegründet, und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Stiftungen begann. Inzwischen befindet sich ein zweites Studio in den Räumlichkeiten des International Christian Fellowship (ICF) Ludwigsburg. Denn, auch das muss man wissen: Träger von „Lubu Beatz“ ist die evangelische Gesellschaft Liebenzeller Mission.
Wie passt das aber zum Beispiel mit Gangster-Rap zusammen, der von den Jugendlichen durchaus in harter Sprache dargeboten wird? Christian Danneberg holt aus: „Das Vorbild ist Jesus, er hatte ja auch eine Leidenschaft für Leute, die etwas außen vor waren.“ Man könne nicht erst dann anfangen, sich mit den Menschen zu beschäftigen, „wenn sie schon auf dem moralischen Level 5 sind“.
Salji Zivoli alias Sanil rappt indes unter anderem darüber, nicht aufzugeben, oder über seine Vergangenheit im Kinderheim. „Du musst das erzählen, was du bist“, sagt er. „Bist du Getto, bist du Gangster? Nein, bist du nicht. Wenn du rappst, dann musst du das auch fühlen.“ Das sage er zu jedem.
„Motivierende Person“: Sanils Engagement als Coach bei der Spvgg Warmbronn kommt nicht von ungefähr
Daran knüpfen der Song „Warmbronner Jungs“ und Salji Zivolis Engagement als Coach an. Er war einst selbst Verbandsliga-Stürmer, arbeitet mittlerweile in einem Wohnwagen- und Camper-Center in Sindelfingen – und lebt mit seiner Partnerin im Leonberger Teilort. Dort brachte er häufig deren inzwischen siebenjährige Zwillinge zum Training bei der Spvgg. Nach einiger Zeit stand im Raum, dass er ja eigentlich auch die F-Jugend trainieren könnte.
„Meine Partnerin hat immer gesagt, ich sei eine sehr motivierende Person“, sagt Salji Zivoli. Außerdem seien auch den anderen Betreuern – und den anderen Eltern – sein Wesen und seine Vergangenheit nicht verborgen geblieben. „Irgendwann kam dann bei einer Besprechung so von der Seite der Vorschlag, ich könnte doch auch mal einen Song über die Mannschaft machen.“ Gesagt, getan. „Wir sind Warmbronner Jungs, wir spielen mit Vernunft, wir sind die Zukunft“, heißt es darin an einer Stelle. „Voller Power und Motivation, der Ball wird erobert, das ist die Mission“, an einer anderen. Darunter liegt ein fetter Beat.
Ein sehenswertes Video gibt’s auch, aufgenommen an einem Herbstabend beim Training auf dem Warmbronner Kunstrasen. „Den Song hören sich jetzt auch schon andere Mannschaften in der Kabine an“, erzählt der Rapper und muss wieder lachen.
„Lubu Beatz“ und Rapper Sanil
Aussage
„Wir wollen sehen, wie junge Leute aufstehen, aktiv werden und der Welt da draußen zeigen, was sie drauf haben! Und zwar vor allem diejenigen, die beim kulturellen Mainstream bisher noch nicht so sehr auf dem Schirm sind.“ So lautet eine der Kernaussagen von „Lubu Beatz“.
Leitung
Neben dem Gründer und Haupt-Organisator Christian Danneberg gehören zum Leitungsteam von „Lubu Beatz“ noch Produzent Benjamin Forgiven und Community-Manager Levi.
Sanils Warmbronn-Song
Der Song „Warmbronner Jungs“ ist unter anderem auf der Videoplattform Youtube zu finden, inklusive dem dazugehörigen Video. Zahlreiche weitere Stücke sowie Sanils Auftritt bei „Deutschland sucht den Superstar“ finden sich dort ebenfalls.
Noch ein Song
Es existiert noch ein weiteres, professionell produziertes Stück über die Spvgg Warmbronn: Der „Warmbronn-Song“ einer Gruppe, die sich Die Schimpfer nennt. Auch dieses Werk steht auf Youtube.