Die Eltern sind höchst unzufrieden mit dem Gang der Dinge. Foto: Holowiecki

Ein Kindergarten in Stuttgart-Heumaden wird im neuen Jahr möglicherweise seine Öffnungszeiten verkürzen – wegen Personalmangels. Eltern sind empört und machen dem Träger, der katholischen Kirche, Vorwürfe.

Heumaden - Andreas Schöppler ist berufstätig, seine Frau Caroline Backes-Schöppler ebenfalls. Das geht, weil der vierjährige Sohn tagsüber im Kindergarten betreut wird. „Man unterschreibt einen Betreuungsvertrag und dann einen Arbeitsvertrag“, stellt Caroline Backes-Schöppler, eine Gymnasiallehrerin, klar. Das Konstrukt wackelt nun jedoch. Denn der Kindergarten, den die katholische Kirchengemeinde Sankt Thomas Morus in Heumaden am Thymianweg betreibt, wird möglicherweise seine Öffnungszeiten verkürzen – wegen Personalmangels. Bis zu zwei Stunden weniger am Tag stehen im Raum. Laut dem Ehepaar Schöppler ist diese Info Anfang Dezember an die Familien der sechs U3- und 37 Ü3-Kinder gegangen. Starten soll die Regelung Anfang Februar.

Das Paar ist auf das Einkommen angewiesen

Die Aufregung ist groß. Florian Kühnles Söhne etwa, bald zwei und fünf, werde beide in Thomas Morus gehütet. „Wir sind doppelt betroffen. Wir haben ein ziemlich akutes Problem“, sagt er. Die Großeltern wohnen nicht am Ort, Florian Kühnles Frau hat im Juli erst wieder angefangen zu arbeiten und befindet sich in der Probezeit. Das Paar ist auf zwei Einkommen angewiesen. Schon jetzt sei die Situation „auf Kante genäht“. Dass die Kinder im schlimmsten Fall bald morgens eine halbe Stunde später betreut werden und nachmittags bereits um 14 Uhr statt um 15.30 Uhr abgeholt werden müssen, „tut uns richtig weh. Es belastet das Familienleben sehr“.

Nicole Höfle, die Sprecherin des katholischen Stadtdekanats, ist bemüht, die Aufregung zu beruhigen. Laut neuesten Informationen würden die Einschnitte doch nicht so stark ausfallen, „eventuell müssen wir gar nicht verkürzen“. Aktuell würden Gespräche mit Erzieherinnen geführt, die die Kita verlassen wollten. Laut Georg Kolb, dem zuständigen Fachbereichsleiter beim Dekanat, haben eine Voll- und eine Teilzeitkraft gekündigt. Nicole Höfle lässt durchblicken, dass es im Kita-Team offenbar zwischenmenschlich hakt, und berichtet von einem Mediationsprozess, der intern angestoßen worden sei, „es ist nicht so, dass wir untätig sind“.

Der Personalmangel sei lange bekannt gwesen

Genau hier scheint aber der Knackpunkt zu liegen. Die Schöpplers – Andreas Schöppler ist Elternvertreter – machen dem Träger Vorwürfe, das Thema Personal schleifen gelassen zu haben. „Der Personalmangel war lange bekannt“, betont Caroline Backes-Schöppler, ihr Mann kritisiert „festgehockte“ Strukturen. Auch beim Thema Suche nach Alternativen gehen die Darstellungen auseinander. Während Eltern berichten, dass der Träger „extrem unkooperativ“ sei, wird laut Nicole Höfle „momentan an vielen Enden gesucht“. Georg Kolb hält im Zweifelsfall eine Krabbelgruppe, betreut durch Eltern in Räumen der Kirchengemeinde, denkbar. Auch laufe aktuell eine Abfrage, an welchen Tagen eine Betreuung am dringendsten benötigt werde, um eine gangbare Lösung zu finden. Beide Dekanatsvertreter glauben an ein Kommunikationsproblem. „Dass bei den Eltern ein anderer Eindruck entsteht, ist bedauerlich“, sagt Höfle. Ihr sei aber bewusst, dass man den Familien viel zumute.

Fakt ist: Der Heumadener Kindergarten ist bei Weitem nicht allein vom Erziehermangel betroffen. In den knapp 70 Einrichtungen, die die katholische Kirche in Stuttgart betreibt, seien rund 30 Stellen offen. Laut Martin Thronberens, einem Sprecher der Stadtverwaltung, werden in Stuttgart insgesamt etwa 1700 Mitarbeiter zusätzlich benötigt, um den Rechtsanspruch zu erfüllen. Gelockt werden Fachkräfte unter anderem mit übertariflicher Bezahlung – auch bei der katholischen Kirche, betont Georg Kolb. Zudem habe man hier die Zahl der Ausbildungsplätze aufgestockt. Der Fachbereichsleiter sagt aber unumwunden: „Die Situation ist äußerst angespannt.“

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