Mit dem Körschkindergarten stand es im vergangenen Jahr auf der Kippe. Foto:  

Eltern in Stuttgart-Plieningen waren erleichtert, als die Stadt Stuttgart den Neubau des Körschkindergartens beschloss. Nun sieht es so aus, als könnte sich das Projekt zeitlich in die Länge ziehen.

Plieningen - Plieningens vielleicht streitbarste Mutter Melanie Hofmann sagt, dass sie den Zusagen des Jugendamts ohnehin nie getraut habe. Im vergangenen Jahr gründete Hofmann eine Elterninitiative, die gegen die von der Stadt angekündigte Schließung des Körschkindergartens auftrat. Der öffentliche Druck zeigte Wirkung. Statt Schließung entschied sich die Stadt für den Neubau der Plieninger Kita.

Doch dieser könnte später anstehen, als im vergangenen Jahr verkündet. Für Melanie Hofmann steht fest, dass das Jugendamt damit wortbrüchig ist. „Die Stadt hat immer betont, wie schlecht die Bausubstanz der Kita ist. Ich glaube, die Gelder sind nicht da, und die versenken jetzt das Ganze in die Schublade“, meint Hofmann.

Auch Gabriele Munk, Stadträtin von den Grünen, beunruhigt die neueste Wende in Sachen Körschkindergarten. „Die Hütte brennt in Plieningen. Hier ist die Not im Vergleich zu allen Stuttgarter Bezirken erwiesenermaßen am höchsten“, sagt sie.

Deshalb hat ihre Fraktion auch einen Antrag gestellt, in dem sie sich für den Neubau des Körschkindergartens einsetzt. Doch in den Haushaltsberatungen sind bisher nur Planungsmittel für das Vorhaben Kitaneubau vorgesehen. „Wir würden uns wünschen, dass die Stadt da schnell vorankommt“, sagt die Grünen-Stadträtin.

Bezirkschefin ist beunruhigt

Auch die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel zeigt sich besorgt, dass in diesem Doppelhaushalt nach Stand der Verhandlungen nur Mittel zur Planung des Neubaus zur Verfügung gestellt werden. „Das bedeutet, dass der Körschkindergarten erst nach 2020 gebaut werden kann“, sagt Lindel.

Heinrich Korn vom Jugendamt betont, dass die Stadt in Sachen Körschkindergarten nichts auf die lange Bank schieben will. „Es wäre verrückt, anzunehmen, dass wir Geld in die Planung investieren und später sagen, schauen wir mal, ob und wann wir das umsetzen“, sagt Korn. Die Eltern müssten sich keine Sorgen machen, betont er. „Am Ende gibt es eine Kita, in der zwei zusätzliche Gruppen Platz finden“, sagt Korn.

Jugendamt verteidigt Zeitplan

Gerade weil die Kita an der Körschstraße nicht nur neu gebaut, sondern auch vergrößert werden soll, dauere die Planung eben länger. „Außerdem ist es auch planerisch anspruchsvoll auf dem vorhandenen Gelände einen erweiterten Bau neu zu planen“, sagt Korn. Die Mutter Melanie Hofmann erstaunt die Argumentation des Jugendamts. Das Jugendamt habe stets von einer viergruppigen Kita gesprochen, meint sie. „Ich ging im vergangenen Jahr davon aus, dass das schon eingeplant ist. Dass der Prozess wegen der Erweiterung so lange dauern soll, verstehe ich nicht“, sagt die Plieninger Mutter.

Der CDU-Betreuungsstadtrat Carl-Christian Vetter betont, dass seine Partei sich in vielen Haushaltsanträgen mit den Grünen abstimmt. In diesem Fall gelte es aber, zunächst die Argumente gut abzuwägen. Auch er fände es wünschenswert, wenn der Körschkindergarten so schnell wie möglich neu gebaut wird. „Ich bin der Meinung, wir sollten das Ende der Verhandlungen abwarten, denn wir sind noch nicht in der finalen Phase“, sagt Vetter. Der CDU im Gemeinderat sei bewusst, dass Plieningen ein besonderes Defizit an Kitaplätzen aufweise. „Allerdings ist das Thema für Eltern überall in der Stadt dringlich“, sagt Vetter. Die Debatte darüber, wann der Neubau möglich ist, sollte aus Vetters Sicht also weiter geführt werden. „Auf jeden Fall ist es nicht so, dass die Grünen die Guten sind, die an Kitaplätze denken, und wir die Bösen, denen Straßen wichtig sind“, sagt er.

CDU will nicht der Böse sein

In der CDU scheint es Unbehagen darüber zu geben, dass die Grünen in Sachen Körschkindergarten vorgeprescht sind. Michael Wörner, Sprecher der CDU-Bezirksbeiratsfraktion, findet es unglücklich, dass Bezirksvorsteherin Andrea Lindel in einer E-Mail an die Stadträte dazu aufgerufen hat, sich dem Antrag der Grünen in Sachen Körschkindergarten anzuschließen. „Das sollte ein gemeinsames Projekt der Fraktionen sein, nicht etwas, bei dem andere den Grünen folgen. So wird das nichts“, sagt Wörner. Im Grundsatz sieht er die Sache ähnlich wie die grünen Stadträte. Um Plieningens Kitaplatznot zu lindern, sei es nötig, dass die Stadt so schnell wie möglich neu baue, fordert Wörner. Wie schnell so schnell wie möglich ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: