Renate Matz kümmert sich kurz vor dem nächsten Backhausfest um den Teig, aus dem ungefähr vierzig Brote entstehen werden. Foto: Ina Schäfer

Der Backhausverein pflegt auf dem Wartberg-Gelände alte Traditionen. Einzig der Nachwuchs fehlt.

Killesberg - Die Handgriffe sitzen. Der Teig, der einige Zeit abgedeckt in Schüsseln geruht hat, wird herausgenommen. schwungvoll auf einem Schieber drapiert und in den großen Ofen geschoben. Es sind Handgriffe, die viele nun schon seit beinahe 20 Jahren machen. Das Team ist aufeinander eingespielt.

1993 wurde das Backhaus im Zuge der Internationalen Gartenausstellung auf dem Wartberg-Gelände direkt neben der ebenfalls dafür errichteten Öko-Station aufgebaut. Mehr provisorisch als professionell ist dort während der Ausstellung Brot gebacken worden. Danach, so war der Plan, sollte das Haus wieder abgerissen werden. Viel zu schade, befand Eva Proschek, die damalige Leiterin der Öko-Station und begab sich auf die Suche nach einer Gruppe von Leuten, die das Backhaus weiter betreiben möchten. „Wir haben den Aushang gesehen und waren gleich dabei“, erinnert sich Renate Matz, die von Beginn an mitmacht und seit etwa acht Jahren zweite Vorsitzende des Backhausvereins ist. Der erste Vorsitzende ist Thomas Kley.

Die Entscheidung, das Backhaus weiter zu betreiben, war mit einiger Arbeit verbunden. Zunächst schloss sich die lose Gruppe zu einem Verein zusammen. Danach wurde erst einmal den Winter über gearbeitet. „Wir haben alles in Eigenregie aufgebaut und ausgebaut“, sagt Renate Matz. Die Wände, die nur aus Containern bestanden, wurden ausgetauscht, und eine Küche eingebaut. Geholfen hat dem Verein, dass einige der Mitglieder einen handwerklichen Beruf hatten und zum Beispiel Elektriker oder Flaschner waren. Für die Einrichtung musste ebenfalls einiges angeschafft werden. Finanziert wurde alles von den Vereinsmitgliedern. „Dieser Winter, in dem wir alles aufgebaut haben, hat uns alle zusammengeschweißt“, blickt Renate Matz zurück . Jedes Wochenende wurde gearbeitet, aber auch getratscht und manchmal sogar zusammen gesungen.

Geselligkeit wird großgeschrieben

Als das Haus und die Einrichtung fertig waren, hat sich die Truppe das Backen in großen Mengen beibringen müssen. „Wir haben von der Pike auf gelernt, wie man Brot backt“, sagt Renate Matz. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel dazu gelernt.“ Im April 1994 fand schließlich das erste öffentliche Backfest statt. Heute, 19 Jahre später, hat sich der Verein eine regelrechte Stammkundschaft aufgebaut. Bei den Backfesten stehen die Leute Schlange, um die ausschließlich schwäbischen Spezialitäten, Brote sowie süße und salzige Kuchen zu kaufen. Man schätzt die selbst erdachten Rezepte, die Zutaten, die mit Bedacht ausgewählt werden. Das Mehl beispielsweise holt der Verein direkt von der Tonmühle in Ditzingen. Zusatzstoffe gibt es nicht .

Anfangs hatte der Verein mehr als fünfzig Mitglieder, heute sind es noch 44. „Uns fehlt der Nachwuchs“, sagt Renate Matz, die selbst 74 Jahre alt ist. „Für das Bäckerhandwerk ist sehr viel Kraft notwendig.“ Auch an diesem Tag, kurz vor dem großen Backfest, wird schwer geschuftet, von früh morgens bis spät in den Abend. Vor dem Backhaus wird Holz für den Ofen gehackt und Gemüse geschnitten. Innen wird der Teig für Bauernbrote, Vollkornbrot, Hefezopf, Flachswickel und salzige Kuchen zusammengerührt. „Das ist wirklich sehr viel Arbeit, da gehört Idealismus dazu“, sagt das Gründungsmitglied Paula Fauth. „Aber es macht auch Spaß.“ Neben den Backfesten trifft sich die Gruppe etwa alle vier Wochen, um für den Eigenbedarf zu backen. Die Geselligkeit wird im Verein großgeschrieben.

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