Stattdessen wird in Köngen die kostenpflichtige Schulkindbetreuung beibehalten – einig war sich der Gemeinderat darüber allerdings nicht.
Es bleibt, wie es ist: Wer in Köngen für seine Kinder eine Betreuung außerhalb der Grundschulzeiten benötigt, muss weiterhin den Geldbeutel zücken. Dem Beschluss in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gingen allerdings gleich zwei Anträge inklusive hitziger Diskussionen voraus – bei der SPD-Fraktion und den Grünen gab es großen Widerstand.
Der Hintergrund: Mit dem neuen Rechtsanspruch, der vom Schuljahr 2026/27 an mit den Erstklässlern eingeführt wird, könnte die Köngener Mörike-Grundschule in eine Ganztagsschule (GT) umgewandelt werden. Entweder in verpflichtender Form oder in Wahlform. Vorteil für die Eltern: Die Betreuung wäre kostenlos. In der Wahlform könnten allerdings nur die GT-Kinder an den Betreuungsangeboten außerhalb der Unterrichtszeiten teilnehmen. Die Ganztagsangebote sollen durch zusätzliche Lehrerstunden vom Land abgedeckt werden.
Das kostenpflichtige Modell punktet mit Flexibilität
Allerdings sind Kinder, die eine Ganztagsschule besuchen, schulpflichtig, sprich: Zu den Unterrichts- und Betreuungszeiten besteht Anwesenheitspflicht. Anders bei der Schulkindbetreuung (SKB), die es in Köngen schon lange gibt: Sie ist tageweise buchbar und punktet mit hoher Flexibilität, ist aber kostenpflichtig. Um ein Stimmungsbild zu erhalten, hat die Gemeinde bereits im Februar zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Anwesend waren allerdings nur etwa 80 Personen – ihr Voting war damals indes eindeutig: Sie zogen eine höhere Flexibilität einem kostenlosen Angebot klar vor.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerhard Gorzellik stellte nun in der Aprilsitzung des Gemeinderats den Antrag, die endgültige Beschlussfassung nochmals zu vertagen, da die Datenlage nicht ausreiche und keine Notwendigkeit eines Beschlusses bestehe. Sehr zum Unmut des Köngener Bürgermeisters Ronald Scholz: „Es ist uns ein Anliegen Rechts- und Planungssicherheit herzustellen“, sagte der Verwaltungschef.
Mittlerweile hätten sich 85 Prozent der betroffenen Eltern für die etablierte SKB ausgesprochen, viele hätten sich erst nach der Infoveranstaltung bei der Gemeinde gemeldet. Scholz machte auch keinen Hehl daraus, dass die Verwaltung eine klare Präferenz für die SKB habe: „Das Modell funktioniert gut.“ Zudem gebe es bei dem von Bund und Land beschlossenen Rechtsanspruch wenig Planungssicherheit für die Kommunen – sowohl hinsichtlich der Finanzierung als auch bei der personellen Ausstattung. Letztlich wurde der SPD-Antrag, die Entscheidung zu vertagen, mehrheitlich mit den Stimmen der CDU und den Freien Wählern abgeschmettert.
Kritiker halten die Informationen für verzerrt
Auch ein weiterer Antrag, diesmal gemeinsam von SPD und Grünen, beschäftigte sich mit dem Thema. Um ein genaueres Stimmungsbild zu erhalten, sollten die betroffenen Eltern per Umfrage nochmals befragt werden, lautete die Forderung. „Dieser Infoabend war nicht seriös“, bemängelte Andreas Lorenz (Grüne). Dabei sei ein wenig schmeichelhaftes „Zerrbild“ der Ganztagsschule gezeichnet worden. Es sei etwa gesagt worden, dass GT-Schüler keine Freizeit mehr für private Tätigkeit etwa in Sport- und Musikvereinen mehr hätten.
Zudem sei die finanzielle Belastung durch die kostenpflichtige SKB nicht familienfreundlich: Für ein Kind kämen im Laufe der gesamten Grundschulzeit 7000 Euro zusammen, bei zwei Kindern würden 11000 Euro fällig. „Es geht bei der Entscheidung nicht um uns, sondern um die Familien. Deswegen bitten wir darum, erst alle Eltern zu befragen, welche Betreuungsform sie sich wirklich wünschen“, erklärte Lorenz.
Der Bürgermeister wehrte sich vehement gegen den Vorwurf der Unseriosität: Es sei neben dem Informationsabend auch über den Elternbeirat, diverse Whats-App-Gruppen und viele persönliche Gespräche das klare Bild entstanden, dass das Gros der Köngener Eltern bei der etablierten SKB bleiben will. „Es ist aber auch klar, dass wir mit dieser Lösung keine absolute Gerechtigkeit und Zufriedenheit herstellen können, sondern nur einen Rahmen, in dem sich möglichst viele Menschen wohlfühlen“, sagte Scholz.
Im Verlauf der Diskussion stellte er aber in Aussicht, dass die Verwaltung bereit sei, bei sozialen Härtefällen zusätzlich finanzielle Steuerungselemente zu installieren: „Wir sind grundsätzlich bereit, über alles nachzudenken. Den Beschluss dazu muss aber der Gemeinderat fassen.“ Letztlich entschied der Rat mehrheitlich, dass in Köngen am Modell der kostenpflichtigen Schulkindbetreuung festgehalten wird – die Fraktionen von SPD und Grünen enthielten sich geschlossen der Abstimmung.