Für die Kinderbuchreihe „Die Wupperlinge“ erkundete der Esslinger Zeichner Albrecht Weckmann das Bergische Land und die Stadt Wuppertal gemeinsam mit seinem Freund, dem Autor Dirk Walbrecker.
Für eine neue Kinderbuchreihe reiste der Esslinger Zeichner Albrecht Weckmann nach Nordrhein-Westfalen. Mit dem Autor Dirk Walbrecker erkundete er das Bergische Land. In Solingen, Remscheid und Wuppertal fotografierte der 75-jährige Kunsterzieher unzählige Motive und fertigte vor Ort Skizzen an. Am Ende entstanden 300 Aquarelle für zwölf Bände der „Wupperlinge.“
Weckmann und Walbrecker kennen sich bereits seit vielen Jahren. Doch dass er einmal so intensiv die Heimat seines Freundes studieren würde, hatte sich Weckmann nicht vorstellen können. Vor Corona fragte ihn Walbrecker, ob er den zeichnerischen Part für „Die Wupperlinge“ übernehmen würde. „Diese Aufgabe hat mich gereizt“, so Weckmann. Schnell sagte er zu, dann kam der Lockdown. Mitte Juni endlich durfte er in Wuppertal die druckfrische Edition betrachten. Zur Präsentation war der langjährige Leiter der Kunstschule Filderstadt ein weiteres Mal in die Schwebebahnstadt gefahren, wo wir ihn getroffen haben.
Im Esslinger Buchladen „Zeitgenossen“ liegen „Die Wupperlinge“ aus
Klarer Fall: Das Bergische Land könnte demnächst im Raum Stuttgart an Bekanntheit gewinnen. „Das rege Interesse an den eigentlich lokal angesiedelten Geschichten überrascht mich“, freut sich Weckmann. Bei einer Ausstellung in seinem Esslinger Atelier jedenfalls waren die lustigen Büchlein über die Fantasiegestalten ruckzuck vergriffen. „Ich habe schon beim Verlag nachgeordert.“ Auch im Esslinger Buchladen „Zeitgenossen“ liegen „Die Wupperlinge“ nun aus. Dort stellt der Künstler noch bis Ende August Grafiken aus.
Mit „Die Wupperlinge“ hat sich Kinder- und Jugendbuchautor Dirk Walbrecker einen Herzenswunsch erfüllt. „Seit langer Zeit schwirrte mir die Idee für diese Wesen, die in und an der Wupper Abenteuer erleben, im Kopf herum“, erzählt er im Gespräch. Nun konnte der Autor mit Hauptwohnsitz in München sie mit dem Esslinger Freund realisieren. Und gemeinsam in der Vorbereitung Altbekanntes neu entdecken. „Als Zeichner schaut man ja noch genauer hin“, räumt Weckmann ein.
Für die zwölf Gestalten legte sich der süddeutsche Künstler mächtig ins Zeug. „Vorbilder gab es ja nicht. Alles frei erfunden, bis auf die Schauplätze.“ Doch das Resultat überzeugt. Wer die farbenfrohen Aquarelle zu Walbreckers Texten für Kinder ab vier Jahren betrachtet, verspürt die Lebensfreude dieser pfiffigen Winzlinge. Äußerlich wirken sie wie eine Kreuzung aus Fisch und Frosch, amphibienartig. Das entspricht ihren Fähigkeiten: Flott unterwegs an Land und im Wasser. Ja sogar fliegen ist für „Die Wupperlinge“ kein Problem, aber mehr wird nicht verraten.
Mit Sicht auf die berühmte Schwebebahn
Weckmann zeichnete etliche Entwürfe von seinen NRW-Besuchen, bei denen er in Walbreckers Atelier wohnte. Das befindet sich in einem Gründerzeithaus und bietet freie Sicht auf die Schwebebahn, die am 1. März 1901 offiziell in Betrieb genommen worden war und seither täglich als sicheres Verkehrsmittel an einem Gerüst 13 Kilometer durchs Tal schwebt. Meist über den einst von vielen Textilfabriken verunreinigten Fluss. Die Wupper entspringt als Wipper bei Meinerzhagen im Oberbergischen. In Leverkusen mündet sie nach 117 Kilometern und gut 400 Höhenmetern in den Rhein.
Die Bände der Buchreihe sind jeweils in sich abgeschlossen und zum Vorlesen geeignet. Sie entführen, lustig gereimt, spielerisch zu wechselnden Plätzen. Entlang der Wupper, die sich uralt und immer wieder neu durch eine oft idyllisch-grüne Hügellandschaft schlängelt. Jede Story trägt den Namen eines Wupperling-Heldens. Dem „Schleckerling“ tropft das Eis aus dem Hörnchen, der „Kleckerling“ hat immer seine Pinsel, der hübsche „Smartling“, stets das Phone dabei. Und da reimt der „Dichterling“, der gar ein Musical auf die Bühne stellt. Albrecht Weckmann: „Die Charaktere dieser Gnome unterscheiden sich oft nur in feineren Nuancen.“
Das war eine zeichnerische Herausforderung, manchmal schwer umzusetzen.“ Der „Träumerling“ jedenfalls gefiel vor Kurzem auf Anhieb einem Kind in Esslingen. „Der Junge hat meine Aquarelle der Schwebebahn darin entdeckt. Und seinen Eltern sagte er, dass er unbedingt einmal nach Wuppertal möchte, um mitzufahren.“
In der Buchreihe „Die Wupperlinge“ (Text: Dirk Walbrecker, Illustrator: Albrecht Weckmann) entdecken Groß und Klein spielerisch in Reimen Besonderheiten an Orten entlang der Wupper. Verlag Edition Köndgen, Wuppertal, Paperback vierfarbig, 17 x 17 Zentimeter, je 40 Seiten, 4,95 Euro pro Stück.