Um ein Kinder- und Familienzentrum zu werden und zusätzliches Geld zu erhalten, fehlen der Kindertagesstätte an der Ottmarsheimer Straße in Stammheim ausreichend Mädchen und Buben mit Bonuscard. Foto: Archiv Chris Lederer

Die Kita an der Ottmarsheimer Straße in Stammheim ist aus dem Förderprogramm der Kinder- und Familienzentren gefallen. Die Einrichtung verliert deshalb 10 000 Euro jährlich.

Stuttgart-Stammheim - In Stuttgart leben knapp 32 000 Kinder im Alter bis sechs Jahre (Stand: 31. Dezember 2013). 14,5 Prozent der Mädchen und Buben in dieser Altersgruppe leben von Sozialgeld. Damit sie trotz finanzieller Einschränkungen am kulturellen und sozialen Leben in der Stadt teilnehmen können, erhalten sie die sogenannte Bonuscard, mit der sie einige Vergünstigungen bekommen. Beispielsweise ist der Besuch einer Kindertagesstätte kostenlos.

„Es gibt viele Einrichtungen in Stuttgart, die einen hohen Anteil an Kindern mit Bonuscard haben“, sagt Uli Simon vom Jugendamt. Einige Kitas sind deshalb zu einem Kinder- und Familienzentrum (Kifaz) ausgebaut worden. „Ziel ist es, die Kinder und Familien aus einem eher bildungsfernen Milieu zu fördern“, sagt Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer. „Die intensiven Fördermöglichkeiten von Kindern in den Kinder- und Familienzentren unter Einbezug ihrer Familien tragen mit dazu bei, die Bildungsgerechtigkeit für Kinder in Stuttgart zu erhöhen.“

Um eine Kifaz werden zu können, muss der Anteil der Kinder mit Bonuscard in der Einrichtung bei mindestens 30 Prozent liegen und mindestens auch 30 Mädchen und Buben betreffen. Aktuell sind acht städtische und kirchliche Einrichtungen zur Kifaz ausgebaut worden. Sie erhalten eine jährliche Fördersumme in Höhe von 40 000 oder 80 000 Euro. Darüber hinaus befinden sich 15 Tagesstätten in der Startphase. Sie bekommen jährlich 10 000 Euro.

Kita Löwensteiner Straße in Rot mit dabei

Die einzige schon bestehende Kifaz im Stuttgarter Norden ist die Tageseinrichtung für Kinder an der Pforzheimer/Landauer Straße in Weilimdorf. Zum Stichtag, dem 1. März dieses Jahres, betrug der Anteil von Kindern mit Bonuscard in der Einrichtung 62 Prozent. „Wir verstehen uns als Anlauf- und Begegnungsstätte für Familien aus dem Stadtteil“, heißt es im Jahresbericht der Kifaz. Es gebe ein Begegnungscafé, Beratungsangebote für Eltern und jede Menge andere Programmpunkte wie zum Beispiel Elternnachmittage, Deutschkurse oder Vater-Kind-Tage.

Ab nächstem Jahr soll auch die Kita an der Löwensteiner Straße in Rot zur Kifaz werden. Nicht mehr dabei sein wird dann allerdings die Einrichtung an der Ottmarsheimer Straße in Stammheim. Zum Stichtag 1. März dieses Jahres betrug der Anteil von Kindern mit Bonuscard nur noch 23 Prozent, sagt Uli Simon. Aktuell seien es 26. „Ich finde es trotzdem nicht richtig, dass diese Kita aus der Startphase herausgenommen wird“, betonte SPD-Stadträtin Judith Vowinkel am Montag im Jugendhilfeausschuss des Gemeinderats. In den kommenden Wochen werde an der Ottmarsheimer Straße eine zweite Kita eingeweiht, und außerdem dann werden dort in unmittelbarer Nähe dazu auch noch drei Unterkünfte für insgesamt bis zu 243 Flüchtlinge gebaut. „Hier geht es aber um Gleichbehandlung“, sagt Daniela Hörner vom Jugendamt und verweist auf die Richtlinien. Und Uli Simon ergänzt: „Wir können keine Lex Ottmarsheimer Straße schaffen. Die Einrichtung hat eines der beiden Hauptkriterien nicht erfüllt.“ Es tue ihm leid, weil es unbestritten sei, dass in der Einrichtung hervorragende Arbeit geleistet werde. Seit 2012 ist die Kita Ottmarsheimer Straße in der Kifaz-Starterphase, die eigentlich nur ein Jahr hätte andauern sollen. Dank der bisher zur Verfügung gestellten 10 000 Euro pro Jahr hat die Kita unter anderem eine Kunsttherapeutin einstellen können, die eine offene Kunstwerkstatt für Kinder und Eltern angeboten hat. Eigentlich hat man an der Ottmarsheimer Straße gehofft, künftig mehr, statt weniger Geld zu bekommen. Mit einem höheren Zuschuss war geplant, weitere Angebote für die Familien durchführen zu können. Besuche in Museen, gemeinsames Kochen und andere Freizeitbeschäftigungen waren denkbar. „Dazu brauchen wir personelle Ressourcen und ein Budget zur Finanzierung der Angebote“, heißt es im Jahresbericht der Einrichtung.

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