Eltern von Kindergartenkindern müssen ab kommendem Jahr tiefer in die Tasche greifen: Der Heimsheimer Gemeinderat beschließt höhere Elternbeiträge für die Betreuung im Kindergarten und in der Krippe. Der Bedarf an Ganztagesbetreuung kann wegen fehlenden Personals nur teilweise gedeckt werden.
Es wäre fast noch teurer geworden: Die Gebühren für das städtische Krippen- und Kindergartenangebot steigen ab Januar 2025 um fünf bis zehn Prozent. Dies hat der Gemeinderat jetzt beschlossen. Eigentlich hatte die Verwaltung eine neue Gebührensatzung vorgelegt, die im Bereich der unter Dreijährigen (U3) eine Erhöhung um 15 Prozent vorsah. Doch die SPD-Gemeinderätin Doro Moritz fand mit ihrem Antrag einer Deckelung auf lediglich zehn Prozent eine Mehrheit im Gremium.
Grundsätzlich war man sich im Gemeinderat einig, dass bei steigenden Kosten, etwa durch Tariferhöhungen beim Betreuungspersonal, die Gebühren für die Eltern ebenfalls steigen müssen. Der Kämmerer Johannes Schaber rechnete vor, dass die Stadt schon im Jahr 2022 ein Defizit von 2,7 Millionen für die Kinderbetreuung aus dem städtischen Haushalt finanzieren musste. Rund 4,4 Millionen Gesamtausgaben standen 1,7 Millionen Gesamteinnahmen gegenüber, davon 475 000 Euro an Elternbeiträgen. Diese entsprechen einem Deckungsgrad von 10,81 Prozent an den Gesamtkosten. Die kommunalen Landesverbände streben einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent an. Sie haben für das Jahr 2024/25 eine Erhöhung der Elternbeiträge um 7,5 und für das Folgejahr um 7,3 Prozent empfohlen.
Die Kosten sollen weiter steigen
Von 20 Prozent bleibt Heimsheim insgesamt betrachtet weit entfernt. Durch die vorgeschlagene Erhöhung würde die Stadt etwa 60 000 Euro mehr an Gebühren einnehmen. Die in diesem Jahr erzielten Tariferhöhungen für das Fachpersonal, gerechnet mit 56,03 besetzten Erzieherstellen, belaufen sich auf Mehrkosten von 240 000 Euro. Die Stadt hat sich bei den Gebühren für die Betreuung der Ü3-Kinder mit Erhöhungen zwischen fünf und neun Prozent an den Empfehlungen der Landesverbände orientiert. Deutlich unter den Empfehlungen der Landesverbände bleibt die Stadt bei der U3-Betreuung. Mit der jetzt beschlossenen Deckelung auf zehn Prozent mehr wird der künftige Beitrag noch deutlich darunter liegen. „Werden wir die Kostendeckung durch die Eltern von 20 Prozent jemals erreichen?“ fragte Michael Teichmann (Freie Wählervereinigung).
Die SPD-Rätin Hannah Hensler brachte die wegen des Personalmangels immer wieder notwendig werdende Notbetreuung in den Kitas zur Sprache. Sie forderte, dass ab zehn Tagen Notbetreuung innerhalb von vier Wochen die Eltern die Hälfte der Beiträge zurückerhalten sollten. Michael Teichmann forderte dies bereits ab fünf Tagen Notbetreuung. Der Bürgermeister Jürgen Troll forderte die Räte auf, sich auf einen Antrag zu einigen, damit darüber beraten werden könne.
Die ewige Suche nach Personal
Die Leiterin des Amtes für Bildung und Soziales, Klara-Sophie Schüßler, legte dem Gremium die jährliche Bedarfsplanung für die Kindertageseinrichtungen vor. In der Summe gebe es für alle Kinder ausreichend Betreuungsplätze und keine Wartelisten. Ein wichtiger Schwerpunkt liege auf Personalgewinnung und Qualifizierung. Die kommunalen Einrichtungen mit rund 120 Beschäftigten bieten bis zu 272 Kindergartenplätze und bis zu 52 Krippenplätze mit unterschiedlichen Zeitmodellen an. Der Bedarf an Ganztagesbetreuung könne allerdings wegen fehlenden Personals nur teilweise gedeckt werden – was von Elternseite immer wieder kritisiert wird. Die städtischen Einrichtungen werden ergänzt durch den privaten Waldkindergarten mit 30 und dem Tagesmütterverein mit bis zu zwölf Plätzen. An der Grundschule können bis zu 80 Kinder in verschiedenen Modulen betreut werden. Die Diskussion im Gremium kreiste rasch um das Thema Personal. Die CDU hatte kurzfristig per Antrag gefordert, konkrete Zahlen dazu bekommen, die die Amtsleiterin aber zur Sitzung nicht vorlegen konnte. Auch Michael Teichmann erhielt keine konkrete Antwort auf die Frage, wie viele Fachkräfte aktuell fehlten. Man hätte doch die Personalzahlen gleich einarbeiten können, meinte er. Schüßler erklärte, dass Bedarfsplanung und Personalplanung inhaltlich nicht das gleiche seien.
Die Bedarfsplanung macht auch deutlich, dass in einigen Einrichtungen bauliche Maßnahmen und Sanierungsarbeiten nötig werden. So sei etwa der Kindergarten Bloßenberg „mittelfristig abgängig“. Wegen der baulichen Zustände sei hier ein Neubau wirtschaftlicher als eine Kernsanierung.