Clemens Kullmann vom Jugendhaus, Berthold Schymura von der RTK und die Sozialarbeiterin Hiba Dawod (von links) haben das Projekt gemeinsam ins Leben gerufen. Foto: Alexandra Kratz

Ausländische Frauen lernen an drei Vormittagen im Kinder- und Jugendhaus die deutsche Kultur besser kennen.

Fasanenhof - Hiba Dawod hat syrische Wurzeln. Die 26-Jährige kam vor Jahren nach Deutschland und lebte einige Zeit in einer Flüchtlingsunterkunft. Sie kann nachvollziehen, was die Menschen empfinden, die derzeit in der Hoffnung auf ein Leben in Frieden und Freiheit nach Deutschland kommen. Und für viele ist sie eine Hoffnungsträgerin, der Beweis dafür, dass Integration funktionieren kann.

Dawod ist Sozialarbeiterin und bietet im Kinder- und Jugendhaus Fasanenhof ein „interkulturelles Training für Arabisch sprechende Frauen“ an. Hinter dem etwas sperrigen Begriff verbergen sich drei Vormittage, an denen Frauen mit Migrationshintergrund Fragen zu den deutschen und schwäbischen Eigenheiten stellen können.

Den Spieß umgedreht

„Es gibt viele interkulturelle Trainings für Fachkräfte in Deutschland, für Sozialarbeiter, Erzieher und andere Berufsgruppen. Aber es gibt kaum Angebote für Flüchtlinge“, sagt Dawod. Sie hat den Spieß umgedreht. Die Arabisch sprechenden Frauen sollen die deutsche Kultur kennenlernen .„Wir wollen den Frauen Ideen an die Hand geben, wie das Leben in Deutschland läuft“, sagt Berthold Schymura. Er arbeitet für die Stiftung Jugendhilfe aktiv und ist der Vorsitzende der regionalen Trägerkonferenz (RTK), einem Zusammenschluss der verschiedenen sozialen Institutionen im Stadtbezirk. Die RTK, das Jugendhaus und die Caritas haben das Projekt gemeinsam ins Leben gerufen.

„Je mehr die Menschen, die zu uns kommen, über das Leben in Deutschland wissen, desto weniger kapseln sie sich ab“, meint Schymura. Die Frauen übernehmen dabei eine Art Multiplikatorenrolle, sie geben das Gelernte weiter. „Denn hinter den Frauen stehen die Familien“, sagt Clemens Kullman, der Leiter des Jugendhauses. Oft seien es Kleinigkeiten, die zu Missverständnissen zwischen den Kulturen führen, ergänzt Dawod. Das Händeschütteln ist da das klassische Beispiel. In Deutschland eine Selbstverständlichkeit, ist es in den arabischen Ländern unüblich. Zumindest nicht zwischen den Geschlechtern. „Das ist eine Frage des Respekts. Ein Mann möchte einer Frau nicht zu nahe treten“, sagt die Sozialarbeiterin.

Es gibt keine Alternative

Solche und andere Themen hat sie beim ersten Treffen mit den Frauen Anfang Juli besprochen. Zu dem Termin kamen zwölf Gäste. Bei der zweiten Veranstaltung sind es deutlich weniger, weil es einen Wechsel in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Fasanenhof gab. Esma Ahmad, Rima Assa und Hanadi Alsafadi sind wieder dabei. Sie sind aus Syrien geflohen und leben derzeit in den Systembauten an der Landhauskreuzung.

Die Frauen freuen sich über das Angebot, die deutsche Kultur besser kennenzulernen. Es sei wichtig, diese Informationen zu bekommen, sagt Esma Ahmad auf Arabisch, Dawod übersetzt. Esma Ahmad betont: „Es gibt keine Alternative, wir können nicht zurück. Und wenn wir hier bleiben wollen, dann müssen wir uns anpassen.“ Die Mutter von fünf Kindern macht aber auch deutlich, dass sie ihre eigenen Lebensvorstellungen nicht aufgeben will. Ihre Kultur sei das Einzige, was ihr geblieben sei.

An diesem Vormittag wird aber vor allem der Wunsch nach einer Arbeit deutlich. Derzeit seien sie zum Nichtstun verurteilt, was eine psychische Belastung sei, sagt Hanadi Alsafadi. Und so geht es für die Frauen im Kinder- und Jugendhaus nicht ausschließlich darum, die deutsche Kultur kennenzulernen. Für sie ist es auch wichtig, sich mit jemanden auszutauschen, der die selben Erfahrungen gemacht hat wie sie; sie wollen gehört und verstanden werden.

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