„Mindestens“ 36 Euro kostet ein Verstoß gegen die Parkbedingungen auf dem Kimry-Platz, heißt es auf dem Schild. Foto: Simon Granville

Ein Kennzeichenscanner soll am Kimry-Platz in Kornwestheim dafür sorgen, dass die Parkplätze nicht missbräuchlich genutzt werden. Warum nun ein Großeinkauf zum Problem wurde.

Eine Jacke für die Tochter, Weihnachtskarten für Oma und ein Berg von Lebensmitteln. Dass der Großeinkauf für ihre Familie am Kimry-Platz nicht billig werden würde, wusste die Kornwestheimerin Vanessa Seiter schon vorher. Dass sie jedoch nicht nur die Besorgungen teuer zu stehen kommen würden, hat die 40-Jährige nicht geahnt. Denn für das Parken auf dem Kundenparkplatz hat die vierfache Mutter eine saftige Strafgebühr von über 40 Euro kassiert. Zu Unrecht, sagt sie.

 

Zwei Lebensmittelgeschäfte, eine Drogerie, ein Modemarkt, eine Apotheke und ein Bäcker bilden an der Ecke von Neckar- und Theodor-Heuss-Straße im Osten Kornwestheims einen Einkaufsschwerpunkt. Für die Kunden dieser Läden gibt es einen Parkplatz. Seit Juni dieses Jahres ist die Parkdauer dort allerdings auf 90 Minuten begrenzt. Am Kimry-Platz werden die Kennzeichen der Fahrzeuge beim Ein- und Ausfahren mit einem Scan erfasst und mit einem Zeitstempel versehen. Wer die Höchstdauer überschreitet, erhält Post von der Parkdepot GmbH, die die Fläche seit dem Sommer bewirtschaftet.


Böse Überraschung im Briefkasten

So ist es Vanessa Seiter aus Kornwestheim ergangen. „Ich kann es kaum fassen“, sagt sie. Die Kornwestheimerin hatte an einem Freitag vor zwei Wochen dort ihr Auto geparkt, um ihre Besorgungen zu erledigen. Sowohl bei Aldi und Rewe als auch bei DM und Takko kaufte sie ein. „Für meine sechsköpfige Familie fällt der Einkauf immer groß aus“, sagt sie. Diesmal wollte sie auch ihre Großmutter, so wie jede vierte Woche, mit benötigten Dingen versorgen. „Ich habe Unsummen an diesem Tag dort ausgegeben“, erinnert sich die Kornwestheimerin.

„Kundenfreundlich“? Nein, findet eine Kornwestheimerin. Foto: Simon Granville

Alles in allem dauerte es etwas über zwei Stunden, bevor sie mit ihrem Auto den Parkplatz wieder verließ. Nur wenige Tage später fand Vanessa Seiter die böse Überraschung im Briefkasten: 42 Euro Strafgebühr für zu langes Parken auf der Fläche am Kimry-Platz.

„Grundsätzlich soll die Höchstparkdauer sicherstellen, dass der Parkplatz den tatsächlichen Kunden zur Verfügung steht und Fremdparker vermieden werden“, teilt die Pressestelle von Parkdepot zu dem Vorfall mit. Die Dauer werde eng mit dem Vertragspartner abgestimmt. Solche Entscheidungen würden datenbasiert getroffen, heißt es weiter. Die Firma verweist auf eine „umfangreiche Beschilderung“, die über die Parkbedingungen informiert. „Kunden und Kundinnen halten sich im Durchschnitt nur etwa 23 Minuten auf einem Parkplatz zum Einkaufen auf“, schreibt das Presseteam.

„Höhe der Strafe steht in keinem Verhältnis“

Bei dem Umfang ihrer Einkäufe sind solche Werte für Vanessa Seiter unrealistisch. Sie benötige immer deutlich mehr als eine Stunde. Dass Fremdparker ferngehalten werden sollen, damit für die Kunden genügend Parkplätze vorhanden sind, kann die Kornwestheimerin verstehen. Sie aber habe den Stellplatz nur für den eigentlichen Zweck genutzt. „Die Strafgebühr wurmt mich sehr“, sagt sie. Etliche Hundert Euro habe sie schließlich in den Läden gelassen. „Deshalb ärgert es mich, dass ich die Strafe bezahlen soll.“ Zudem stehe die Höhe der Strafe in keinem Verhältnis.

Nach einem Anruf bei der Kundenhotline von Parkdepot hat die 40-Jährige ihre Quittungen dem Unternehmen übermittelt. Sie hofft nun, dass auf die Forderung gegen sie verzichtet wird. Ob sich die Firma im Fall von Vanessa Seiter kulant zeigen wird, lässt Parkdepot gegenüber unserer Zeitung derzeit offen. „Selbstverständlich nehmen wir das Feedback der Fahrerinnen und Fahrer ernst und versuchen stetig, das System zu verbessern und Parameter anzupassen“, teilt das Presseteam auf Nachfrage mit.