Große Baustelle: Die Kita im Haus der Gemeinde in der Hälde soll im September in Betrieb gehen. Foto: factum/Weise

In Hemmingen gibt es zu wenige Kita-Plätze, mahnt ein Gutachter. Er empfiehlt, rasch weitere Gruppen zu schaffen. In der Hälde kommen Kleinkinder in Wohnungen unter.

Hemmingen - Die Expertise kam sozusagen in letzter Minute. Der Geograf Johannes Feifel, Geschäftsführer der Beratungsfirma Pangeo aus Stuttgart, analysierte im Auftrag der Gemeindeverwaltung die Kinderzahlen und die Kinderbetreuung in Hemmingen – und er rät dringend, neue Einrichtungen zu schaffen. Der Gemeinderat beschloss am Dienstagabend, den Empfehlungen zu folgen: Drei Wohnungen in einem Neubau der Gemeinde im Gebiet Hälde werden für neue Kitagruppen für Kleinkinder verwendet. Das ist am schnellsten zu machen.

Fast 100 Babys im Jahr

In Hemmingen gibt es deutlich mehr Babys als noch vor drei Jahren vom selben Gutachter prognostiziert. 2015 wurden für 2017 noch 74 Neugeborene vorhergesagt – tatsächlich wurden es 98. Doch es sind nicht nur mehr ganz kleine Hemminger, es sind auch mehr Kleinkinder als angenommen: 73 Zwei- und Dreijährige werde es, so Pangeo 2015, zwei Jahre später in Hemmingen geben. Es wurden 92. In anderen Altersgruppen ist es ähnlich.

Dafür gibt es drei Gründe: Junge Frauen bekommen wieder mehr Kinder als noch vor einigen Jahren – das ist in ganz Deutschland so. Hemmingen hat dazu 500 neue Einwohner und liegt jetzt bei mehr als 8000 Menschen, und im Neubaugebiet Hälde ziehen immer mehr Familien ein.

All dies bemerkt die Gemeindeverwaltung seit einiger Zeit, die Folge davon: Die fünf vorhandenen Kitas mit ihren 18 Gruppen sind allesamt überbelegt. Auch die Plätze in der noch nicht eröffneten Einrichtung in der Hälde seien reserviert, hieß es. In dem Haus, das die Gemeinde baut, sollte ursprünglich im Erdgeschoss eine Kita entstehen, diese im Mai 2018 in Betrieb gehen. Wegen Verzögerungen können die Kinder erst im September kommen. Im Haus entstehen parallel zur Kita drei Wohnungen, welche die Gemeinde verkaufen wollte. Zwei Interessenten gebe es schon, bemerkte der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU). Diese Wohnungen rückten nun in den Mittelpunkt des Interesses.

Vier neue Gruppen in fünf Jahren

Denn die Kita Hälde werde für den gestiegenen Bedarf mit Sicherheit nicht reichen, so Johannes Feifel. Der Gutachter rechnet damit, dass in einem Jahr eine bis zwei neue Kitagruppen benötigt werden, 2020 noch eine, und bis zum Juli 2023 nochmals eine. Der Gutachter riet dazu, die drei Wohnungen nicht zu verkaufen – man könne sie rasch für die Betreuung von Kleinkindern nutzen. Die Gemeindeverwaltung hat den Rat beherzigt und dem Gemeinderat empfohlen, die drei Wohnungen als Kindernest oder Kinderkrippe zu nutzen.

Den Interessenten wird man nach dem einstimmigen Beschluss des Gremiums mitteilen, dass die Gemeinde die Flächen selbst braucht – Verkaufsverträge sind noch keine geschlossen worden.

Längerfristig soll dann noch in der Laurentiusstraße eine neue Kita mit vier Gruppen entstehen. Das Ziel sei nach wie vor, so Schäfer, die Kita im alten Feuerwehrhaus in der Seestraße „irgendwann zu ersetzen“.

Die Schätzung von 2015 sei zaghaft gewesen, merkte Wolfgang Stehmer (SPD) an; und es sei ein Fehler gewesen, die Planung der Kita Laurentiusstraße hinauszuschieben. „Wir haben es immer geschafft, den Bedarf zu decken“, meinte Walter Bauer (CDU). „Wir werden es auch künftig schaffen.“ Die Entwicklung der Geburtenquote sei sehr positiv, sagte Jörg Haspel (Freie Wähler). Das Problem sei nur, dass die Gemeinde bezahlen müsse, wovon der Staat insgesamt profitiere.

Bedenken an der Idee, die drei Wohnungen umzuwidmen, äußerte einzig Wolfgang Gerlach, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. Mögliche Container als Provisorien hatten aber bereits die anderen Fraktionen abgelehnt – und der Rathauschef mahnte, man solle rasch zu einer Entscheidung kommen. Die gab es dann auch.

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