Marion von Wartenberg (l.) ist im August in den Kitas unterwegs. Foto: Torsten Ströbele

Staatssekretärin Marion von Wartenberg hat die Einrichtung Böhmerwald-/Linzer Straße besichtigt.

Feuerbach - Die Ansprüche an die Kindertagesstätten, die Erzieher und Einrichtungsleiter sind groß. Neue Bildungspläne, flexible Betreuungszeiten, frühkindliche Erziehung: Und das sind nur einige der Anforderungen, die es zu meistern gilt. Aktuell beschäftigt sich das Kultusministerium des Landes zudem intensiver mit Themen wie der Integration von Flüchtlingen, Sprachförderung und Inklusion. Zu diesen Schwerpunkten möchte sich Staatssekretärin Marion von Wartenberg in der sitzungsfreien Zeit ein Bild in den Einrichtungen vor Ort verschaffen. An drei Tagen im August besucht sie insgesamt fünf Kindertagesstätten im Stuttgarter Norden. In der vergangenen Woche war sie unter anderem in Feuerbach an der Böhmerwald-/Linzer Straße zu Gast.

In der Kita werden derzeit 13 Mädchen und Buben im Alter unter drei Jahren betreut – ein Kind hat das erste Lebensjahr noch nicht vollendet. 36 Mädchen und Buben sind zwischen drei und sechs Jahren alt. Seit Ende Juni sind auch fünf Kinder aus Flüchtlingsfamilien in der Einrichtung. „Manche Eltern hatten Bedenken – zum Beispiel, dass ihr Kind künftig zu kurz kommen könnte. Das ist aber nicht so“, sagt die Leiterin der Kindertagesstätte Heike Lindner. „Selbstverständlich ist es ein Spagat, aber wir leben hier jeden Tag die Vielfalt und den Integrationsgedanken.“ Damit das funktioniere, müsse man die Mütter und Väter auf jeden Fall mit auf diesen Weg nehmen. Unter anderem sind deswegen ein Elterncafé und ein Elternabend geplant.

Bislang klappe die Integration der Flüchtlingskinder ganz gut, sagt Heike Lindner. Man habe glücklicherweise einen sehr einfühlsamen Dolmetscher gefunden, zu dem die Kinder sehr schnell Vertrauen aufbauen konnten. „Da sind die Gefühle teilweise auch schon übergelaufen, als die Kinder von ihren Sorgen und Problemen erzählt haben“, sagt die Leiterin der Einrichtung. Die Beziehungsarbeit sei auf jeden Fall das A und O. Der eine Teil der Mädchen und Buben aus den Flüchtlingsfamilien würde noch sehr schreckhaft reagieren, die anderen gingen den Kita-Alltag eher fordernd an. „Beides ist mit Vorsicht zu betrachten“, sagt Lindner. Aber die Kinder seien alle wohlerzogen. Trotz noch teilweise fehlenden sprachlichen Voraussetzungen seien die Kinder eine Bereicherung für die Einrichtung.

Zusätzlich 4,8 Millionen Euro für Flüchtlingskinder

Marion von Wartenberg hatte für Heike Lindner noch ein paar Tipps und Hinweise auf Budgettöpfe dabei. Fördermittel aus dem Programm „Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf“ (SPATZ) können abgerufen werden, wenn mindestens vier Kinder aus Flüchtlingsfamilien in der Kita sind. „Insgesamt stehen für die Jahre 2015 und 2016 zusätzlich 4,8 Millionen Euro speziell für Flüchtlingskinder und ihre Familien zur Verfügung“, sagt die Staatssekretärin. Die zusätzlichen Mittel sollen auch genutzt werden, um die Eltern nach und nach aktiv in den Kita-Alltag einzubeziehen. Dies soll etwa bei gemeinsamen Spielenachmittagen mit Kindern, Müttern und Vätern geschehen sowie durch den Aufbau von Sprachfördernetzen oder durch speziell in auf den Kindergartenalltag ausgerichteten Sprachangeboten.

Zudem biete die Landesregierung auch Beratung, Vorträge und Veranstaltungen zum Thema „Umgang mit traumatisierten Kindern“ an und dazu, wie die Mitarbeiter in den Einrichtungen richtig mit dieser psychischen Belastung umgehen können. „Wir wollen auch noch einmal in Stuttgart ein Forum zum Thema Flüchtlingsarbeit anbieten“, sagt von Wartenberg. Dabei gehe es um den Austausch von Erfahrungen und darum, zu hören, was vielleicht noch für die tägliche Arbeit an Hilfe benötigt werde.

Hilfe erhofft sich die Einrichtung Böhmerwald-/Linzer Straße auf jeden Fall in einem anderen Bereich der täglichen Arbeit. Der Übergang von der Kita in die Schule sei an einigen Stellen noch verbesserungswürdig, sagt Lindner. Da die benachbarte Hattenbühl-Grundschule noch keine Ganztagsschule ist, werden derzeit noch mehr als 180 Mädchen und Buben im Rahmen der Verlässlichen Grundschule betreut. Zudem kümmert sich der stark nachgefragte Hort der Einrichtung ab September zwischen 7 und 17 Uhr um 60 Kinder im Alter bis 14 Jahre. Alle Plätze im Hort sind belegt, sagt Lindner. Die Nachfrage sei sehr groß. Mehr Kinder könne man aber leider unter den räumlichen Voraussetzungen nicht aufnehmen.

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