Die Große Kreisstadt richtet bis zum neuen Kindergartenjahr vier bis fünf weitere Gruppe ein – auch für Kleinkinder. Foto: Natalie Kanter

Die Stadt unterstützt die Katholiken bei der Sanierung des Musberger Sonnenkinderhauses. In der Tagespflege gibt es freie Plätze.

Leinfelden-Echterdingen - Nach längerer Diskussion haben die Fraktionen des Gemeinderates Anfang dieser Woche zwei Beschlüsse gefasst, die den Ausbau der Kinderbetreuung in der Großen Kreisstadt vorantreiben. Zum einen werden zum kommenden Kindergartenjahr vier bis fünf neue Gruppen im gesamten Stadtgebiet geschaffen – darunter auch Kleinkindgruppen. Und das, obwohl es in der Tagespflege derzeit freie Plätze gibt, wie Stadträtin Judith Skudelny, bekannt gab. Eine Tagesmutter hat dies unserer Zeitung auch so bestätigt.

Die FDP-Stadträtin sagte: „Auf der einen Seite stoßen wir bei den Kitas an Grenzen und auf der anderen Seite haben wir freie Kapazitäten in der Tagespflege.“ Das passe nicht zueinander. Und: „Wir sollten die Tagespflege als einen wichtigen Partner bei der Kinderbetreuung hoch halten.“ Offenbar ist eine neue Broschüre über die Arbeit der Tagesmütter und -väter in der Mache. Diese aber wird wohl seit einem Dreivierteljahr nicht fertig. Dazu sagte Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell: „Wir haben kein Interesse daran, die Tagespflege nicht zu fördern. Die Eltern aber scheinen die Betreuung in Einrichtungen zu bevorzugen.“

Von Seiten einer Tagesmutter ist derweil zu hören, dass teilweise kommuniziert werde, dass man nur dann einen Platz in der Wunscheinrichtung bekomme, wenn man sein Kind dort möglichst gleich anmelde. Zudem würden manche Eltern die Tagespflege schlichtweg nicht kennen, weil zu wenig dafür geworben werde.

Aber zurück zum Kita-Ausbau: Noch kommt die Stadt ohne eigene Neubauten aus. Allerdings hat Oberbürgermeister Roland Klenk in der Sitzung erneut ein größeres Investitionspaket angekündigt. Details dazu nannte er nicht. Der Ball liege mittlerweile bei der Bauverwaltung. Was ihm den Einwurf von SPD-Fraktionsvorsitzenden Erich Klauser einbrachte: „Wir werden nicht drumherum kommen, endlich darüber zu reden, was wir in der Zukunft haben wollen. Und zwar noch in ihrer laufenden Amtszeit“, sagte er. Will heißen die Verwaltung und der Gemeinderat müssen endlich klare Prioritäten setzen.

Bereits jetzt wird die Stadt der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul aber bei der Sanierung und dem Umbau des ehemaligen Sonnenkinderhauses in Musberg unter die Arme greifen und dabei den Löwenanteil der Kosten tragen – nämlich 1,6 Millionen Euro. Auch dazu sagte der Gemeinderat am Dienstagabend mehrheitlich Ja – wenn auch mit Enthaltungen und Gegenstimmen. Unter anderem hatte FW-Stadtrat Ralf Bauer die aus seiner Sicht zu hoch veranschlagten Kosten kritisiert.

Hans Huber, der dienstälteste Stadtrat von L.-E. und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, nutzte erneut die Gelegenheit, seine ganz persönliche Sichtweise zum Thema Kleinkindbetreuung in die Öffentlichkeit zu tragen. Er sagte unter anderem: „Kleinkinder brauchen Bindung, Geborgenheit und eine Bezugsperson.“ In der Kita aber würden sie zum einen den Trennungsschmerz von der Mutter erfahren, hinzu komme eine hohe Lärmbelästigung. Die Kinder würden dort zudem im wahren Wortsinn einfach abgelegt. Auch einen Vergleich mit der Massentierhaltung ließ er nicht aus. Die Betreuung von Kleinkindern in der Kita sei alles andere als modern. Und Huber sagte: „Wir legen hier Zeitbomben, die Jahre später hochgehen werden.“

Judith Skudelny reagierte prompt: „Herr Huber: Die Zeit hat sich weitergedreht“, sagte sie. Und: „Wir haben in L.-E. verantwortungsvolle, schlaue Eltern.“ Und was für diese Familien richtig oder falsch sei, entscheiden die Eltern selbst und nicht ein einzelner Stadtrat.

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