In Ostfilderns Kinderbetreuung fehlen Kita-Plätze. Foto: Ines Rudel

Um die Vergabe von Kita-Plätzen gerecht zu gestalten, hat die Stadt Ostfildern 2025 ein Punktesystem eingeführt. Das wird nun nach den ersten Erfahrungen geändert.

Wegen des Fachkräftemangels fehlen in Ostfildern Plätze in den Kindertagesstätten. Dass der Rechtsanspruch für Kinder ab einem Jahr nicht erfüllt werden kann, belastet viele Familien. Um die Vergabe gerecht zu gestalten und Kriterien transparent zu machen, hat die Stadtverwaltung jetzt das Punktesystem für die Vergabe überarbeitet. Der Gemeinderat votierte einstimmig dafür. Bereits bei der Platzvergabe im April 2026 werden die neuen Kriterien angewendet.

 

Mit dem neuen Punktesystem soll das Verfahren gerechter werden. Seit Anfang 2025 gilt in Ostfildern ein trägerübergreifendes Punktevergabesystem. Das soll für Transparenz sorgen. Nach dem Praxistest zeigte sich, dass manche Familien benachteiligt werden. Ein Grund war die hohe Punktezahl für sogenannte Anschlussplätze. Kinder, die bereits eine Krippe oder Tagespflege besucht haben, erhielten bisher 220 Punkte und standen damit meist ganz oben auf den Wartelisten.

Familien, die ihr Kind bis zum Kindergarten selbst betreuen, hatten das Nachsehen. Künftig werden Anschlussplätze mit 150 Punkten bewertet. Für Vorschulkinder, die bisher mit 150 Punkten eingestuft wurden, steigt die Punktzahl auf 160. Neu hinzu kommt eine Bewertung für Kinder, die vor ihrem Umzug nach Ostfildern bereits eine Einrichtung besucht haben. Damit werden zugezogene Familien gleichberechtigt.

Für die Vergabe von Plätzen in der Kinderbetreuung gibt es ein Punktesystem. Foto: Ines Rudel

Auch die Bewertung von Geschwisterkindern wurde angepasst. Zwar gilt es weiter als pädagogisch sinnvoll, Geschwister in einer Einrichtung zu betreuen. Die bisherige Gewichtung von 50 Punkten führte jedoch zu Verzerrungen. Um Nachteile für andere Familien zu verringern, wird das Kriterium künftig nur noch mit zehn Punkten bewertet. Angehoben wird die Punktzahl für genehmigte Härtefallanträge. Die bisher vergebenen 50 Punkte reichten oft nicht aus, um einen Betreuungsplatz zu erhalten. Für Kinder aus belasteten Familiensituationen werden künftig 160 Punkte vergeben. Kinder, die mehrfach eine Absage auf einen Krippenplatz erhalten haben, starten beim Wechsel in die Kindergartenanmeldung bislang wieder bei null Punkten. Für die gibt es künftig zwischen 100 und 200 Punkte.

„Natürlich wird es auch bei diesem überarbeiteten System Unschärfen geben“, sagte Petra Hönschel-Gehrung (Freie Wähler). Sie fordert, das neue System im nächsten Jahr erneut auf den Prüfstand zu stellen. Wichtig ist ihrer Fraktion, dass ein Vorschulkind nun mehr Punkte erhält. „Genauso wichtig ist es für uns, dass Punkte für einen oder zwei Negativbescheide im U 3 Bereich mit in den Ü 3 Bereich genommen werden.“

„Transparenz und Gerechtigkeit „ verspricht sich Ulrike Berger-Kögler vom Punktesystem. Doch gibt die CDU-Stadträtin zu bedenken, dass auch das überarbeitete System nicht immer gerecht sei. „Was wir als gerecht empfinden, hängt von der eigenen Situation ab.“ Für sie ist bei dem System der Praxistest entscheidend.

Das große Ziel bleibt die Gewinnung von Fachpersonal

Das große Ziel bleibt für Stefanie Sekler-Dengler (SPD), neues Fachpersonal zu gewinnen. Durch einen „Mix von Maßnahmen“ hätten Nachbarkommunen das Problem weitgehend gelöst. „Mehr verfügbare Betreuungsplätze“ sind für sie entscheidend. Die Bepunktung von negativen Rückmeldungen für die U 3-Betreuung stellt Sekler-Dengler in Frage. Auch für Thorsten Hornung (Grüne) ist es wichtig, beim Vergabesystem nachzujustieren. Mit dem Punktesystem werde nachvollziehbar, wer einen Platz bekommt. Er hofft, „dass das System so gerechter wird.“