Kim Herkle aus Oeffingen wird im nächsten Jahr in den USA auftauchen.Foto: Mirko Seifert. Foto:  

Hochleistungssport und Hochschulstudium: Kim Herkle aus Oeffingen zieht im Sommer 2021 nach Louisville um. Die 17-Jährige will in den USA unter der Anleitung des renommierten Trainers Arthur Albiero ihre Karriere vorantreiben.

Fellbach - Trotz der Corona-Pandemie hat Katja Herkle zurzeit noch keine allzu großen Probleme, wenn sie ihre Tochter Kim spontan auf eine Tasse Kaffee besuchen oder einen Beutel schmutziger Klamotten zum Waschen mit zurück ins Elternhaus nehmen möchte. Nur etwa 110 Kilometer oder wenig mehr als eine Stunde Fahrzeit auf der Autobahn sind es von Oeffingen nach Heidelberg, wo die 17-jährige Schwimmerin des SV Cannstatt seit September 2019 am Olympiastützpunkt trainiert und ihren Lebensmittelpunkt hat.

Kim Herkle reizt die Herausforderung

Deutlich schwieriger werden eventuelle Überraschungsbesuche für die Familie vom Sommer 2021 an. Denn dann geht es nicht mehr gemütlich mit dem Auto den Neckar entlang bis nach Nordbaden. Dann geht es für die Eltern zwölf Stunden lang mit dem Flugzeug zu ihrer Tochter: von Frankfurt nach Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Genau dort will Kim Herkle in etwas mehr als einem Jahr, nach dem Abitur am Heidelberger Helmholtz-Gymnasium, ein Studium beginnen und dann vier Jahre lang für die „Cardinals“ in der Atlantic Coast Conference (ACC) an Wettkämpfen teilnehmen. Der Namensgeber der Sportmannschaften der 21 000 Studenten zählenden Universität ist übrigens kein kirchlicher Würdenträger, sondern der Rotkardinal, ein Vogel, der zur Familie der Sperlinge gehört.

„Ich könnte auch in Deutschland studieren und weiterhin Leistungssport betreiben. Mich reizt aber die Herausforderung des amerikanischen College-Systems mit seinen Möglichkeiten und den wöchentlichen Spitzenwettkämpfen ganz extrem“, sagt Kim Herkle, die erst vor rund 20 Monaten den Wechsel vom Jugendverein VfL Waiblingen zum SV Cannstatt vollzogen hat.

Bei den Louisville Cardinals im mittleren Westen der Vereinigten Staaten trifft die Oeffingerin auf den gebürtigen Brasilianer Arthur Albiero

Rund zwei Dutzend Angebote für ein Vollzeitstipendium von Universitäten aus den gesamten USA lagen der Teilnehmerin an den Jugend-Europameisterschaften 2019 im russischen Kasan vor, als sie sich dazu entschied, die Karriere im Sommer 2021 nicht zu Hause fortzusetzen. Sondern im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. „Ich habe mich mit Trainern unterhalten und mich im Internet informiert. Letztlich war es eine Mischung aus dem akademischen Ruf und den sportlichen Möglichkeiten der jeweiligen Schule, wobei das Schwimmprogramm schon den endgültigen Ausschlag für meine Entscheidung gegeben hat“, sagt Kim Herkle.

Bei den Louisville Cardinals im mittleren Westen der Vereinigten Staaten trifft die Oeffingerin auf den gebürtigen Brasilianer Arthur Albiero. Er war nicht nur im Sommer 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Teil des Trainerstabs der US-Nationalmannschaft, er besitzt auch international einen ausgezeichneten Ruf.

Wann und vor allem ob es im Jahr 2020 für die Bruststrecken-Spezialistin aus Oeffingen, die beim TSV Schmiden ihre Karriere begonnen hat, noch Wettkämpfe geben wird, ist im Moment nach wie vor unklar

Mit seinem Co-Trainer Vladislav Polyakov, einem dreimaligen Olympia-Teilnehmer auf den Bruststrecken aus Kasachstan, hat Arthur Albiero in den vergangenen Jahren einige der besten Nachwuchsschwimmer der Welt nach Kentucky gelotst. „Ich bin überzeugt davon, dass das Training auf sehr hohem Niveau stattfinden und mich selbst noch einmal ein Stück nach vorne bringen wird“, sagt Kim Herkle, die künftig unter anderen die Junioren-Weltmeisterin und viermalige Junioren-Europameisterin Maria Astashkina aus Russland als Teamgefährtin an ihrer Seite haben wird.

Wann und vor allem ob es im Jahr 2020 für die Bruststrecken-Spezialistin aus Oeffingen, die beim TSV Schmiden ihre Karriere begonnen hat, noch Wettkämpfe geben wird, ist im Moment nach wie vor unklar. Die Europameisterschaften der Erwachsenen, bei denen Kim Herkle voraussichtlich dabei gewesen wäre, wurden nun auf Mai 2021 verschoben. Die kontinentalen Titelkämpfe der Jugendlichen, die für diesen Juli in Aberdeen/Schottland geplant waren, sollen im Sommer des nächsten Jahres – voraussichtlich noch vor dem Aufbruch in die USA – in Baku/Aserbaidschan stattfinden.

„Eigentlich ist ja 2020 meine letzte Jugend-Saison. Ich bin mal gespannt, ob mein Jahrgang wegen Corona dann nächstes Jahr doch noch einmal in der Jugend antreten darf“, sagt Kim Herkle.

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