Je später der Abend, desto wilder die Musik: Kiefer Sutherland Foto: Lichtgut - Ferdinando Iannone/Ferdinando Iannone

Der Filmstar und Sänger Kiefer Sutherland ging im Wizemann seiner Neigung zum Countryrock nach.

Der Hollywoodstar packt die Gitarre, sprintet zum Mikrofon. Kiefer Sutherland ist nicht nur Sohn eines der bekanntesten Schauspieler der letzten 50 Jahre, er gehört diesem Club auch selber an. Er hat unvergessliche Filme und Fernsehserien gedreht und irgendwann beschlossen, dass er auch Countrymusik kann. Damit liegt er nicht falsch. Einmal schon war er im Wizemann zu Gast, kurz bevor Corona kam. Am Sonntagabend ist sein Publikum kleiner als damals, aber Sutherland hat ein neues Album im Gepäck. „Bloor Street“ erschien im Januar und ist benannt nach einer Straße, die quer durch Toronto verläuft – dort wuchs Kiefer Sutherland auf, an einer Ecke dieser Straße hatte er seinen ersten Job, an einen anderen küsste zum ersten Mal.

 

„Bloor Street“ ist ein solides Country-Album; Kiefer Sutherland glänzt mit heller, gefühlvoller, doch rauer Stimme. Auf der Bühne will er mehr: Er spielt kratzigen Bluesrock und Boogie, lebt sich aus, erzählt Geschichten und wirkt dabei erstaunlich nahbar.

Kamillentee und kantige Riffs

In Los Angeles muss es Bars geben, in denen man spät abends Kiefer Sutherland sehen kann, der vor sich hinblickt, schließlich weiß, dass durch diese Tür niemals seine künftige Frau treten wird. Dann steht er auf, geht, um zuhause einen Song zu schreiben, den er „Going“ nennt. „Reckless and Me“, ein Stück seines ersten Albums, erzählt von den 1990er Jahren, in denen Sutherland, längst schon berühmt, auch Rodeo-Reiter war: „A Boy and his Pony“.

Irgendwo im Hintergrund, da steht ein kleines Tischchen. Darauf eine Schirmlampe, darunter zwei Gläser. Das größere enthält wahrscheinlich Wasser, das kleinere vielleicht Kamillentee, vielleicht auch nicht. Kiefer Sutherland nippt gelegentlich daran. Je später der Abend, desto wilder seine Musik. In der Zugabe lässt er die Gitarre stehen. Die kantigen Riffs spielt nun der Mann, der zuvor die Pedal-Steel-Guitar bediente. Sein Chef hat den Hut beiseite gelegt, bellt das Mikrofon an, springt über die Bühne: Kiefer Sutherland pflegt seine Hobbies mit Hingabe.