Kinder- und Jugendhospiz in Stuttgart Im Dezember füllt sich das Haus

Von Barbara Czimmer 

Geschwungene Wege führen zu den Familienapartments, im Haupthaus haben die Kinder und Jugendlichen freundlich eingerichtete Zimmer. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Geschwungene Wege führen zu den Familienapartments, im Haupthaus haben die Kinder und Jugendlichen freundlich eingerichtete Zimmer. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Es hat Millionen gekostet und steht jetzt stolz da: Das Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart ist vollendet, am 17. November wird das Wunschprojekt mit Gottesdiensten und Tagen der offenen Tür eingeweiht.

Stuttgart - Bielefeld, Hamburg, Berlin, bis dorthin mussten Familien reisen, wenn sie ein Hospiz für ihre Tochter oder ihren Sohn gebraucht haben. Noch in diesem Jahr gibt es hier in Stuttgart Hilfe: In der ersten Dezemberwoche ziehen die ersten sechs Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen drei und 23 Jahren ins Kinder -und Jugendhospiz Stuttgart ein.

„Wir hoffen, dass wir die Herausforderung gut bewältigen, dass alles gut harmoniert“, sagt die Pflegedienstleiterin Michaela Müller. Das Hospiz, eingerichtet in der zwei Jahre lang sanierten und modernisierten Villa Wittmann in der Diemershaldenstraße 7–11, ist auf die Besucher gut vorbereitet. „Wir können bis zu acht Kinder von Null bis 26 Jahren aufnehmen, zwei Elternapartments stehen bei Bedarf zur Verfügung, und in jedem Kinderzimmer können Eltern ebenfalls übernachten“, so Michaela Müller weiter. Darüber hinaus habe man zwei Eltern-Kind-Apartments eingerichtet, damit Eltern bei Bedarf „ganz nah bei ihrem Kind sein können“.

Das Team ist komplett

Bei der gut besuchten Eröffnungspressekonferenz am Dienstag betonte Dekan Eckart Schultz-Berg aber: „Wir eröffnen ein Haus des Lebens, wir werden Menschen, die teils noch sechs, acht Jahre zu leben haben, sowie ihren Familien eine Heimat geben und ihnen einen Moment zum Durchschnaufen schenken.“

Das Kinder- und Jugendhospiz ist das erste in Südwestdeutschland, die nächstgelegenen findet man im Allgäu bei Memmingen oder in der Rheinpfalz bei Speyer. Seit November steht das Team: 21 Vollzeitstellen für Pflegefachkräfte, fast vier Stellen fürs pädagogische und drei fürs Hauswirtschaftliche Team sind besetzt worden, ein Sekretariat ist eingerichtet und ein Hausmeister kümmert sich um die Immobilie und um die Technik. Lediglich auf Honorarbasis werden Physio- und Kunsttherapeutinnen je nach Bedarf engagiert.

Darüber hinaus „brauchen wir viele Ehrenamtlichen, die sind Humus für unsere Hospizarbeit“, sagt Pfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch. 65 Freiwillige seien bereits gewonnen worden. Mittlerweile gebe es 26 Anfragen. Manche wollten sich erst mal nur übers Wochenende mit der neuen Einrichtung vertraut machen, andere das Weihnachtsfest noch zu Hause verbringen.

Insgesamt 28 Aufenthaltstage pro Jahr finanzieren die Krankenkassen, allerdings können diese auch auf mehrere Besuche gesplittet werden. Der Urbanität wegen und in Anbetracht des eng zusammengewachsenen Ballungsraums „nehmen wir auch Kinder allein auf, sodass Eltern ihren normalen Alltag haben und morgens oder abends zu Besuch kommen können“, sagt der Dekan.

4,2 Millionen Spenden machen’s möglich

Acht Jahre sind vergangen seit der Beschlussfassung zu diesem Elf-Millionen-Euro-Projekt. Am 20. Juni 2012 hatte der Förderverein Hospiz die Villa in der Nähe des Eugensplatzes für 3,2 Millionen Euro gekauft und dem Hospiz Stuttgart überlassen. Die Sanierung und Modernisierung durch die Stuttgarter Architekten Rolf Mühleisen sowie die pflegerisch angemessene Ausstattung der Zimmer und Bäder, der Einbau der Aufzüge und des Bewegungsbads haben 9,7 Millionen Euro gekostet. Eine weitere Million ist in Innenausstattung, Therapieräume, Elternapartments geflossen.

„Die Idee war so zugkräftig, dass die Finanzen nicht an erster Stelle standen vor acht Jahren“, sagt Kirchenpfleger Hermann Beck rückblickend. „Wir waren überzeugt und motiviert", so Martin Klumpp, Prälat i. R. Der Lohn sind Spenden in Höhe von 4,2 Millionen Euro. Laut Beck tragen die Krankenkassen nur einen Teil der laufenden Kosten, jährlich entstehe ein Abmangel von bis zu 800 000 Euro. „Wir gehen dieses Risiko trotzdem ein im Vertrauen darauf, dass uns die Gesellschaft trägt“, sagt Kirchenpfleger Hermann Beck.

Am 17. November wird erst einmal gefeiert: Mit einem Eröffnungsgottesdienst in St. Konrad um 15 Uhr, mit der Schlüsselübergabe in der Diemershalde um 16 Uhr und Hausbesichtigung um 18 Uhr. Am Samstag, 18. November, 10 bis 18 Uhr, und am Sonntag, 19. November, 11.30 bis 18 Uhr, finden Tage der offenen Tür statt mit Kreativangeboten, Breakdanc und Talkrunde.

Lesen Sie jetzt