Das geplante Neuhausener Kinderhaus in der Waagenbachaue ist laut aktueller Prognose spätestens ab 2032 dringend erforderlich. Foto: Repro: Horst Rudel

Neuhausen schreibt die Kindergartenplanung fort. Am geplanten Kinderhaus Waagenbachaue führt kein Weg vorbei. Veränderungen bei der Betreuungsquote dürften die Nachfrage nach Plätzen für unter Dreijährige erhöhen.

Die Geburtenzahlen gehen derzeit zurück. Ein Einsparpotenzial für die Kindergartenplanung, das dem gestressten Neuhausener Haushalt zugute käme? In erster Linie denkt die Gemeindeverwaltung dabei an das geplante große und recht teure Kinderhaus in der Waagenbachaue. „Uns geht es finanziell nicht mehr so gut wie damals, als wir das Kinderhaus geplant haben“, sagte Bürgermeister Ingo Hacker in der jüngsten Gemeinderatssitzung – auch im Hinblick auf die Option, die Realisierung des Großprojekts zeitlich zu strecken.

 

Spätestens 2032 ist die Einrichtung mit ihren acht Gruppen jedoch erforderlich. Dies geht aus einer Erhebung der Bonner Projektgruppe Bildung und Region (Biregio) hervor, die der Gemeinderat angesichts der niedrigeren Geburtenziffern noch einmal aktualisieren ließ und jetzt diskussionslos zur Kenntnis nahm.

Eingerechnet wurden, quasi als Konstante, die 39 bereits vorhandenen Betreuungsplätze bei Tageseltern – eine Zahl, bei der laut Vorlage „von einer größeren Veränderung nicht ausgegangen wird“. Geht man von allen derzeit vorhandenen Betreuungseinrichtungen in Neuhausen aus, werden laut den Prognosen von Biregio bei den unter Dreijährigen (U 3) 21 Plätze im Jahr 2026 und 40 Plätze 2032 fehlen. Bei den über Dreijährigen (Ü  3) herrsche zurzeit zwar aufgrund zweier starker Geburtenjahrgänge Platzmangel, heißt es in der Vorlage. Ab 2026 werde sich dieser jedoch ausgleichen, prognostisch sei erst 2038 wieder mit einem Mangel zu rechnen. Bezieht man den Neubau in der Waagenbachaue mit ein, sind beide Altersgruppen bis Mitte der 2030er Jahre versorgt.

Allerdings weist die Verwaltung darauf hin, dass für den Außencontainer im Kinderhaus am Egelsee die befristete Baugenehmigung im Herbst 2026 endet, die Plätze also wegfallen. Auch müssten die drei Gruppen des „dringend sanierungsbedürftigen“ Don-Bosco-Kindergartens vorübergehend im neuen Kinderhaus untergebracht werden. Und eine ökonomische Überlegung sei es wert, findet die Verwaltung, ob die kleinen Einrichtungen Rohrspätzle und Nesthäkchen nicht dauerhaft ins Kinderhaus umgesiedelt werden.

Bildungspolitik wünscht 100 Prozent

Neben den wellenartigen Zyklen relativ geburtenstarker und geburtenschwacher Jahrgänge, die sich fortsetzen wenn die Kinder zu Eltern werden, beeinflussen vor allem zwei Faktoren die Prognose: die Betreuungsquote und der Zu- oder Wegzug. Die Biregio-Erhebung geht von einer „etwas verhalteneren“ Neubauentwicklung, zumal mit vielen kleineren, nicht familiengeeigneten Wohnungen, und dennoch zahlreichen Zuzügen aus. Dieser Trend bestehe aber schon seit Jahren, er werde sich tendenziell etwas abschwächen. Daher rechnet Biregio mit leicht zurückgehenden Jahrgangsgrößen, wenn sich Neuhausen ungefähr so weiterentwickelt wie bisher. Bei konstanten Kinderzahlen werden jedoch die höheren Betreuungsquoten zu erhöhtem Kita-Platzbedarf führen. Mit Stand Mai 2024 lag die Quote in Neuhausen im U 3-Bereich bei 36 Prozent aller Kinder unter drei Jahren.

Die Prognose rechnet mit einer Steigerung dieser von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen abhängigen Quote auf 43 Prozent im Jahr 2033 und 46 Prozent im Jahr 2043. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sei künftig mit einer auch bildungspolitisch gewünschten Betreuungsquote von 100 Prozent zu rechnen.