Kinderbetreuung Die Stadt muss improvisieren

Von Natalie Kanter 

Die Plane flattert im Frühlingswind. Ansonsten bewegt sich auf der Baustelle des Kinderhauses  Waldhorn derzeit nicht viel. Foto: Natalie Kanter
Die Plane flattert im Frühlingswind. Ansonsten bewegt sich auf der Baustelle des Kinderhauses Waldhorn derzeit nicht viel. Foto: Natalie Kanter

Die Fertigstellung der Kita Waldhorn im Herzen von Echterdingen verzögert sich wegen einer insolventen Firma weiter.

Leinfelden-Echterdingen - Dieser Tagesordnungspunkt hatte es in sich. Die aktuelle Prognose zur Kinderbetreuung in L.-E. entpuppte sich für manche Stadträte des Sozialausschusses als „Überraschungspaket“, wie es Christdemokratin Ilona Koch am Dienstagabend formulierte. Die Stadtverwaltung muss derweil in den nächsten Monaten ordentlich Improvisationstalent beweisen. Schließlich soll es auch künftig keine Wartelisten geben, wie Bürgermeister Alexander Ludwig verkündete.

Die Verwaltung steht zum einen vor dem Problem, dass der Neubau des Kinderhauses Waldhorn nicht rechtzeitig zum neuen Kindergartenjahr fertig wird. Die Stadt als Bauherr hat es, wie zu erfahren war, in einem Gewerk mit einer insolventen Firma zu tun. Der Baufortschritt ist ins Stocken geraten. „Wir bemühen uns, eine Lösung bis Jahresende hinzubekommen“, sagte Manfred Kern, der Leiter des Amtes für Schulen, Jugend und Vereine in der Sitzung.

Damit rückt die Kita, die an der Ecke Waldhornstraße/Kapellenweg in Echterdingen entsteht, erneut in die Schlagzeilen. Es hatte dort, wie berichtet, Schwierigkeiten mit der Rohbaufirma gegeben. Das hatte zu einer ersten Zeitverzögerung geführt. Die Stadt hatte sich dann von dem zunächst beauftragten Architekten getrennt.

Das Kinderhaus sollte eigentlich bereits im Frühjahr eröffnet werden, nun wird auch aus dem neu anvisierten Termin nach den Sommerferien nichts. Übergangslösungen werden länger dauern müssen, als geplant. Im Mehrzweckraum des katholischen Kindergarten St. Michael ist beispielsweise gerade jene Gruppe untergebracht, die vom Herbst an eigentlich in der neuen Kita Platz finden sollte. Auch die Kinder des Waldorfkindergartens, dessen künftiges Domizil ebenfalls das Kinderhaus im Herzen von Echterdingen ist, müssen bis auf Weiteres in der Stettener Haldenschule toben. Die Verwaltung verhandelt in beiden Fällen mit dem Landesjugendamt. Die jeweilige Betriebserlaubnis muss verlängert werden. Die Kleinkindgruppe des Vereins soll nun zunächst im alten Gebäude des Stettener Fröbelkindergartens unterkommen.

Die zweite Herausforderung für die Stadtverwaltung ist, dass der Bedarf an Kindergarten- und Kleinkindplätzen weiter steigt. Es müssen bereits zum neuen Kindergartenjahr im gesamten Stadtgebiet mindestens vier weitere Gruppen geschaffen werden. In Echterdingen werden deshalb derzeit Gespräche mit Vermietern von Räumen geführt. Alternativ könnte ein Container am Kinderhaus Gärtlesäcker aufgestellt werden. In Leinfelden soll ein Raum der Schönbuchschule belegt werden – was für Diskussionsstoff unter Eltern sorgte. Aus genau dieser Ecke sind der Verwaltung nun aber auch ein paar Kitaplatz-Absagen ins Haus geflattert. Nun muss die Situation dort neu beleuchtet werden.

Im Paul-Maar-Kindergarten soll Platz für eine zweite Kleinkindgruppe geschaffen werden. Im alten Fröbelkindergarten soll neben den Kleinkindern des Waldorfkindergartens eine weitere Gruppe für unter Dreijährige unterkommen.

Achteinhalb Stellen sollen insgesamt geschaffen werden. Auf die Stadt kommen damit allein in diesem Jahr noch 169 000 Euro an zusätzlichen Personalkosten zu. Diese sollen aus der Deckungsreserve genommen werden, also jenem Topf, der für Unvorhersehbares zur Verfügung steht.

Weil die Reserve der Stadt immer weiter schrumpft, wollten die Freien Wähler am Dienstag eigentlich geschlossen gegen die Verwaltungsvorlage stimmen. Eberhard Wächter sprach von einem „Dammbruch bei den Stellenzuwächsen“. Dann aber machte OB Roland Klenk dem Ausschuss klar, dass jedes Kind zwischen einem und sechs Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz hat. Und dass den Stadträten damit kaum ein Entscheidungsspielraum bleibe.

Barbara Sinner-Bartels (SPD) lobte das Engagement der Stadt. Dennoch fragte sie: „Woher bekommen wir die Erzieherinnen und Erzieher?“ Amtsleiter Kern räumte daraufhin ein, dass es bereits jetzt Personalengpässe in den Einrichtungen gebe. Er ist dennoch zuversichtlich, fündig zu werden. Aktuell laufen Vorstellungsgespräche beim Personalamt. Auf den Fildern habe man sich zudem verständig, sich die Fachkräfte nicht gegenseitig abzuwerben.

Am Ende fiel das Votum des Ausschusses doch einstimmig aus. Das letzte Wort hat allerdings das Vollgremium des Gemeinderats. Und zwar am Dienstag, 28. April im Bürgersaal der Zehntscheuer.

Lesen Sie jetzt