Der Rohbau ist fertig. In knapp neun Monaten, im August 2025, könnte der Einzug in die neue Kindertagesstätte Melanchthon im Fellbacher Süden erfolgen. Foto: Frank Eppler

Die Kindertagesstätte Melanchthon im Fellbacher Südwesten ist auch für die künftige Bebauung des ehemaligen Freibad-Areals von Belang. Denn dort sollen auch viele Familien mit Kindern eine Heimat finden. Die Kita soll Maßstäbe setzen.

Es ist offenkundig doch möglich, öffentliche Vorhaben trotz Herausforderungen in der Baubranche im Termin- und Kostenrahmen umzusetzen. Im Februar dieses Jahres rückte der sogenannte Longfront-Bagger mit seinem Greifarm an, um die Melanchthonkirche samt dem daneben stehenden Kirchturm zunächst anzuknabbern und dann komplett abzureißen. Jetzt, gut acht Monate später, konnte auf dem Areal im Fellbacher Südwesten vor rund 100 Gästen das Richtfest gefeiert werden – für die neue Kindertagesstätte Melanchthon.

 

Erster Gottesdienst 1964, letzter Gottesdienst 2021

Vielen Christen blutete das Herz, als nach dem letzten Gottesdienst am Ostermontag im April 2021 knapp drei Jahre später auch das architektonisch modern gestaltete Kirchengebäude – den ersten Gottesdienst dort gab es am 23. Februar 1964 – dem Erdboden gleichgemacht wurde. Staub zu Staub, sozusagen. Die Evangelische Kirchengemeinde hat auf den Schwund der Mitgliederzahlen reagiert und den Bezirk dem Bereich der zentralen Lutherkirche zugeschlagen.

Schon bisher war auf dem Areal ein Kindergarten untergebracht. Für die neue Kita, für die die Stadt rund 10,5 Millionen Euro (inklusive Abbruchkosten) bereitgestellt hat, und die ebenfalls vom Evangelischen Verein betrieben wird, steht allerdings wegen der weggefallenen Kirchengebäude nun mehr Platz zur Verfügung. Somit wird die Kapazität von früher vier Gruppen mit 65 Kindern auf demnächst sechs Gruppen mit circa 115 Kindern anwachsen.

Richtspruch vom Dach der neuen Kita aus Foto: Evangelischer Verein Fellbach

Planung nach den Leitlinien der Schwammstadt

Das ist auch strategisch für die Stadtplaner sinnvoll, weil ganz in der Nähe auf dem alten, sechs Fußballfelder großen Freibad-Areal die neue Rohrlandsiedlung entstehen soll – mit 250 Wohneinheiten, in denen sicher zahlreiche Familien mit Kindern unterkommen werden. Die neuen Kita-Räumlichkeiten werden in einer Holz-Hybrid-Bauweise und, so der Erste Bürgermeister Johannes Berner in seiner Begrüßung, „als erste Fellbacher Kindertagesstätte nach den Erkenntnissen der Schwammstadt“ errichtet. Ein Großteil des elektrischen Energiebedarfs wird überdies mittels einer eigenen Photovoltaikanlage (PV) auf dem Dach erzeugt. Mit der PV-Anlage werde eine elektrische Energie-Autarkie von circa 73 Prozent erreicht – das bedeutet: Nur noch 27 Prozent der Energie müsse von außen „aus der Steckdose“ zugeführt werden.

Der planende Architekt Karl Ströhle erläuterte, dass der künftige Eingangsbereich, dort, wo einst der Kirchturm stand, so gestaltet werden soll, „dass er als Quartiersplatz fungieren“ könne, wo Kinder, Erzieher, Eltern und Anwohner zusammenfinden, mit Treppe und kleinem Hof. „Das wird auch die Umgebung aufwerten.“ Das Gebäude sei ansonsten gerade mit Blick auf die Kinder geprägt von Holz, denn „Holz hat eine andere Haptik als Beton oder Glas“. Gaby Schröder, Vorständin des Evangelischen Vereins, blickt voller Vorfreude auf das Ziel, nämlich „einen Ort mitten unter uns in diesem Wohngebiet zu schaffen, an dem unsere Kinder wachsen, spielen und lernen können“.

Beim Richtfest (von links): Pfarrer Julian Scharpf von der Evangelischen Kirchengemeinde Fellbach, Abteilungsleiterin Jaqueline Brütsch, Einrichtungsleiterin Manuela Lechner und Vorständin Gaby Schröder (alle Evangelischer Verein) sowie der Erste Bürgermeister Fellbachs, Johannes Berner. Foto: Evangelischer Verein

Fertigstellung im Frühsommer 2025 denkbar

Zum Zeitplan sagte Jürgen Breuning von der Stuttgarter Firma Rommel Schlüsselfertigbau: „Die Fertigstellung ist für Juni 2025 geplant, sodass die Kinder im August 2025 einziehen können.“ Dann wird es zurück gehen vom derzeitigen Interimsquartier in den Modulbauten auf dem Parkplatz beim Fellbacher Max-Graser-Stadion ins brandneue Domizil im Philosophenweg.