Betreuung hat ihren Preis. Doch dabei stoßen Eltern an Grenzen. Foto: Archiv (dpa/Uwe Anspach)

In Marbach am Neckar sollen Kindergartenplätze deutlich teurer werden. Mütter und Väter fragen, wie sie sich das noch leisten sollen – und wollen die Anhebung nicht klaglos hinnehmen, schließen sogar einen öffentlichen Protest nicht aus.

Für viele Eltern dürfte sich der Beschluss des Marbacher Verwaltungsausschusses wie ein Schlag in die Magengrube angefühlt haben. Das Gremium hat in seiner jüngsten Sitzung vor den Herbstferien beschlossen, sich an den neuen Empfehlungen der kommunalen und kirchlichen Spitzenverbände zu orientieren und die Kindergartengebühren anzuheben. Zum 1. Januar 2025 will die Stadt im Schnitt 7,5 Prozent mehr als bislang verlangen. Nur acht Monate später sollen weitere 7,3 Prozent draufgepackt werden.

 

„Das fällt uns nicht leicht“, beteuerte Bürgermeister Jan Trost. Die Erhöhung sei „natürlich sehr, sehr groß“. Doch man reagiere damit vor allem auf gestiegene Personalkosten. Außerdem müsse man die Empfehlungen der Verbände übernehmen. Wenn die Stadt aus freien Stücken Gebühren unter einem bestimmten Niveau ansetze, drehe das Land den Geldhahn zu und überweise keine Zuschüsse mehr aus dem Topf für klamme Kommunen.

Zweite Erhöhung in einem Jahr

Dass gleich zweimal innerhalb eines Jahrs an der Gebührenschraube gedreht werden soll, fand das Gremium selbst unglücklich. Doch das Treffen der Einrichtungsträger, in dem man sich auf die neuen Sätze verständigt hat, habe erst im Herbst stattfinden können, erläuterte die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik.

Das habe daran gelegen, dass die Gebühren-Empfehlungen der übergeordneten Verbände recht spät ausgesprochen worden seien und dies auch noch in die Phase der Kommunalwahl gefallen sei, nach der sich die Gemeinderatsgremien erst neu aufstellen mussten. Insofern habe man sich entschieden, die erste Erhöhung nicht schon für September 2024 anzusetzen, sondern auf den 1. Januar zu schieben – womit es nun für die Mütter und Väter geballter teurer wird.

Wie Franziska Wunschik hervorhob, stehe zu all dem noch die Rückmeldung des Gesamtelternbeirats aus, wofür man aber „sehr offen“ sei.

Besagter Beirat hat sich zwischenzeitlich getroffen. Und die Eltern seien natürlich nicht erfreut über die Pläne der Stadt, sagt eine Elternsprecherin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Man könne zwar die Beweggründe im Grundsatz nachvollziehen. „Mit dem Ausmaß der geplanten Erhöhungen sind wir aber nicht einverstanden, und wir versuchen, das zu verhindern, auch wenn uns klar ist, dass wir wahrscheinlich wenig Chancen haben werden“, betont die Mutter. Sie erinnert daran, dass in manchen Einrichtungen wie insbesondere dem Kinderhaus Lauerbäumle nach wie vor ein Mangel an Erzieherinnen herrsche, die Betreuungszeiten folglich mitunter verkürzt seien. Konkret fordert deshalb der Gesamtelternbeirat in seiner offiziellen Stellungnahme, „die geplante Beitragserhöhung so lange auszusetzen, bis eine stabile und zuverlässige Betreuungssituation in den Einrichtungen wieder gewährleistet ist“ und die „Missstände“ deutlich verbessert wurden. Die Mütter und Väter wünschen sich darüber hinaus Transparenz von der Stadt im Hinblick auf die Zuschussproblematik, mit der die Anhebung der Gebühren mitbegründet wird. Den Eltern sei „nicht bekannt, welche konkreten Fördermittel Marbach in den letzten Jahren erhalten hat und inwieweit diese den Kinderbetreuungseinrichtungen zugutekamen“, heißt es in dem Schreiben an die Kommune.

Betreuungszeiten teilweise verkürzt

Bereits im vergangenen Jahr sei der Anstieg bei den Gebührensätzen mit möglichen Fördermitteln begründet worden, etwa für den Neubau des Hallenbads, dessen Realisierung allerdings „weiterhin unsicher ist und für das bislang keine Förderung bestätigt wurde“. Die Mütter und Väter erinnern überdies daran, dass die neuen Beiträge die finanzielle Belastung vieler Familien weiter verschärfen könne, „insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele von ihnen gezwungen sind, Arbeitszeiten zu reduzieren oder Alternativen für die Kinderbetreuung zu organisieren“. Zudem stünden etliche Haushalte mit Kindern durch die aktuelle Konjunkturflaute bereits stark unter Druck. „Angesichts solcher Betreuungsgebühren lohnt es sich schon fast nicht mehr, arbeiten zu gehen.

Ein Großteil des Verdienstes muss für die Betreuung der Kinder wieder ausgegeben werden“, sagt die Elternsprecherin. Wer beispielsweise zwei Kinder habe und einen Platz für unter Dreijährige in der Kita bei verlängerten Öffnungszeiten und einen Platz in der Ganztagsbetreuung im Kindergarten brauche, müsse dafür insgesamt bald rund 800 Euro in die Hand nehmen. Da frage man sich schon, wie das zu leisten sein solle. „Vielen Außenstehenden ist gar nicht klar, um welche Summen es hier geht“, sagt sie.

Eltern denken über eine Demo nach

Alles in allem wünschen sich die Eltern laut ihrer Stellungnahme „eine faire und für alle Beteiligten tragbare Lösung, die die derzeitige Betreuungsproblematik berücksichtigt und nicht zusätzlich zu Lasten der Familien geht, die ohnehin schon mit den bestehenden Einschränkungen zu kämpfen haben“.

Ob sie ihren Standpunkt wie zuletzt die Eltern in Sachsenheim mit einer Demonstration unterstreichen, ist offen. „Das hängt davon ab, welche Rückmeldungen wir noch aus der Elternschaft bekommen“, sagt die Sprecherin.

Wo die Erhöhung vor allem durchschlägt

Beispielrechnung
Die geplante Erhöhung der Betreuungsgebühren in Marbach würde vor allem im Kleinkindbereich voll durchschlagen. Aktuell zahlen Eltern mit einem Kind unter drei Jahren für einen Ganztagsplatz und acht Stunden Betreuung beispielsweise 593 Euro, von Januar an dann 639 Euro und ab September sogar 685 Euro. Für einen regulären Kindergartenplatz werden erst 194, anschließend 209 Euro fällig. Aktuell sind es 181 Euro. Die Gebühren sind nach der Zahl der Kinder in einer Familie gestaffelt, werden also günstiger, je mehr Nachwuchs man hat.

Fix
Die Erhöhung ist noch nicht fix und muss in letzter Instanz durch den Marbacher Gesamtgemeinderat absegnet werden. Bereits vom Tisch ist hingegen die Einführung einer einkommensabhängigen Kindergartengebühr, für die sich die Grünen lange stark gemacht hatten. Der Verwaltungsaufwand wäre dafür zu hoch. Selbst die Eltern hatten sich dagegen ausgesprochen.