Die Ritterburg muss zum Spielen erst einmal erklommen werden. Der Vierjährigen, der sich in Superman verwandeln lässt, kann sie dann im Flug einnehmen. Foto: Sybille Neth

Die Kindersuite mit Sitz im Gerber füllt eine Lücke bei der Kinderbetreuung: Eltern, die außerplanmäßig etwas zu erledigen haben, finden hier einen verlässlichen Babysitter auch samstags und bis um 20 Uhr.

Stuttgart - Eltern kennen das aus dem schwedischen Möbelhaus: „Der kleine Simon will aus dem Kinderparadies abgeholt werden.“ Auch in Stuttgart bietet ein großes Kaufhaus die Betreuung der Kleinen während des Einkaufs an. Jetzt gibt es im Gerber einen ähnlichen und doch ganz anders konzipierten Service: Die Kindersuite mit Sitz im Erdgeschoss der Mall. Sie steht allen Kinder offen, egal ob die Eltern im Gerber einkaufen oder nicht.

Die Erzieherin Andjelka Lehmann, die bereits drei private Kindertagesstätten gegründet hat, und ihre Schwester Sania Freiland füllen damit eine Lücke bei der flexiblen Kinderbetreuung, die Eltern hilft, wenn es klemmt. Zum Beispiel, wenn der Termin beim Facharzt nur zu kriegen ist, wenn die Kita oder die Schule zu haben oder wenn Eltern mit eigenem Unternehmen außerplanmäßig eine geschäftliche Besprechung haben.

Der Vierjährige langweilt sich im Cafe

„Wenn mein Mann und ich samstags einkaufen gehen, wollen wir gerne auch noch in Ruhe einen Kaffee trinken“, sagt Maria Will. Ihre kleine Tochter mit eineinhalb Jahren ist dann zwar dabei, weil sie für die Kindersuite noch zu klein ist, Sohn Max aber will mit seinen vier Jahren Action und langweilt sich mit den Eltern. „Er kommt sogar lieber hierher als in den Kindergarten“, verrät seine Mutter. Bei seinem zweiten Besuch schlüpft er in das Superman-Kostüm und lässt sich von einer der Erzieherinnen mit Schminke in den Comic-Helden verwandeln. Es gefällt ihm, dass er hier viel Aufmerksamkeit findet.

Alle Kinder können spontan kommen

Insgesamt arbeiten fünf Erzieherinnen in der Kindersuite, die täglich – auch samstags – von 9.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet hat. Die Räume, in denen zuvor Gewürze, Olivenöl und Süßigkeiten verkauft wurden, haben die beiden Betreiberinnen in ein helles Kinderzimmer mit vielen Japanballons, mit einer begehbaren Ritterburg, einem Kleiderständer mit Kostümen, einem Kaufladen sowie Basteltischen und Regalen voller Spiele verwandelt. Und wer müde ist, findet in einer Höhle seine Ruhe. Obwohl die Mischung der kleinen Gäste nicht vorhersehbar ist, greift bisher die Gruppendynamik, berichtet Sania Freiland. „Totalverweigerer hatten wir noch nie.“ Allerdings legen die Erzieherinnen Wert darauf, dass beim ersten Aufenthalt eine Eingewöhnungszeit einkalkuliert wird. Bis zu zwölf Kinder im Alter zwischen zwei und neun Jahren betreuen Lehmann und ihr Team gleichzeitig. „Die Kinder können spontan kommen“, sagt die Leiterin. Sie bittet aber darum, dass bei vorhersehbaren Terminen das Kind angemeldet wird.

Jeder Wochentag hat ein anderes Motto

„Wir wollen jetzt einen Online-Buchungskalender einrichten“, kündigt sie an. So können sich Eltern rechtzeitig die Betreuung sichern und Andjelka Lehmann kann besser koordinieren, denn sie bietet in der Kindersuite an den verschiedenen Wochentagen eine Art Kursprogramm an: Inlinerfahren, Selbstverteidigung, Yoga, Singkreis, besondere Maltechniken oder Kochen. Die Eltern bezahlen dafür zwölf Euro pro Stunde, inklusive Snack und Getränk für das Kind. Wer im Gerber einkaufen war und über 50 Euro ausgegeben hat, zahlt die Hälfte. Für eine Mehrfach-Stundenkarte, gibt es ebenfalls Rabatt.

Ähnliches Angebot in London

„Wir hatten uns verschiedene Objekte angeschaut“, berichtet Lehmann. Dass die Kindersuite schließlich im Gerber eingezogen ist, lag an den günstigen Konditionen. „Wir hatten Angebote, bei denen wir einen Mietvertrag über zehn Jahre hätten unterschreiben müssen oder deren Umgestaltung zu teuer gewesen wäre“, erzählt die Kindersuite-Erfinderin. Vorbilder hatte sie keine. Die beiden Schwestern gingen bei der Gestaltung des Angebots von den alltäglichen Bedürfnissen der Familien aus.

Tatsächlich gibt es ähnliche Betreuungsmodelle im Ausland, zum Beispiel in London. Meta Hoarau hat mit ihren beiden Kindern Luna und Henry fünf Jahre dort gelebt und kennt derartige Einrichtungen aus der britischen Hauptstadt. „Dort ist das verknüpft mit einem Wellness-Bereich für die Eltern und einem Café“, erzählt sie. Jetzt ist die alleinerziehende Mutter nach Stuttgart zurück gekehrt und ist dabei, sich selbstständig zu machen. Ihre Kinder besuchen die Ganztagsschule, dennoch ist sie dankbar für die Kindersuite, weil sie auch nach 16 Uhr hin und wieder einen beruflichen Termin wahrnehmen muss.

Zur Sicherheit der Kinder werden bei der Anmeldung wichtige Daten aufgenommen und das Abholen ist genau geregelt.

Für die Sicherheit ist gesorgt

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