Korntal-Münchingen hat nicht für alle Kinder einen Kitaplatz. Foto: dpa

Die Zahl der Kinder wächst in Korntal-Münchingen schneller als die Zahl der Betreuungsplätze und Erzieher. Die Stadt muss gegensteuern – ansonsten droht das Kitasystem im nächsten Jahr zusammenzubrechen.

Korntal-Münchingen - Angesichts immer mehr Kindern in Korntal-Münchingen steht das Kitasystem der Kommune von 2019 an vor dem „Kollabieren“ – es sei denn, die Stadt steuere dagegen, indem sie zum Beispiel mehr Betreuungsplätze schafft. So drastisch beschreibt Jörg Henschke, der stellvertretende Fachbereichsleiter für Kinder und Jugend, die Situation der Kinderbetreuung.

In Korntal-Münchingen hat binnen eines Jahres die Zahl der Kinder zwischen null und sechs Jahren um 53 zugenommen auf 1232 (Stand: September 2017). In Korntal waren es 29 Kinder mehr als 2016, in Münchingen 22 und in Kallenberg zwei. Weil 25 Kinder im Jahr 2016 aus Münchingen fortgezogen sind, leben dort nun wieder fast genauso viele Kinder wie 2015.

Neue Baugebiete, mehr Flüchtlinge

Die aktuellen Zahlen seien „Anlass zu großer Sorge. Die vorhandene Kita-Infrastruktur reicht nicht aus, um die Zahl der Kinder angemessen zu betreuen“, sagt Jörg Henschke. „Noch dramatischer“ sei der Blick in die Zukunft: Aufgrund neuer Baugebiete und der Aufnahme von Flüchtlingen wächst die Bevölkerung in den nächsten Jahren weiter. Insgesamt gibt es dieses Jahr 844 Betreuungsplätze für Kinder von null bis sechs Jahren, davon 707 für über Dreijährige. Rund 108 Aufnahmeanträge gingen für Krippenplätze ein. 2018 werden in den bestehenden Einrichtungen aber nur 56 Plätze frei.

In Korntal fehlen für Drei- bis Sechsjährige 43 Plätze, um eine Vollversorgung zu gewährleisten. 389 Plätze wären nötig, es stehen aber nur 346 zur Verfügung – obwohl die Kita Goerdelerstraße schon erweitert wurde. „Perspektivisch haben wir von 2019 an drei Kindergartengruppen zu wenig“, sagt Jörg Henschke.

„Gerade noch angemessen“ nennt er die Betreuungssituation in Münchingen. Für über Dreijährige fehlen für eine Vollversorgung 19 Plätze. Den Bedarf könne von 2020 an die geplante Erweiterung der Sportkita auffangen. Jedoch werden laut Prognosen in den nächsten drei Jahren in Münchingen bis zu 190 Wohneinheiten hinzukommen – was zu einer steigenden Nachfrage nach Kitaplätzen führt. Deshalb soll die Planung in der Sportkita angepasst werden.

Personalengpass bleibt

In Kallenberg ist die Platzversorgung „gerade so“ gesichert, sagt Jörg Henschke. Reserven für weitere Kinder seien nicht vorhanden. Für eine Vollversorgung sind 50 Plätze nötig, vier mehr als vorhanden.

Doch selbst wenn es genug Betreuungsplätze gäbe – der Personalengpass bleibt. Erzieher hätten auf dem Markt die freie Auswahl, sagt Jörg Henschke. Daher ist die Fluktuation hoch, mit Kündigungen muss er täglich rechnen. Die eine Erzieherin findet eine besser bezahlte oder unbefristete Stelle, die andere einen Job näher am Wohnort. Umso schwerer ist es dann, kranke Mitarbeiter zu ersetzen, vor allem im Schichtbetrieb. Dieser ist nötig, wenn Kitas beispielsweise von 7 bis 17 Uhr öffnen, um den Bedürfnissen der Eltern gerecht zu werden. Die zum 1. Januar 1,5 unbesetzten von insgesamt rund 70 Stellen sind also nur eine Momentaufnahme. „Wenn überhaupt gewinnen wir nur über Mund-zu-Mund-Propaganda Personal“, sagt Jörg Henschke.

Um zumindest die Personalengpässe zeitnah etwas abzufedern, hat der Gemeinderat grünes Licht für eine „Vertretungs-Poolstelle“ gegeben. Der neue Mitarbeiter soll von April an dort einspringen, wo es klemmt. Jörg Henschke muss sie oder ihn aber erst noch finden.

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