Killer im Kino Was nicht zu rechtfertigen ist

Von Bernd Haasis  

Wie ein Falke: Forest Whitaker (li.) und Cliff Gorman in Ghost Dog Foto: dpa
"Wie ein Falke": Forest Whitaker (li.) und Cliff Gorman in "Ghost Dog" Foto: dpa

Was geht in Menschen vor, die mit Morden ihr Geld verdienen? Das Kino sucht nach Antworten.

Stuttgart - Was geht in Menschen vor, die mit Morden ihr Geld verdienen? Nicht erst seit die Festangestellten Jules und Vincent in "Pulp Fiction" (1994) über Hamburger diskutierten, sucht das Kino Antworten.

"Es besteht eine große Nachfrage nach meinem Tun, Mr. Bond", sagt Vincent Schiavelli als Dr. Kaufman in "Der Morgen stirbt nie" (1997) zu Pierce Brosnan als Bond, in dem er freilich seinen Meister findet. Fast alle Mörder bezahlen dafür, vom Tod anderer gelebt zu haben. Jean Reno kommt in "Léon der Profi" (1994) davon, solange er Prinzipien beherzigt: keine Frauen und Kinder, kein Kontakt nach außen. Eine Pflanze ist Léons einziger Freund - bis die halbwüchsige Mathilda seinen Schutz sucht.

"Was soll ich werden, Arzt?"

Ein Problem sind die Geldgeber. Forest Whitakers Hitman in "Ghost Dog" (1999) hält sich streng an Samurai-Regeln, die ein prinzipienloser Mafioso gegen ihn wendet, und Tom Hanks wird in "Road to Perdition" (2002) als loyaler Handlanger vom Boss verraten. Öffentliche Aufträge sind kaum besser: In "Scorpio" (1973) arbeiten Burt Lancaster und Alain Delon als CIA-Knipser zusammen, doch dann soll einer den andern ausschalten - und auch Robert Redford und Brad Pitt sind in "Spy Game" (2001) nach anfänglicher Kooperation miteinander und mit staatlichen Interessen über Kreuz.

Agenten mit Lizenz zum Töten geraten leicht außer Kontrolle. Jean-Paul Belmondos Exemplar in "Der Profi" (1981) soll einen afrikanischen Potentaten erledigen, doch die Regierung lässt ihn fallen; als Antwort stellt er Paris auf den Kopf. Was Privatkunden blühen kann, zeigt sich am Lebensmüden in Aki Kaurismäkis "I Hired a Contract Killer" (1990): Als er sich unverhofft verliebt, wird er den für sich selbst gedungen Mörder kaum wieder los.

Ein zweifelhaftes Berufsethos kommt da ins Spiel, das rechtfertigen soll, was nicht zu rechtfertigen ist. Als menschliche Müllabfuhr stilisiert sich der Zyniker (Tom Cruise) in "Collateral" (2004), Dr. Kaufman definiert sich allein über Präzision (siehe Zitat). Selten kommt es zur Läuterung. Jules überlebt "Pulp Fiction", weil er von Herzen aussteigt. Nur wohin, wenn man sein Leben in einer Sackgasse verbracht hat, mit Gangstern und Schalldämpfern? In "Brügge sehen und sterben" (2008) hat Ray (Colin Farrell) aus Versehen einen kleinen Jungen mit erschossen. "Was soll ich werden, Arzt?", fragt er ratlos. "Dafür braucht man Zeugnisse."

 

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