Verlässliche Betreuungszeiten sind für die Eltern wichtig, um Familie und Beruf in Einklang bringen zu können. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die Ganztagsbetreuung für Kinder ist in vielen Einrichtungen verkürzt – ein riesiges Problem für Eltern. Plochingen will mehr Gleichbehandlung schaffen und stößt dabei nicht nur auf Gegenliebe. Auch der Zeitpunkt der Debatte spielt eine Rolle.

Etwa 50 Eltern füllten den Sitzungssaal im Plochinger Rathaus, als der Verwaltungsausschuss jüngst sowohl über die Gebühren als auch über die Öffnungszeiten der Kitas beriet. Von Januar an werden demzufolge die Ganztagszeiten in den drei städtischen Kinderhäusern angeglichen.

 

Im vergangenen Jahr waren die Wellen hochgeschlagen, als die Stadt die Betreuung im Kinderhaus Bismarckstraße von 17 Uhr auf 13 Uhr verkürzte. Mittlerweile wurde wieder bis 15 Uhr verlängert. Aber die möglichen Ganztagszeiten in den Kinderhäusern weichen voneinander ab, sie liegen zwischen 38,5 und 46 Stunden. Zudem gerate die Situation in den beiden Häusern in der Beethovenstraße und am Johanniterpark „zunehmend ins Schwanken“, so die Stadtverwaltung. Für die Mitarbeiterinnen bedeute das eine enorme Belastung, verbunden mit hohem Krankenstand. Den Eltern fehle Verlässlichkeit und sie würden ungleich behandelt.

Elternbeiratsvorsitzende steht hinter dem Modell

Das sehen auch die Leitungen der drei städtischen Ganztagskitas so, die das neue Zeitmodell als Vorschlag ausgearbeitet haben. Sie halten es für realistisch, montags bis donnerstags bis 16 Uhr und freitags bis 13 Uhr zu öffnen. Für das Kinderhaus Bismarckstraße bedeutet das eine Stunde Verlängerung täglich, für die beiden anderen eine Stunde Verkürzung. Insgesamt habe man durchgängig 42 Wochenstunden in den städtischen Häusern und damit immer noch etwas mehr als die kirchlichen Träger, wie Uwe Bürk, der Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales, anmerkt.

Anne Broge steht als Elternbeiratsvorsitzende im Kinderhaus Bismarckstraße hinter dem Modell, das neben der Verbesserung für „ihre“ Eltern auch mehr Fairness und die Chance auf Stabilität biete. So blieben den anderen vielleicht die starken Kürzungen erspart, die für Familien im Kinderhaus Bismarckstraße gravierende Folgen gehabt hätten – bis hin zum zwangsläufigen Jobwechsel von Müttern. Dort, wo jetzt die Zeit gekürzt wird, sind die Eltern weniger glücklich und werfen der Stadt unter anderem vor, dass sie nicht genug für die Personalgewinnung tue: So sei am Tag der Sitzung keine einzige Stelle für die betroffenen Einrichtungen auf der Internetseite der Stadt ausgeschrieben gewesen.

Personalnot ist der Knackpunkt

Auch dass die Stadt mit dem vorgeschlagenen Modell rechnerisch drei Personalstellen einspart, wird kritisiert. Das habe gar keine finanziellen Auswirkungen, sagt Bürk, weil man diese Mitarbeiterinnen ohnehin nicht habe: „Wir sparen da nichts, weil wir gar keine Chance haben, das Geld auszugeben.“ Damit kann die Stadt aber eher die geforderte Besetzung erreichen, denn sonst muss sie wieder Zeiten kürzen. Das ist beispielsweise in Wendlingen in acht Ganztagsgruppen geschehen, „aufgrund des nicht mehr vorhandenen Mindestpersonalschlüssels nach Betriebserlaubnis“.

Die Personalnot ist der Knackpunkt, egal, wo man hinschaut. „Wenn Stellen frei werden, können wir die nicht besetzen“, sagt Brigitte Düring, zuständig für Bildung und Betreuung in Wernau. Gerade die Stellen in der Ganztagsbetreuung seien unbeliebt. In Wernau habe man zwar offiziell noch ein Angebot mit 50 Stunden, aber das müsse immer wieder gekürzt werden. Selbst bei den verlängerten Öffnungszeiten bis 13 Uhr sei es schon eng geworden. „Wir sind natürlich bemüht, auf die ursprünglichen Öffnungszeiten zurückzugehen“, so Düring, aber man könne kein Personal herzaubern.

Bürgermeister: Kommunikationsleistung nicht zu erbringen

Das Hin und Her bei den Zeiten ist auch für die Eltern keine gute Situation. „Wir müssen eine Linie finden“, sagt Plochingens Bürgermeister Frank Buß. Was jetzt vom Ausschuss beschlossen wurde, soll von Januar 2025 an greifen und vorab mit den Elternbeiräten noch im Detail besprochen werden. Dass man die Eltern schon früher hätte einbeziehen sollen, wie immer wieder gefordert wird, hält der Bürgermeister bei 700 Betreuungsplätzen nicht für realistisch: „Das ist eine Kommunikationsleistung, die wir nicht bringen können.“ Selbst wenn man es könnte, hätte man danach eine Wünschesammlung, aber noch keine Lösung, so Buß.

Öl ins Feuer gegossen hat in Plochingen, dass in derselben Sitzung eine Erhöhung der Kitagebühren beschlossen wurde. Mit 7,5 Prozent im kommenden Kindergartenjahr und 7,3 Prozent im darauffolgenden übernimmt die Stadt die Empfehlung der kommunalen Spitzenverbände, wie die meisten Gemeinden im Umland auch. Das ist durchaus üblich, stieß den Eltern aber angesichts der parallel geführten Diskussion um die Öffnungszeiten sauer auf. Trotzdem hat der Ausschuss beiden Tagesordnungspunkten mehrheitlich zugestimmt.

So ist die Lage in anderen Gemeinden

Ostfildern
In Ostfildern liegt der Umfang der Ganztagesbetreuung seit Januar 2024 in der Regel bei 40 Stunden. Theoretisch ist eine Zubuchung von weiteren fünf Stunden möglich, kann aber in vielen Einrichtungen nicht angeboten werden. Einige besonders stark vom Personalmangel betroffene Häuser unterschreiten auch 40 Stunden.

Wendlingen
In Wendlingen sind derzeit in vier städtischen Einrichtungen die Betreuungszeiten von 45 auf 35 Stunden reduziert. Zum neuen Kindergartenjahr werde man ebenfalls mit reduzierten Zeiten starten, „um verlässlich zu sein“, sagt Alexandra Korr, Leiterin der Abteilung Bildung und Betreuung.

Deizisau
Seit Januar sind die Zeiten der Ganztagsbetreuung bei zwei von vier Kinderhäusern eingeschränkt. Im neuen Kindergartenjahr bleibt das so: die Kita Alte Schule bietet dann gar keine Ganztagsbetreuung mehr an, die Arche Noah nur noch an maximal vier Tagen. Wer fünf ganze Tage braucht, kann sein Kind in einer der beiden anderen Kitas anmelden beziehungsweise dorthin wechseln.

Reichenbach
An der Fils ist die Lage besser als in den meisten Gemeinden. „Wir sind im Moment noch bei unseren seitherigen Zeiten“, bestätigt die stellvertretende Hauptamtsleiterin Sabine Weidenbacher-Richter. Sie umfassen bis zu 46,5 Stunden. Wie schwierig es ist, Personal zu gewinnen, weiß man aber auch hier.