Die Kirchengemeinden im Kirchenbezirk kochen bei der Kindergartenverwaltung weiter ihr eigenes Süppchen – der geplante Zusammenschluss ist vorerst gescheitert. Foto: dpa

Beim Versuch, die Pfarrer von der Kindergarten-Bürokratie zu entlasten, stellen sich einzelne Kirchengemeinden quer. Deshalb wird es vorerst nichts mit der gewünschten Zentralverwaltung, der Starttermin 2016 ist vom Tisch.

Filder - Bei der Leitung ihrer Kindergärten kocht auf den Fildern auch weiter jede evangelische Kirchengemeinde ihr eigenes Süppchen. Das ist die Botschaft aus dem gescheiterten Versuch, zumindest die in kirchlicher Regie geführten Einrichtungen unter einem organisatorischen Dach zu vereinen – und mit einer gemeinsamen Struktur die von der ungeliebten Verwaltungsarbeit zu entlasten.

Doch aus dem ins Auge gefassten Starttermin zum Jahreswechsel 2016 wird definitiv nichts, weil die meisten Kirchengemeinden die Verantwortung für die Kindergartenarbeit zumindest vorerst nicht aus der Hand geben wollen – und wohl auch die Kosten für den Aufbau der neuen Struktur scheuen. Unterm Strich wäre nur ein knappes Drittel der insgesamt 64 evangelischen Hortgruppen auf den Fildern bei dem geplanten Schulterschluss im Kindergartenbereich dabei – zu wenig, um im Kirchenbezirk weiter ernsthaft über die Verwaltungsfusion nachzudenken.

Interne Arbeitsgruppe hatte zwei Jahre lang gegrübelt

„Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es ein Jahr später doch noch klappt. Aber der anvisierte Start 2016 ist durch die Entscheidung der örtlichen Kirchengemeinden endgültig vom Tisch“, sagt der Plattenhardter Pfarrer Andreas Streich. Der Seelsorger leitete eine interne Arbeitsgruppe, die sich seit gut zwei Jahren mit der Frage befasst hat, wie Geistliche im Kirchenbezirk auf ihrer Pfarrstelle wieder mehr Luft bekommen, sich den Sorgen und Nöten ihrer Gemeindemitglieder zu widmen. Durch den stark gestiegenen Verwaltungsaufwand für die Kindergärten fühlen sich die Seelsorger ihren eigentliche Aufgabe zunehmend entfremdet.

„Die Bürokratie blockiert uns, wir sind ja auch nicht als Verwaltungsfachleute ausgebildet“, gibt Andreas Streich zu. Als Pfarrer muss sich der Plattenhardter Geistliche mit der Biostoffverordnung aber ebenso abmühen wie mit der Arbeitssicherheit im Kindergarten. Die Landesbauordnung muss der Gottesmann ebenso im Blick haben wie Hygienevorschriften beim Mittagstisch im Hort oder die leidigen Belegungsfragen. Denn von den Trägern der Tageseinrichtungen wird verlangt, dass sie auch Bescheid über die Vorschriften abseits der pädagogischen Betreuung wissen „In der Praxis ist es eben so, dass uns auch Fördermittel durch die Lappen gehen, weil wir Pfarrer alles eben nebenher erledigen müssen“, berichtet er.

Die neue Struktur hätte die Kirchen auch viel Geld gekostet

Bereits vor Jahren wurde im Kirchenbezirk Bernhausen deshalb eine Servicestelle eingerichtet, die den Seelsorgern bei der Kindergarten-Aufsicht beratend unter die Arme greift. „Der Schritt war richtig und gut, aber er ging nicht weit genug“, sagt Christoph Killgus, seit März 2014 amtierender Vorsitzender der Bezirkssynode. Das lokale Kirchenparlament machte im Frühsommer deshalb den Weg für die nächste Stufe frei – und bot den einzelnen Gemeinden eine Übernahme der Trägerschaft durch den Kirchenbezirk an. In der zentralen Verwaltung sollte nicht nur das pädagogische Personal unterkommen, die Beschäftigten hätten sich auch um die speziellen Fachfragen der Kindergarten-Bürokratie gekümmert.

Allerdings: Kostenlos wäre die neue Struktur für die Kirchengemeinden nicht zu haben gewesen. Auch die geplante Zentralverwaltung benötigt Personal, gerechnet wurde mit fünf Vollzeitstellen. Obwohl die Städte Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt sich offen zeigten und die neue Struktur mit einem jährlichen Zuschuss von 500 Euro pro Gruppe unterstützen wollten, hätte die Entlastung von Pfarrer, Sekretariat und Kirchenpflegern sich etwa in Bernhausen bei vier Kindergartengruppen mit jährlichen Mehrkosten von gut 11 000 Euro im Budget niedergeschlagen.

Statt der geforderten Hälfte beteiligte sich nur ein Drittel

Die Umlage hätte sich reduziert, je mehr Kirchengemeinden mit im Boot sind. Zur Voraussetzung für den Start machte die Bezirkssynode allerdings, dass mindestens die Hälfte der Kindergartengruppen auch beteiligt ist. Dieses Quorum aber wurde nicht erreicht – unter anderem, weil sich Echterdingen mit alleine acht Gruppen querstellte. „Es ist bisher doch alles gut gegangen, weshalb sollen wir da jetzt Macht aus der Hand geben und Mehrkosten in Kauf nehmen“, weiß Pfarrer Streich um die Hintergründe für den lokalen Widerstand.

Er will trotz des Scheiterns einen neuen Anlauf wagen. Denn für den Geistlichen ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das Modell durchsetzt. „Vor zwei Jahren waren wir noch die Vorreiter, jetzt werden wir von anderen Kirchenbezirken eben überholt“, sagt er. Und auch in der katholischen Kirche gebe es im Kindergartenbereich längst ortsübergreifende Verwaltungseinheiten.

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