Mara Rossberg hat schlussendlich noch einen Kitaplatz für Sohn Louis gefunden. Foto: Sabrina Höbel

Der Weg zu Bachelor oder Master ist nicht leicht. Daneben noch ein Kind großzuziehen grenzt an eine Meisterleistung. Von vielen Seiten kommt Hilfe, doch nicht alle können diese auch in Anspruch nehmen.

Vaihingen - Das erste, was man hört, wenn man das Kinderhaus Pfaffenwald betritt, sind die Stimmen der 20 Kinder, die dort betreut werden. Gerade ist Singkreis, die Kleinen stimmen das Begrüßungslied an. Ein Morgen wie in vielen anderen Kindertagesstätten. Eine Besonderheit hat die Kita auf dem Unicampus Vaihingen allerdings: Dort werden nur Kinder von Studierenden und Mitarbeitern der Universität betreut. Das Kinderhaus Pfaffenwald ist eine von sieben Kitas in Stuttgart mit einer Gruppe, die ausschließlich an Studierende gerichtet ist. Um Vorlesungen, das Lernen und den Nachwuchs unter einen Hut zu bringen, helfen die Hochschulen und Studierendenwerke den jungen Eltern. Teilweise organisieren sie sich auch selber.

Die Universität Stuttgart, Hohenheim und die Hochschule der Medien halten das Zertifikat als familiengerechte Hochschule inne. Das ist wichtig, denn laut dem deutschen Studentenwerk haben fünf Prozent der Studierenden in Deutschland ein Kind. Bei den etwa 28 000 eingeschriebenen Studenten der Universität Stuttgart wären das alleine 1400 Mütter und Väter. Die Uni wirbt mit ihrem Familiencampus, verteilt über das Gelände finden sich unter anderem mehrere Stillzimmer und Spielplätze sowie Beratungsangebote.

Die Schwangerschaft hat sich aufs Studium niedergeschlagen

Dass Studium und Elternschaft zeitgleich zu meistern nicht einfach ist, weiß auch Mara Rossberg. Die 22-Jährige studiert Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien. Ende des dritten Semesters wurde ihr Sohn Louis geboren. Die Schwangerschaft war nicht geplant. „Das war natürlich ein Schock für mich“, sagt die Studentin. „Anfangs hat sich die Nachricht auch aufs Studium niedergeschlagen.“ Mit der Zeit lernte Rossberg aber, die Schwangerschaft zu akzeptieren. „Eine Prüfung habe ich hochschwanger geschrieben“, erinnert sie sich. „Das war sogar eine meiner besten.“

Die junge Frau wohnt momentan in Vaihingen. Gerne hätte sie Sohn Louis, der mittlerweile zwei Jahre alt ist, auch nahe am Wohnort in einer Kita untergebracht. Einen Betreuungsplatz zu finden sei aber nicht einfach. Wartelisten von zwei Jahren sind keine Seltenheit. „Es vergeht keine Woche, wo bei uns keine Anfrage hereinflattert“, sagt auch Elena Klein, die Leiterin des Kinderhauses Pfaffenwald. Das liegt auch an der studienfreundlichen Ausrichtung der Häuser. „Wir richten unsere Öffnungszeiten an den Vorlesungsplänen und unsere Ferien an den Semesterferien aus“, sagt Klein. Trotzdem sei ihr wichtig, die Eltern nicht vorrangig als Studierende, sondern als Mütter und Väter zu behandeln.

Pendler haben das Nachsehen

Der Träger des Kinderhauses Pfaffenwald ist das Studierendenwerk Stuttgart, deshalb zahlen die Eltern, die noch studieren auch einen Sondertarif. 240 Euro statt dem Regelbeitrag von 360 Euro kostet die Betreuung, die fünf Tage die Woche stattfindet. Hinzu kommen noch 42 Euro Essensgeld. Insgesamt fünf Kitas betreibt das Studierendenwerk in Stuttgart, zwei davon in Vaihingen. Das Kinderhaus Pfaffenwald ist insofern besonders, als dass es eine Gruppe für Kinder von Studierenden und eine für die der Mitarbeiter der Universität gibt. „Das bildet eine Ausnahme“, sagt Simone Hübener, die Sprecherin des Studierendenwerks Stuttgart. „Unser Angebot richtet sich in erster Linie an Studierende mit Kindern.“

Das Studierendenwerk erweitert stetig. „Wir haben unser Angebot in den letzten Jahren deutlich ausgebaut“, sagt Hübener. So seien aktuell 155 Plätze im Angebot. 2013 waren es noch 105. Trotzdem finden nicht alle Studierenden gleich einen Platz für den Nachwuchs. Das Nachsehen haben Studenten, die pendeln. Voraussetzung für einen Platz in den Studentenkitas ist nämlich ein Wohnsitz in Stuttgart. Wer beispielsweise aus Göppingen zur Uni fährt, hat keinen Anspruch.

Der Bedarf an Betreuung an der Hochschule der Medien sei vergleichsweise gering, wie Alexandra Rambacher, die Beauftragte für Chancengleichheit, sagt. „Das liegt vermutlich daran, dass wir eine eher kleine Hochschule sind“, sagt Rambacher. Rund 4500 Studenten sind derzeit eingeschrieben. Deswegen habe man auch keine Belegplätze oder ähnliches eingekauft. Es gelten allerdings einige Sonderregelungen, die Studierenden mit Kind Sonderrechte einräumen. So können Eltern zum Beispiel Wiederholungsprüfungen um bis zu zwei Semester schieben. Die Mütter und Väter der Hochschule organisieren sich zusätzlich selbst in einer Facebook-Gruppe.

Wer keinen Platz findet, kommt auf die Warteliste

Für Mitarbeiter der Universität spielt der Wohnort keine Rolle bei der Vergabe der Kitaplätze. „Gut so, denn 50 Prozent unserer Mitarbeiter wohnen gar nicht in Stuttgart“, sagt Inken de Wit. Sie ist die Leiterin des Services Uni und Familie an der Universität Stuttgart. Für die Beschäftigten habe man Belegplätze in Kitas eingekauft. „Die Plätze sind sehr begehrt“, so de Wit. Wer keinen Platz mehr findet, wird auf die Warteliste gesetzt. „Wir leiten die Eltern dann weiter an die städtischen Kitas“, ergänzt sie. Früher oder später finde fast jeder eine Kitaplatz, der dann aber vielleicht nicht direkt um die Ecke ist.

So war es auch bei Mara Rossberg. Sie hat ihren Sohn schlussendlich in der Kita Villa Mio in der Stadtmitte untergebracht. „Ein Kind während des Studiums zu kriegen schränkt einen extrem ein“, sagt die Studentin. Mittlerweile ist sie im achten Semester, ein Jahr lang musste sie wegen ihres Kindes an der Uni aussetzen und kann immer noch fast nur nachts lernen. Diesen Sommer möchte die Studentin ihren Bachelor schreiben. Ob das klappt, ist noch nicht sicher. Denn auch das habe sie die Schwangerschaft im Studium gelehrt: „Es kommt am Ende eh immer anders als man denkt.“

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