Schöne Aussichten: von dem im November 2014 ausgebrannten Biergarten On Top hat man einen weiten Blick ins Neckartal hinab. Foto: Petra Mostbacher-Dix, Lichtgut/Leif Piechowski

Nach Plänen des Gartenbauamts soll das abgebrannte LokalOn Top nicht mehr aufgebaut werden. Das finden nicht alle gut.

S-Nord - „Ein Jahr lang haben wir nachgefragt, was passiert, ob man den Wiederaufbau beschleunigen kann, dann kommt aus heiterem Himmel das!“ Keinesfalls amüsant fand Axel Alt (SPD) vom Bezirksbeirat Nord ein Schreiben, das die Bezirksvorsteherin Sabine Mezger in einer Sitzung vorlas. Darin habe das Garten-, Friedhofs- und Forstamt mitgeteilt, dass die Gaststätte On Top an der Stresemannstraße, die vergangenes Jahr abgebrannt war, doch nicht wieder aufgebaut werde. Der Betreiber schließe mit der Stadt Stuttgart einen Aufhebungsvertrag. Als Nachnutzung sei eine Aussichtsplattform auf dem städtischen Gelände geplant, dem Amt lägen Entwürfe der Landschaftsarchitekten des Stuttgarter Büros Luz vor.

„Ein städtischer Schildbürgerstreich“, ärgert sich Alt. „Das Gartenbauamt hat dafür kein Mandat. Stuttgart hat genügend Aussichtsorte.“ Er nennt die kürzlich im Stadtbezirk Nord eröffnete Aussichtsplattform an der Birkenwaldstraße und die neu gestaltete Herrmann-Lenz-Höhe mit Kaffeewasserbrunnen. Was dem Killesberg fehle, sei eine Restauration, in der Spaziergänger und Wanderer kostengünstig ein Vesper und ein Viertele genießen könnten. „Bisher gibt es dort nur Hochpreisiges“, sagt er. „Wir müssen an den demografischen Wandel denken und für Senioren etwas schaffen.“ Ein Nachmieter sei sicher leicht zu finden, ist sich der Bezirksbeirat sicher. „Ich denke da etwa an die Schönbuchbrauerei oder Carls Brauhaus. Wir werden einen Antrag in den Gemeinderat einbringen.“

Auch die Bezirksvorsteherin kann sich Lokal vorstellen

Auch Sabine Mezger kann sich wieder ein Café oder Restaurant am Wartberg vorstellen. „Wir müssen noch im Bezirksbeirat abstimmen – ich höre auf meine Beiräte. Aber für jemand, der etwa das Grüne U abgeht, sollte es einen Ort geben, wo er nachmittags Kaffee oder Radler trinken kann.“ Das könne auch eine Mischung aus bodenständig und gehoben sein: „Nachmittags erschwinglich und ab einer bestimmten Uhrzeit gehobener.“ Was die Bezirksvorsteherin Nord auf jeden Fall verhindern möchte: Dass in dieser Lage die „Selbstrestauration“ Einzug hält und Flaschen oder sonstiger Müll die Landschaft verschandeln, wie es anderen Aussichtspunkten immer wieder vorkomme.

Der Landschaftsarchitekt Christof Luz betont ebenfalls, dies sei ein idealer Platz für Gastronomie und dem Charakter des nahen Höhenparks Killesberg zuträglich sei. Diese müsse, selbst ohne Bierbänke oder Plastikstühle, nicht per se hochpreisig sein. „Es gibt in Stuttgart sicher jemanden, der das kann und einen Ort schafft, an dem sich Jung und Alt trifft“, so Luz. Das beiße sich auch nicht mit der Diskothek Perkins Park, die gegenüber liege. „Im Gegenteil, es ergänzt.“ Bisher habe sein Büro gemäß dem Auftrag des Gartenbauamts einen Vorschlag ohne Gastro erarbeitet: „Wir haben mit einfachsten Mitteln aufgeräumt, den Höhensprung in Form gebracht, zur Straße hin Hecken und zum Tal hin eine Terrasse mit Bänken geplant.“ Er begrüße eine Diskussion über den Ort, auch das Umfeld müsse einbezogen werden, daran habe der Zahn der Zeit genagt. „Nicht nur reparieren, sondern größer denken, kreativ pflegen!“

Der Gartenbauamtsleiter Volker Schirner zeigt sich durchaus offen. Er verstehe die Aufregung nicht. Fakt sei, dass der Pächter des „On Top“ aufgegeben habe und es schwer sei, einen neuen zu finden. „Es ist eine bedeutende Stelle für die Parklandschaft, der Eingang. Keiner hat etwas gegen Gastro, aber es muss ein vernünftiger, finanzierbaren Vorschlag sein“, so Schirner. „Wichtig ist, dass sie qualitätvoll gestaltet ist, keine Pommesbude.“ Einen Plastikvorbau wie in den vergangenen Jahren werde man nicht tolerieren.

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